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Ludger Hinse zu Kirche und Kunst

ein Angebot zum Dialog

Wie Ludger Hinse Kirche und Kunst in Beziehung setzt, erläutert er in einem Text:


"Kunst in Kirchen
Frage: Warum gehe ich mit meiner Kunst in die Kirchen?
Antworten:
Kreuze gehören der Kirche?
Nein, das Kreuz ist nicht im Privatbesitz einer Kirche, es hat seinen Ursprung auf den menschlichen Schutthalden dieser Welt.
Es aber in die Kirche zu stellen, ist etwas grundsätzlich anderes, als in einem Museum oder in einer Galerie.
Die Kirche ist keine Kunsthalle, sondern ein Ort an dem sich christlicher Glaube zum Teil über Jahrhunderte hinweg auch und gerade in von Künstlern geschaffenen Arbeiten darstellt. Das Selbstverständnis der Jahrhunderte in der die Kunst die visuelle Schwester der Religion war, ist leider zu oft einem ängstlichen, musealen Verständnis gewichen.
Jedes Jahrhundert, jede Kulturepoche produzierte die Kunst, die dem jeweiligen Zeitverständnis entsprach; das frühe Mittelalter die romanische Kunst, das späte Mittelalter die gotische Kunst, etc. In vielen Kirchen sind die Kunstepochen wunderbar abzulesen.
Die Kirche darf aber nicht zum „Glaubensmuseum" werden. Das kirchlich zugelassene Bild ist nicht festgelegt auf realistische Interpretation der Bibel, sondern muss die Gegenwart der Menschen und die zeitgenössische Kunst des - heute und jetzt -mit einbeziehen.
Wer sich unbefangen auf ein Kunstwerk einlässt, kann sehr wohl spüren, welche Kraft davon ausgeht, manches braucht auch Geduld und Zeit, es braucht die Kunst der Betrachtung. Glauben und Beten gewinnen durch die Kunst gerade an Kraft und Tiefe.
Einige werden sich gestört fühlen, durch Fremdes und Neues in der Kirche. Gut so! Das „Neue" soll auch zu einer spannungsreichen Begegnung führen.
Meine Arbeit soll nicht „ausgestellt" werden, sondern einbezogen werden in die Liturgie, in die Gemeindearbeit. Es ist keine Ausstellung, sondern eine befristete Gestaltung des gestalteten Raumes. Es gibt deshalb auch keine Vernissage und keine Finissage, sondern ein Angebot zum Dialog und mein Wunsch, meine Arbeiten mit in den Gottesdienst und weitere Veranstaltungen einzubeziehen.
Ich glaube, dass sich zeitgenössische Kunst und die Glaubensbotschaft im Raum der Kirche fruchtbar begegnen können. Meine Erfahrungen, aber auch andere Projekte, haben es gezeigt.
Die Kirche muss ihre Ängstlichkeit gegenüber zeitgenössischer Kunst aufgeben und der Künstler muss sich bewusst sein, die Kirche ist kein Ausstellungsort und sie muss auch nicht möbliert werden. Es geht vielmehr um die große Herausforderung in einem zum Teil kunsthistorisch bedeutendem Raum, der architektonisch auf den Zweck einer Kirche gestaltet ist, neue künstlerische Zeichen zu setzen, die den vorhandenen Raum aufnehmen und neue Anregungen und Ideen vermitteln.
Ich hoffe, dass meine Kreuzarbeiten in den Kirchen bei den Menschen Spuren hinterlassen."
Im Januar 2007 Ludger Hinse

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