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NEWSORDNER

"Wie können wir heute verantwortlich von Israel sprechen?" - Vortrag und Gespräch mit Marten Marquardt im Haus des Kirchenkreises, Limperstraße 15, am Dienstag, 17. April um 19 Uhr

Pfarrer Marten Marquardt gehörte viele Jahre lang dem Ausschuss "Christen und Juden" der Evangelischen Kirche im Rheinland an und leitete die Melanchthon-Akademie. Im 70. Jahr der Existenz des Staates Israel versucht der evangelische Theologe eine vorurteilslose Sichtung des Zusammenwirkens von Geschichte (Schoah), Politik (Naher Osten) und Theologie (evangelisch).
"Wie können wir heute verantwortlich von Israel sprechen?" - Vortrag und Gespräch mit Marten Marquardt im Haus des Kirchenkreises, Limperstraße 15, am Dienstag, 17. April um 19 Uhr

Pfarrer i.R. Marten Marquardt

RECKLINGHAUSEN - Die Errichtung des Staates Israel sei "ein Zeichen der Treue Gottes", so lautete der Beschluss der Rheinischen Landessynde vom 11. Januar 1980. Nach Meinung des damaligen Präses "ein erster Schritt in einem uns allen aufgetragenen Lernprozess".

Dem Rheinischen Synodalbeschluss sind inzwischen die meisten Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit eigenen Erklärungen gefolgt. Und es gibt einen Konsens: die Absage an den Antisemitismus, das Eingeständnis christlicher Mitverantwortung und Schuld am Holocaust beziehungsweise Schoah, die Erkenntnis der unlösbaren Verbindung des christlichen Glaubens mit dem Judentum, die Anerkennung der bleibenden Erwählung Israels und die Bejahung des Staates Israel.

Im 80. Jahr der Existenz des Staates Israel versucht Marquardt eine vorurteilslose Sichtung des Zusammenwirkens von Geschichte (Schoah), Politik (Naher Osten) und Theologie (evangelisch) unter der Fragestellung: "Wie können wir heute verantwortlich von Israel sprechen?" Nach seinem Vortrag ist Gelegenheit zum Gespräch mit dem Publikum.

Die Veranstaltung ist Bestandteil des Rahmenprogramms zur "Woche der Brüderlichkeit 2018" und wird von Gerda E.H. Koch, Evangelische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kreis Recklinghausen e.V. und Julia Borries, Referentin für Evangelische Erwachsenenbildung, verantwortet. GH

 

"Heimat im Revier" - Gottesdienst zu den Ruhrfestspielen in der Christuskirche, Limperstraße 13, am 6. Mai um 10 Uhr

Festspiele sind nicht der Alltag oder die Einfalt. Festspiele sind die hohen Feiertage der Kultur und Kunst. Und sie zeigen die Vielfalt und Kreativität der Kultur und damit der Kunst. In dem Gottesdienst mit Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek und Pfarrer Eugen Soika ist Dr. Frank Hoffmann zu Gast, der sich mit dem Thema "Heimat" für seine 14. Spielzeit als Intendant der Ruhrfestspiele verabschiedet.
"Heimat im Revier" - Gottesdienst zu den Ruhrfestspielen in der Christuskirche, Limperstraße 13, am 6. Mai um 10 Uhr

Intendant Dr. Frank Hoffmann und Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek

RECKLINGHAUSEN - Festspiele sind nicht der Alltag oder die Einfalt. Festspiele sind die hohen Feiertage der Kultur und Kunst. Und sie zeigen die Vielfalt und Kreativität der Kultur und damit der Kunst.
 
In dem Gottesdienst mit Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek und Pfarrer Eugen Soika ist Dr. Frank Hoffmann zu Gast, der sich mit dem aktuellen Thema "Heimat" für seine 14. Spielzeit als Intendant der Ruhrfestspiele verabschiedet.

Die Veranstalter laden nach dem Gottesdienst herzlich ein zum anschließenden Kirch-Café. GH

Ausstellungseröffnung "Haymatloz" in der Hertener Thomaskirche, Langenbochumerstraße 437, am Freitag, 20. April um 18:30 Uhr

Eine Ausstellung zu einem fast vergessenen Kapitel deutsch-türkischer Geschichte: Zwischen 1933 und 1945 emigrierten hunderte deutschsprachige Flüchtlinge, darunter viele Wissenschaftlicher, Politiker und Künstler, in die Türkei. Das hat Auswirkungen bis heute. Pfarrerin Ursula August war bis vor kurzem einige Jahre in der evangelischen Gemeinde in Istanbul tätig. Zur Vernissage wird sie über Hintergründe der Ausstellung berichten und mit den Gästen auch aktuelle deutsch-türkische Themen diskutieren. Am Donnerstag, 26. April um 19 Uhr wird in der Thomaskirche der Dokumentarfilm "Haymatloz" gezeigt. Anschließend ist Gelegenheit, mit der Regisseurin Eren Önsöz ins Gespräch zu kommen.
Ausstellungseröffnung "Haymatloz" in der Hertener Thomaskirche, Langenbochumerstraße 437, am Freitag, 20. April um 18:30 Uhr

Pfarrerin Ursula August und Regisseurin Eren Önsöz

HERTEN – „Haymatloz“ – so lautet der Titel einer Ausstellung in der Thomaskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Westerholt-Bertlich, die das Exil von deutschsprachigen Flüchtlingen in der Türkei zwischen 1933 und 1945 beschreibt. Hunderte deutscher Wissenschaftlicher, Politiker und Künstler emigrierten in dieser Zeit auf Einladung der damaligen türkischen Regierung in die Türkei.

 

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, den 20. April um 18.30 Uhr in der Thomaskirche an der Langenbochumer Straße. An diesem Abend wird Pfarrerin Ursula August zu Gast sein, die viele Jahre in Marl und in der evangelischen Gemeinde in Istanbul/Türkei tätig war, zu Gast sein. Sie wird über die Hintergründe der Ausstellung berichten und auch aktuelle deutsch-türkische Themen diskutieren.

 

Zur Ausstellung wird am Donnerstag, den 26. April um 19 Uhr in der Thomaskirche der Dokumentarfilm „Haymatloz“ der Filmemacherin Eren Önsöz zu sehen sein. Die Regisseurin untersucht mit Hilfe von fünf Personen, die in der Türkei geboren und aufgewachsen sind, dieses vergessene Kapitel deutsch-türkischer Geschichte, dessen Bedeutung bis in die Gegenwart reicht. Nach der Filmvorführung ist Gelegenheit zum Gespräch und Austausch mit Eren Önsöz.

 

Bis Mitte Mai ist die Ausstellung in den Räumen der Thomaskirche zu sehen. Sie ist geöffnet montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags nach den Gottesdiensten. Danach wandert die Ausstellung in die Rosa-Parks-Schule Herten.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Evangelischen Kirchengemeinde Westerholt-Bertlich, der Erwachsenenbildung des Ev. Kirchenkreises Recklinghausen, dem „Haus der Kulturen“ und dem Christlich-Islamischen Arbeitskreis (CIAK) in Herten. Ansprechpartnerin ist die Referentin für Erwachsenenbildung, Julia Borries (Tel. 02361 206-503, E-Mail: julia.borries(at)kk-ekvw.de). uka

Gründonnerstag-Abendmahlgottesdienste in Recklinghausen

Am "Gründonnerstag" (29. März 2018) gedenken Christinnen und Christen des letzten Abendmahls Jesu mit seinen 12 Jüngern am Vorabend seiner Kreuzigung (Karfreitag). Im Evangelischen Kirchenkreis werden vielfältige Zugänge zum Thema geboten.
Gründonnerstag-Abendmahlgottesdienste in Recklinghausen

Portal der Christuskirche, Limperstraße 13



RECKLINGHAUSEN - Der biblischen Überlieferung folgend, hat Jesus selbst das letzte Abendmahl einberufen und seinen Ablauf (Liturgie) festgelegt. Aus evangelischer Perspektive sind Abendmahl und Taufe von daher die einzigen zwei Sakramente.

Am Gründonnerstag, 29. März 2018, bieten die meisten evangelischen Kirchengemeinden einen besonderen Abendmahlsgottesdienst am Abend an. Die Altstädter Kirchengemeinde in Recklinghausen-Mitte beispielsweise lädt um 18 Uhr zu einem Tischabendmahlsgottesdienst in ihr Gemeindehaus, Limperstraße 15.

Zu einem frühen Gottesdienst um 9 Uhr lädt die Superintendentin Katrin Göckenjan in die Christuskirche, Limperstr. 13. GH

Betend Brücken bauen: Christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit

Mit einer Gemeinschaftsfeier in der Christuskirche am Vorabend der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit versicherten sich Christen und Juden ihrer gemeinsamen Wurzeln als Geschwister im Glauben.
Betend Brücken bauen: Christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit

(v.r.:) Rabbiner Prof. Andreas Nachama, Landeskirchenrat Vicco von Bülow, Superintendentin Katrin Göckenjan und Bischof Felix Genn (verdeckt) am Ausgang der Christuskirche.

 

RECKLINGHAUSEN - In Vertretung von Präses Annette Kurschus erinnerte Landeskirchenrat Vicco von Bülow eingangs an den Paradigmenwechsel im theologischen Verständnis des Verhältnisses zwischen Christen und Juden als „Geschwister im Glauben". Die bleibende Verbundenheit zu Israel sei nicht nur seit 1999 in Artikel 1 der Kirchenordnung festgehalten, sondern spiegle sich auch in der liturgischen und textlichen Neuordnung des Israelsonntags elf Wochen nach Pfingsten, der seit jeher das Verhältnis zwischen Christen und Juden thematisiere. Das Wochenmotto „Angst überwinden – Brücken bauen“ aufnehmend, zitierte er Rabbi Nachman von Bratslav im Sinne des Wunsches für eine gelingende Kontaktaufnahme: „Die ganze Welt ist eine sehr schmale Brücke, und die Hauptsache ist, sich gar nicht zu fürchten.“

Auch wenn es, biblisch gesehen, kein Wort für „Brücke“ gebe, seien Gebete wie Psalm 27 „die biblischen Brücken“, stellte Rabbiner Prof. Andreas Nachama mit Blick auf den diesjährigen Leitspruch fest. Dieser ziele auf den „Abbau der Angst vor Fremden und das Brückenbauen zu ihnen.“ Die Gründer des modernen Europa hätten in diesem Geist und mit dem Blick auf das Ganze gehandelt, bescheinigte Nachama den Genannten. „Angesichts des millionenfachen Mordes an den europäischen Juden von im wesentlich christlich geprägten Deutschen“ sei die Gründung der ersten Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit vor 69 Jahren und die damit „angestrebte Geschwisterlichkeit zwischen Christen und Juden“ eine Utopie gewesen, die inzwischen langsam und auf vielfältige Weise Wirklichkeit werde.

Erinnerung sei ein „Zurückgehen des Herzens“, begann Bischof Felix Genn seine Predigt mit einem Zitat von Papst Franziskus. Dies könnten die Christen von Israel lernen. Erinnerung sei notwendig für die Zukunft, „weil sie uns an die Wurzeln unseres Glaubens und unserer Kultur führt, und weil sie uns hilft, allen Kräften zu wehren, die eine so unsagbare Schandtat wie die Schoah möglich machten“, bekräftigte Genn. Der Jude Jesus sei für ihn „der exemplarische Israelit“, der aus tiefem Zutrauen zu Gott gelebt und gebetet habe.

Die Erinnerung an das, „was unser Volk und viele andere dem jüdischen Volk im Laufe der sich christlich nennenden Geschichte angetan haben“, sei beschämend, sagte Genn. Umso mehr brauche es eben die Woche der Brüderlichkeit und des „Zusammenwirkens derer, die aus diesem Erbe“ schöpften. „Die Erinnerung an den großen Schatz des jüdischen Glaubens hilft uns, die Zukunft aufzubauen, die zum Segen aller werden kann.“

In ihren Fürbitten dankte Superintendentin Katrin Göckenjan „für diese Stunde der Gemeinschaft“. Sie bat um „den Mut, des Vergangenen zu gedenken“, „voneinander zu lernen“ und „den Geist der Geschwisterlichkeit unter uns wachsen“ zu lassen in der Hoffnung, damit „Brücken der Gerechtigkeit und des Friedens bauen“ zu können - und bettete damit die zuvor genannten Perspektiven in einen weltweiten Horizont. GH

Europa ist kein Paradies

9. Kirchliches Filmfestival eröffnete mit dem Flüchtlings-Dokumentarfilm "Eldorado"
Europa ist kein Paradies

Regisseur Markus Imhoof stellte sich nach der Filmvorführung den Fragen seines Publikums im „Cineworld“ Recklinghausen

RECKLINGHAUSEN - Etwa 150.000 Flüchtlinge hat die italienische Marine der Seenotrettungs-Operation „Mare Nostrum“ in den Jahren 2013 und 2014 aus den libyschen Gewässern gezogen und gerettet. Frauen, Kinder, Männer. Die meisten kommen aus Libyen, Syrien, Eritrea und Somalia. Wie viele in den letzten 15 Jahren nicht gerettet werden konnten, darüber gibt es nur Schätzungen: zwischen 25.000 und 80.000. Das Mittelmeer ist zu einem Flüchtlingsgrab geworden. Und ein Ort, an dem sich entscheidet, ob die Europäische Union es schafft, sich ihrer humanen Verantwortung für die vor Krieg, Gewalt und Umweltzerstörung Geflüchteten bewusst zu werden und entsprechend zu handeln.

Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof hat in früher Kindheit eigene Erfahrungen zum Thema gemacht: „Ich war vier, als Giovanna zu uns kam“, erzählte der 76-Jährige. Das italienische Flüchtlingskind wurde in seine Familie aufgenommen und von seinen Eltern gesund gepflegt. Für das Mädchen war die Schweiz das Paradies, aus dem es allerdings zeitweise wegen schwieriger politischer Konstellationen fliehen musste. „Sie starb mit 15, das vergißt man nicht“, sagte Imhoof.

Mit seinem Flüchtlingsdokumentarfilm begibt sich Imhoof auf die Spuren Giovannas. Schon die Eingangssequenz aus der Perspektive der Rettungskräfte geht einem unter die Haut, setzt sich im Kopf fest: auf hoher See und schwankendem Untergrund fängt das suchende Kameraobjektiv ein paar dunkle Flächen und Punkte auf hoher See ein. Beim Heranzoomen wird klar, dass es sich um ein Flüchtlingsboot voll mit Menschen handelt, von denen einige bereits über Bord gegangen sind und um ihr Überleben kämpfen.

 „Am gefährlichsten wird es, wenn alle aus dem Boot wollen, denn die meisten können nicht schwimmen“, schilderte Imhoof die Situation beim Andocken. „Ich kann nicht helfen, ich bin zu schwach“, bedauerte der 76jährigen Schweizer Filmemacher. Aber mit der Kamera gelingen ihm Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben wie Blei: von Entbehrung und Leid gezeichnete dunkelgraue Gesichter, halbnackte Füße ohne Schuhe, notdürftig behandelte Wunden, kreuz und quer auf dem Schiffsdeck liegende Menschen, umhüllt von goldenen Aluminiumdecken. Für sie sei Europa - wie damals für Giovanna die Schweiz - das Paradies, als sie ihre Heimat verließen, sagte Imhoof.

„Es geht um unsere weiße Sicht. Die Glücklichen verwalten die anderen“, stellte Imhoof klar. Nicht die versteckte Kamera mit den Aufnahmen in Flüchtlingsghettos und bei der Schwarzarbeit und das damit verbundene hohe Risiko im Falle der Entdeckung sei das Problem gewesen. „Das Schwierigste war es, Türen aufzukriegen und die Behördenleiter zum Interview zu bekommen. Wer möchte schon, dass die Leute erfahren, was der Staat mit dem Geld von der Europäischen Union wirklich macht?“

„Auf lange Sicht müssen wir aus dem Kolonialismus und der Sklaverei raus. Es braucht eine Art Marshallplan, zu dem auch Afrika gehört“, forderte Imhoof. Die Europäische Union finanziere Gefängnisse, in denen Frauen vergewaltigt würden - „und niemand will Verantwortung übernehmen“, so der Filmemacher. Die Kirchen hingegen lobte er für ihre klare Positionierung für die Flüchtlinge und die vielfältigen Hilfsangebote und Impulse der vielen ehrenamtlich Tätigen vor Ort.

Für ein engagiertes Miteinander von Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft warb Bürgermeister Christoph Tesche bei seinem Grußwort. Der Eröffnungsfilm sei ein eindrücklicher „Appell an die Menschlichkeit“ und Empathie, um die herrschende Hartherzigkeit und den Bürokratismus in ihre Grenzen zu verweisen.

Mit ihrer jeweiligen Botschaft „bauen die Filmschaffenden eine Brücke zwischen dem Medium Film und der Wirklichkeit“, betonte Superintendentin Katrin Göckenjan und verwies auf das Motto der zeitgleich stattfindenden „Woche der Brüderlichkeit beziehungsweise Geschwisterlichkeit“: „Angst überwinden und Brücken bauen“ sei die gemeinsame Aufgabe mit den Filmemachern. „Den Himmel im Blick haben. Die Brücken zwischen Menschen stark machen, darum muß es gehen, in diesen Zeiten ganz besonders!“

Probst Jürgen Quante erinnerte an die Bedeutung von Filmen als Leitmedium für die Bildung und für die Identitätsentwicklung. Weihbischof Dieter Geerlings verwies abschließend auf den unauflöslichen Zusammenhang von Fremdheit, Flucht und Gastfreundschaft, wie er in der Bibel als Feld der Begegnung mit Gott beschrieben werde: „Der Flüchtling ist auch immer der Flüchtling in uns. Der Fremde ist auch immer der Fremde in uns.“GH

Höhepunkt des 9. Kirchlichen Filmfestivals: Preisverleihung für "Camino a La Paz"

"Vertrauen ist das zentrale Thema des Films. Einem anderen Menschen vertrauen, sich selbst vertrauen, auf Gott vertrauen. Der Film nimmt uns an die Hand und führt uns heraus aus der Angst vor allem Fremden und vor der Zukunft. Der Regisseur Francisco Varone erzählt uns eine der schönsten Geschichten, die es zu erzählen gibt", sagte Superintendentin Katrin Göckenjan in ihrem Grußwort in Vertretung für die erkrankte Schirmherrin Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Höhepunkt des 9. Kirchlichen Filmfestivals: Preisverleihung für "Camino a La Paz"

Regisseur Francisco Varone (4.v.r.) und Produzent Gunter Hanfgarn (5.v.l.) mit Superintendentin Katrin Göckenjan (3.v.r.) , Propst Jürgen Quante (rechts) und (v.l.) dem Team von "Kirche und Kino"

RECKLINGHAUSEN – Eine positive Bilanz zogen die Veranstalter zum Abschluss des 9. Kirchlichen Filmfestivals, das am Sonntag in Recklinghausen zu Ende ging. Zwölf Spiel- und Dokumentationsfilme sowie drei Kurzfilme, viele vor dem offiziellen Kinostart, waren an den fünf Tagen im „Cineworld“-Kino in Recklinghausen zu sehen. In diesem Jahr standen politische Filme, die Gemeinsames, aber auch Trennendes in einer globalisierten Welt zeigten, im Mittelpunkt des Festivals.

„Camino a La Paz“ hat den diesjährigen Kirchlichen Filmpreis erhalten. Regisseur Francisco Varone, der extra aus Buenos Aires angereist war und Produzent und Grimme-Preis-Träger Gunter Hanfgarn nahmen das Preisgeld von 2000 Euro und den Olivenbaum als Sinnbild des Friedens gemeinsam entgegen. Der Preis wird im Wechsel von der evangelischen und katholischen Kirche verliehen, in diesem Jahr von der Stiftung „Protestantismus, Bildung und Kultur“ des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Westfalen und Lippe.

In seinem Grußwort hob Propst Jürgen Quante die Bedeutung der Filmarbeit für die Kirchen hervor. Dabei nahm er Bezug auf den aus Recklinghausen stammenden Hape Kerkeling, der Gott einmal mit einem hervorragenden Film verglichen hatte. Die Kirche sei die Projektionsfläche für Gott. Selbst wenn die Vorführung Schwächen hätte, ändere das nichts an der Größe des Films. „Gott ist der Film und die Kirche ist das Kino, in dem der Film läuft“. Kirche und Kino wollen beide etwas bewegen und sich einmischen. „Das Kirchliche Filmfestival hat schon lange ein Gespür dafür“, so Quante. Er lud das Publikum ein, sich anstecken und aufrütteln zu lassen „von dem, was wir zu sehen bekommen.“

Mit dem diesjährigen Preis des Kirchlichen Filmfestivals wurde ein aktueller Film prämiert, der sich mit Menschen im Spannungsfeld von Arbeit, Kultur und Religion auseinander setzt. Der Film handelt von einem älteren Mann und gläubigem Muslim, der mit einem Taxi von Buenos Aires (Argentinien) in das 3000 Kilometer entfernte La Paz (Bolivien) reist. Die lange Reise entwickelt sich zu einem Abenteuer, das die beiden Männer zusammen schweißt. Der Film wird im Juni in den deutschen Kinos an den Start gehen.

In ihrer Laudatio machte Superintendentin Katrin Göckenjan in Vertretung der erkrankten Präses Annette Kurschus Mut zum Vertrauen. „Vertrauen ist das zentrale Thema des Films. Einem anderen Menschen vertrauen, sich selbst vertrauen, auf Gott vertrauen. Der Film nimmt uns an die Hand und führt uns heraus aus der Angst vor allem Fremden und vor der Zukunft.“ Dabei nahm Göckenjan auch Bezug auf die aktuelle politische Situation. „Eine Begegnung von Mensch zu Mensch. Den Himmel im Blick. Ein Weg zum Frieden. Francisco Varone erzählt uns eine der schönsten Geschichten, die es zu erzählen gibt.“

Der diesjährige Kinder- und Jugendfilmpreis ging an den Film „Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs“ von Regisseur Christian Theede. Die zwölfjährige Hauptdarstellerin Marleen Quentin und Produzent Holger Ellermann nahmen die Auszeichnung entgegen, die in jedem Jahr von Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche und Propst Jürgen Quante verliehen wird.

Erstmals in seiner Geschichte ging das Kirchliche Filmfestival mit einem Film in eine Kirche. In der Propsteikirche St. Peter im Herzen der Stadt Recklinghausen wurde Stummfilm-Klassiker „Faust“ aus dem Jahr 1926 von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau gezeigt. Musikalisch wurde der Film von Regionalkantor Thorsten Maus live an der Orgel begleitet. Zu Ende ging das 9. Kirchliche Filmfestival mit dem neuen Bibelfilm „Maria Magdalena“ des amerikanischen Regisseurs Garth Davis, der die Rolle Marias an der Seite Jesu in den Mittelpunkt stellt. Der Film ist läuft gerade in den deutschen Kinos an.

Veranstalter des Kirchlichen Film-Festivals ist der Arbeitskreis „Kirche & Kino“ des Evangelischen Kirchenkreises und des Katholischen Kreisdekanats Recklinghausen, das sind (Foto v.l. hinten): „Cineworld“-Theaterleiter Kai-Uwe Theveßen, Julia Borries, Referentin für Erwachsenenbildung im Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen, Marc Gutzeit, Geschäftsführer des katholischen Kreisdekanats, Pfarrer Thomas Damm, Schwerte und Joachim van Eickels, katholischer Schulseelsorger. Seit 2002 bringt der ökumenische Arbeitskreis unter der Überschrift „weltenbilder – bilderwelten“ besondere sehenswerte Filme ins Kino und ins Gespräch. Partner des Festivals sind die Stadt Recklinghausen, das „Cineworld“ und das Institut für Kino und Filmkultur e.V. (IKF, Köln/Wiesbaden). Die Schirmherrschaft haben Präses Annette Kurschus (Ev. Kirche von Westfalen), Bischof Felix Genn (Bistum Münster) und Bürgermeister Christoph Tesche (Stadt Recklinghausen). Die künstlerische Leitung liegt bei Horst Walther und Michael M. Kleinschmidt vom IKF.

Im nächsten Jahr feiert das Kirchliche Filmfestival in Recklinghausen mit seiner zehnten Ausgabe ein kleines Jubiläum. Weitere Informationen finden Sie unter www.kirchliches-filmfestival.de. uka

Wenn Populismus populär wird

KIRCHENKREIS Ein Begegnungstreffen mit Vorträgen am 12. März 2018 im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ in Recklinghausen - Mit Vorträgen zur Problematik des in Europa und Deutschland um sich greifenden Rechtspopulismus begrüßten die Veranstalter der Woche der Brüderlichkeit ihr Publikum im Kreissaal des Kreises Recklinghausen. - In seiner Eröffnung machte Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt) auf eine zunehmend aggressive Rhetorik in der politischen Auseinandersetzung aufmerksam und sprach damit seine Sorge aus, denn diese Rhetorik sei eine „Beschädigung der Gemeinschaft“.
Wenn Populismus populär wird

Landesbischof Ralf Meister (Hannover/EKD) und Rabbiner Avraham Yitzchak Radbil (Osnabrück) (v.l.)

Er forderte dagegen die „Achtung vor der Würde des Menschen“ ein, die die „Grundlage des menschlichen Zusammenlebens“ sei. Auch Rabbiner Jonah Sievers (Berlin) schloss sich diesen Bedenken an: „Unsere Zivilgesellschaft ist in einem verbesserungswürdigen Zustand“, hielt er fest. Vor allem das Nichtanerkennen der Ängste in der Bevölkerung, die „Verneinung der Realität“ habe den Boden für das Wiederaufleben des Antisemitismusses bereitet. Landrat Cay Süberkrüb ordnete dazu ergänzend die kürzlichen Angriffe auf Moscheen in verschiedenen Städten Deutschland als „unverzeihlich“ ein.
 
In seinem Vortrag unter dem Titel „Angst um Identität. Rechtspopulismus in einer verängstigten Gesellschaft“ entfaltete Landesbischof Ralf Meister (Hannover/EKD) den Begriff des Volkes anhand seines Verständnisses der Volkskirche. Diese sei in ihrem Selbstverständnis „Kirche für das Volk“: Jeder könne sich auf diese Kirche berufen, „auch die, die nicht diesen Glauben teilen“, sagte Meister. Denn diese Kirche sei eine, die sich zu Gottes Barmherzigkeit bekenne, die allen Menschen gelte. Mit Rückblick auf die deutsche Geschichte bezeichnete er den Begriff des Volkes als „vergiftet“. Dem gegenüber „galt die Idee der Nation auch für Fremde“, also der „Einheit in Vielfalt“. Meister warnte eindringlich vor der hohen „Affinität von Populismus und Fremdenfeindlichkeit“, die in gefährlicher Weise „nicht Austausch, sondern Trennung und Abwehr“ produziere. In unserer Gesellschaft nehme der Druck auf den Einzelnen zu, wodurch sich ein verstärktes Konkurrenzempfinden einstelle. Diejenigen, die sich von der Politik nicht mehr verstanden fühlten, hätten sich von ihr entfremdet. Die gefühlte Bedrohung kollidiere mit der Komplexität der Welt. Die Evangelische Kirche habe die Pflicht, sich von den antisemitischen Tendenzen des späten Martin Luther zu distanzieren. Zivilcourage und Widerspruch sei gefragt, wo „Grenzen überschritten werden“.  Es helfe keinem, „allein mit moralischer Entrüstung auf rechtspopulistische Tendenzen“ zu reagieren. Stattdessen käme es auf Dialogfähigkeit und darauf an, sich für demokratische Werte einzusetzen.
 
Rabbiner Avraham Yitzchak Radbil (Osnabrück) erinnerte in seinem Vortrag unter dem Titel „Rechtspopulismus damals und heute“ an die Exodusgeschichte, in der der damalige Pharao der „erste Rechtspopulist“ gewesen sei, der die Juden zum Sündenbock erklärt habe.  Auch der Pharao habe so sein eigenes Volk von Problemen ablenken wollen. Die Thora mache sich demgegenüber für Fremdenliebe stark, die nicht leichter zu erfüllen sei als Nächstenliebe, so Radbil. Die Zuwächse auf 1468 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund im Jahr 2016 seien bedenklich. Oftmals verstecke sich Antisemitismus hinter einer Kritik an Israel. Radbil macht sich ebenso wie Meister stark für eine „Einheit in Vielfalt“.  Abschließend warnte er: „Nur wenn wir nicht aus der Geschichte lernen, hat sie die Angewohnheit, sich zu wiederholen“.
Für die musikalische Umrahmung der Vorträge sorgte die Jazzband des Jugendsinfonieorchesters der Stadt Recklinghausen. Etwas überrascht zeigten sich einige Besucherinnen und Besucher der gehaltvollen Vortragsveranstaltung, dass eine Diskussion im Plenum nicht vorgesehen war. Gespräche und Nachfragen an die Referenten sollten beim anschließenden Empfang im Foyer des Kreishauses stattfinden.
 
Text/Bilder: hh
 

Aufführung der Kinderoper Brundibár in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums

Die Kinderoper wurde im Ghetto Theresienstadt von inhaftierten Kindern und Jugendlichen 55 Mal aufgeführt. Nur wenige davon überlebten. Eine Geschichte des gemeinsamen Widerstandes und der kleinen Momente der Lebensfreude angesichts der Aussichtslosigkeit.
Aufführung der Kinderoper Brundibár in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums

Schlußszene der Kinderoper Brundibár in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums in Recklinghausen

RECKLINGHAUSEN – Der städtische Kinder- und Jugendchor der Musikschule präsentierte – trotz Grippewelle und damit verbunden erheblicher Ausfälle - am Samstagnachmittag vor der offiziellen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums die berühmte Kinderoper Brundibár, eine Koproduktion des tschechoslowakischen Komponisten Hans Krása und des Librettisten Adolf Hoffmeister aus dem Jahre 1938.

Die beiden schrieben die Kinderoper für einen Wettbewerb im Auftrag des Schulministeriums. Wegen des Beginns des Zweiten Weltkriegs kam es zur Uraufführung aber erst drei Jahre später, im jüdischen Waisenhaus in Prag.  Krása wurde als Sohn einer jüdischen Mutter im August 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde Brundibár über 55 Mal aufgeführt. Krása wurde zwei Jahre später nach Auschwitz verbracht und in der Gaskammer ermordet.

Den Kindern, die an der Oper mitwirkten, und ihren Zuschauern bot sich damit die Möglichkeit, dem furchtbaren Leben als Häftlinge wenigstens einen kleinen Moment in der Phantasie zu entfliehen und trotz der Aussichtslosigkeit etwas Lebensmut und -freude im Miteinander zu schöpfen.

Die Brundibár-Geschichte ist in der Tiefe wohl auch eine Geschichte der Befreiung von Hitler und den Nationalsozialisten: Die zwei armen Geschwister Pepíček und Aninka wollen ihrer kranken Mutter helfen, die zu ihrer Genesung Milch braucht. Sie beschließen, auf dem Marktplatz zu singen und dafür Geld zu sammeln. Der Leierkastenmann Brundibár aber vertreibt die beiden. Erst mit der Hilfe von einigen Tieren und den Kindern aus der Nachbarschaft glückt die gemeinsame Vertreibung des Drehorgelmannes – ein Appell an den Zusammenhalt und die Freundschaft im Kampf ums Überleben.

Fast alle Ausführenden der Oper wurden in Vernichtungslager deportiert und ermordet. Eine der wenigen, die überlebten, war die gebürtige Wienerin Greta Klingsberg, die damals die weibliche Hauptrolle der Aninka im Lager in Theresienstadt spielte. Aus gesundheitlichen Gründen war es der inzwischen 88jährigen leider nicht möglich, aus Israel nach Recklinghausen zum Gespräch anzureisen. Als Ersatz dafür las Michael van Ahlen vor der Aufführung einige Erinnerungen von Klingsberg vor, die diese aufgeschrieben hat.

Unter die Haut dürfte diese Vorstellung all jenen gegangen sein, deren Familiengeschichte mit der Shoa direkt verbunden ist, die selbst schon einmal persönlich ein Konzentrationslager besucht oder durch Filme  wie „Der Junge im gestreiften Pyjama“ oder „Das Leben ist schön“ einen Eindruck vom Überlebenskampf von Kindern in Konzentrationslagern gewonnen haben. GH

Aufführung der Kinderoper Brundibár in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums

Trotz Grippewelle konnte die berühmte Kinderoper am Tag vor der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit aufgeführt werden. Sie wurde im Ghetto Theresienstadt über 55 Mal von inhaftierten Kindern aufgeführt, die durch ihr Mitspielen wenigstens für einen kleinen Moment der furchtbaren Realität entfliehen konnten.
Aufführung der Kinderoper Brundibár in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums

Schlußszene der Kinderoper Brundibár in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums in Recklinghausen

RECKLINGHAUSEN – Der städtische Kinder- und Jugendchor der Musikschule präsentierte – trotz Grippewelle und damit verbunden erheblicher Ausfälle - am Samstagnachmittag vor der offiziellen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums die berühmte Kinderoper Brundibár, eine Koproduktion des tschechoslowakischen Komponisten Hans Krása und des Librettisten Adolf Hoffmeister aus dem Jahre 1938.

Die beiden schrieben die Kinderoper für einen Wettbewerb im Auftrag des Schulministeriums. Wegen des Beginns des Zweiten Weltkriegs kam es zur Uraufführung aber erst drei Jahre später, im jüdischen Waisenhaus in Prag.  Krása wurde als Sohn einer jüdischen Mutter im August 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde Brundibár über 55 Mal aufgeführt. Krása wurde zwei Jahre später nach Auschwitz verbracht und in der Gaskammer ermordet.

Den Kindern, die an der Oper mitwirkten, bot das Mitspielen die Möglichkeit, dem furchtbaren Leben als Häftlinge wenigstens einen kleinen Moment in der Phantasie zu entfliehen und trotz der Aussichtslosigkeit etwas Lebensmut und -freude im Miteinander zu schöpfen.

Die Brundibár-Geschichte ist in der Tiefe wohl auch eine Geschichte der Befreiung von Hitler und den Nationalsozialisten: Die zwei armen Geschwister Pepíček und Aninka wollen ihrer kranken Mutter helfen, die zu ihrer Genesung Milch braucht. Sie beschließen, auf dem Marktplatz zu singen und dafür Geld zu sammeln. Der Leierkastenmann Brundibár aber vertreibt die beiden. Erst mit der Hilfe von einigen Tieren und den Kindern aus der Nachbarschaft glückt die gemeinsame Vertreibung des Drehorgelmannes – ein Appell an den Zusammenhalt und die Freundschaft im Kampf ums Überleben.

Fast alle Ausführenden der Oper wurden in Vernichtungslager deportiert und ermordet. Eine der wenigen, die überlebten, war die gebürtige Wienerin Greta Klingsberg, die damals die weibliche Hauptrolle der Aninka im Lager in Theresienstadt spielte. Aus gesundheitlichen Gründen war es der inzwischen 88jährigen leider nicht möglich, aus Israel nach Recklinghausen zum Gespräch anzureisen. Als Ersatz dafür las Michael van Ahlen vor der Aufführung einige Erinnerungen von Klingsberg vor, die diese aufgeschrieben hat.

Unter die Haut dürfte diese Vorstellung all jenen gegangen sein, deren Familiengeschichte mit der Shoa direkt verbunden ist, die selbst schon einmal persönlich ein Konzentrationslager besucht oder durch Filme  wie „Der Junge im gestreiften Pyjama“ oder „Das Leben ist schön“ einen Eindruck vom Überlebenskampf von Kindern in Konzentrationslagern gewonnen haben. GH

Ökumene- und Erwachsenenreferent Detlef Pflaumbaum nach 39 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

"Du bist jetzt alt - und schön!", sagte Esther Elieza Mpinzile auf Pflaumbaums Verabschiedungsfeier und wickelte ihn in ein tansanianisches Festtagsgewand. Darin assistierte er dem Jongleur und Artisten Thomas "Thommy" Kunfira vom Projekt "Art.62".
Ökumene- und Erwachsenenreferent Detlef Pflaumbaum nach 39 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

Detlef Pflaumbaum assistierte „Tommy“ vom Projekt ART.62 beim Jonglieren

RECKLINGHAUSEN – Mit einem Gottesdienst in der Christuskirche verabschiedete der Evangelische Kirchenkreis seinen langjährigen Mitarbeiter Detlef Pflaumbaum in den Ruhestand. Der gelernte Industriekaufmann und Sozialarbeiter wechselte vor 39 Jahren in den Bereich der kirchlichen Jugendarbeit und nahm vor sieben Jahren die Arbeit im Fachbereich Ökumene und Erwachsenenbildung auf.

Vor etwa 130 Gästen und Weggefährt*innen predigte Pfarrer Klaus Göke über das Thema Nachfolge. Wesentlich für die Kirchen sei das Streben nach der Einheit der Kirchen, sagte Göke. Der Vorsitzende des Ökumene-Ausschusses im Evangelischen Kirchenkreis, Pfarrer Ulrich Walter, dankte Pflaumbaum für seinen Dienst. Thomas Krieger, MÖWe-Ansprechpartner für die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, lobte die gute Zusammenarbeit: „Detlef ist ein Mensch, der gut zuhören kann. Er hat Dialoge gefördert.“

Dafür standen exemplarisch auch die fünf Delegierten des Partnerkirchenkreises Magharibi in Tansania (Afrika), die extra zu diesem Anlass angereist waren und während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes die Gelegenheiten zum Austausch und Perspektivwechsel nutzen wollten. Pflaumbaum seinerseits war nämlich Ende Oktober letzten Jahres nach Magharibi gereist, um dort gemeinsam mit den Partnern das Reformationsjubiläum in der Kathedrale in Bukoba zu feiern. Während der achtstündigen Zeremonie hatte er Grußworte von Oberkirchenrat Dr. Ullrich Möller von der Evangelischen Kirche von Westfalen übermittelt.

„Unity is very important“ (Einheit ist sehr wichtig - GH), betonte District Pastor Jonas Mutashobya Balami, der mit seiner Frau Leonida Stanslaus Lupapulo angereist war und sich über die Kollekte von 500 Euro für den Erweiterungsbau der Kirche in Kitaja in seiner stark wachsenden Gemeinde freute: „Für einen Hausbau braucht es viele verschiedene Steine, die zusammengefügt werden müssen. So ist es auch bei einem Fußballteam: Das Spiel gelingt nur, wenn alle miteinander spielen“.

Einen besonderen Dank und Gruß für die gute Zusammenarbeit übermittelte Esther Elieza Mpinzile von den Bethania Frauen und vom Partnerschaftskomittee, die zusammen mit Scholastica Owekisha Kelelangabo von der Nyaishozi Secondary School beim Verabschiedungsgottesdienst für Pflaumbaum einen Segensgruß gesprochen hatte. Sie umhüllte den Geehrten mit einem Festtagsgewand. „Du bist nun alt – und schön!“, stellte sie freundlich und zur Erheiterung der Festgäste fest.

Für die Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft Recklinghausen (CIAK) lobte Pfarrer Dr. Jürgen Schwark Pflaumbaums Unterstützung der interkonfessionellen und interreligiösen Initiativen im Kirchenkreis und lud ihn zur ehrenamtlichen Weiterarbeit ein: „Solche Leute wie dich können wir auch als Rentner gut brauchen.“

Pfarrer Ulrich Lammers, dem Pflaumbaum als Kirchmeister des Presbyteriums der Kirchengemeinde Waltrop in manchen schwierigen Prozessen treu zur Seite gestanden hat, äußerte sich als langjähriger Weggefährte und Freund: „Du bleibst uns ja, Gott sei Dank, für die Kirchengemeinde Waltrop erhalten!“ Dass Pflaumbaum Ehrenbürger der Stadt Monte Fiaskone (Italien) sei, biete außerdem eine gute Chance, „dort einmal aufzuschlagen.“

Mit einer ungewöhnlichen Geschenkidee wartete schließlich Pflaumbaums Sachbearbeiterin Lena Brawand auf, die mit Hilfe einer Kollekte der Kollegenschaft im Haus des Kirchenkreises den Artisten und Jongleur Thomas „Tommy“ Kunfira vom Projekt „ART.62“ für eine kleine, aber feine Vorstellung engagieren konnte.

„Ich freue mich auf private Besuche – ohne dienstliche Verpflichtungen, ohne Formalia und Protokolle“, bekannte Pflaumbaum. „Als alter, schöner Mann hab‘ ich ja wohl auch noch eine Chance“, nahm er schmunzelnd den Faden auf und gab zu erkennen, wie er sich die nächste Zeit vorstellt: „Bruder Jason, der von Anfang an dabei war, hat uns ja auch Singen und Tanzen beigebracht.“

Für den Fachbereich Ökumene steht ab sofort Pfarrer Klaus Göke als Ansprechpartner zur Verfügung. Wer sich mit ihm oder den Vorsitzenden des Ökumeneausschusses in Verbindung setzen will, erreicht diese unter der neu eingerichteten Email-Adresse Oekumene.Recklinghausen@kk-ekvw.de. GH

Podiumsgespräch zum Motto der Woche der Brüderlichkeit im Haus des Kirchenkreises

"Es fängt immer da an, wo man gerade ist", sagte Rabbiner Andreas Nachama. Um das diesjährige Motto „Angst überwinden - Brücken bauen“ in seiner Tiefe auszuleuchten, kam vier Tage vor der großen Eröffnungsfeier im Ruhrfestspielhaus im Haus des Kirchenkreises eine kleine Schar Interessierter zu einem Podiumsgespräch mit ihm, Domkapitular Dr. Friedrich Schumacher und Superintendentin Katrin Göckenjan zusammen.
Podiumsgespräch zum Motto der Woche der Brüderlichkeit  im Haus des Kirchenkreises

(v.r.) Domkapitular Dr. Friedrich Schumacher, Superintendentin Katrin Göckenjan, die Vorsitzende der christlich-jüdischen Gesellschaft Gerda Koch, Rabbiner Andreas Nachama und Moderator Parrer Roland Wanke

 

In Kooperation mit der Vorsitzenden der christlich-jüdischen Gesellschaft, Gerda E.H. Koch, hatte die Superintendentin Katrin Göckenjan ins Haus des Kirchenkreises zu einem Gesprächsabend mit Rabbiner Andreas Nachama, jüdischer Präsident des Koordinierungsrates für die christlich-jüdischen Gesellschaften (Berlin) und Domkapitular Dr. Friedrich Schumacher (Münster) eingeladen. 

Moderator Pfarrer Roland Wanke, Beauftragter für den christlich-islamischen Dialog, bat die Beteiligten eingangs, ein Brückensymbol für ihre Erfahrungen und Erwartungen bezüglich des christlich-jüdischen Dialogs auszuwählen und anhand dessen eine Zustandsbeschreibung zu versuchen.

„Meine Generation war die, die mit den Opfern war. Die in einer schwierigen Zeit, in der keiner wusste, wie es weitergeht, geholfen haben. Die gesagt hat: wir wollen eine solche Brücke bauen und das Schweigen überwinden“, erklärte Rabbiner Andreas Nachama anhand des Bildes einer Seilbrücke. 

Göckenjan wählt das Bild der Alten Brücke in Mostar („Stari most“), die im Krieg zerstört und danach wiederaufgebaut wurde: „So ist es für mich auch mit dem christlich-jüdischen Dialog: er wurde wieder aufgebaut, doch wird er wohl niemals ganz fertig sein. Und er hat eine fragile Mitte“, erklärte sie.

Mit dem Bild einer stabilen Eisenbrücke in der Hand erinnerte sich Schumacher an seine erste Reise nach Israel im Jahre 1965 „mit dem Käfer durch den Balkan und ersten Begegnungen mit arabischen Christen“. Die hätten gleich mit Blick auf das deutsche Kennzeichen gewarnt: „Passt auf, dass ihr nicht mit Steinen beworfen werdet!“ Der französisch-litauische, jüdische Philosoph Emmanuel Lévinas, der heute mit seiner Kritik an der liberalen Ego-Gesellschaft so aktuell sei wie noch nie, habe bei einem Seminar über den Philosophen Rosenzweig klargestellt: „Sie sind Christen. Wir sind Juden. Wir können Jesus nicht als Messias anerkennen. Wir sind verschieden, und wir bleiben es.“ Ein richtungsweisender Appell zur Wahrhaftigkeit und für zwei klar voneinander getrennte Brückenpfeiler, die in sich stabil und nach außen klar erkennbar bleiben müssten

Auf die Frage Wankes, inwiefern Flüchtlingspolitik und Rechtspopulismus Einfluss auf das christlich-jüdische Verhältnis hätten, berichtete Schumacher empört davon, dass AfD-Politiker zum Katholikentag eingeladen worden seien: „Das kannst du doch nicht so stehen lassen!“ Der Beauftragte der AfD für die Kirchen verstehe sich offensichtlich als „Verteidiger des Abendlandes“. Nach Artikel 1 des Grundgesetzes könne es aber nicht um das „Abendland“ gehen, sondern darum, „nicht auf den Wolf im Schafspelz hereinzufallen“, stellte Schumacher klar.

„Ich bin Ihnen dankbar für Ihre Klarheit“, unterstrich Göckenjan und erzählte von einer Frau, die beim gemeinsamen Essen angegriffen worden sei - und alle hätten geschwiegen. „Das sind die kleinen, privaten, gemütlichen Szenen, in denen es kippt. Wir sollten auch in unseren alltäglichen Begegnungen den Mut aufbringen, nichts davon stehen zu lassen“, sagte Göckenjan, auch mit Blick auf die wichtige Aufgabe, für Aufklärung in den Kirchen zu sorgen.

„Wir sollten nicht über die Stöckchen springen, die uns Leute von der AfD hinhalten“, mahnte Nachama. Antisemitismus gebe es überall in der Gesellschaft. „Die Arbeit, die wir hier machen, ist in einer wichtigen Phase“, so der Rabbiner. Es gehe darum, die Gesellschaft gegen solche Vorkommnisse zu immunisieren. „Antisemitismus findet dort statt, wo man sich bewegt. Es fängt immer da an, wo man ist. Und es beginnt mit einer unzulässigen Verallgemeinerung. Hier gilt es, beherzt zu widersprechen“, forderte der Geistliche. 

Schumacher lobte, mit wie viel Engagement das Thema kritisch in vielen Schulen und Ausstellungen aufgegriffen und behandelt werde, „damit die Geschichte ein Gesicht bekommt“. Göckenjan erinnerte an das Reformationsjubiläum und die wichtige Erkenntnis von Luthers spätem Antisemitismus aus der einfachen „Enttäuschung darüber, dass sich die Juden nicht bekehren lassen wollten.“ Es sei vielmehr „eine Gotteslästerung, das jüdische Volk von seinem Heilsweg abbringen zu wollen“, sagte die Superintendentin. Christinnen und Christen müssten lernen, Fragen zu stellen und eine andere Meinung auszuhalten - „was wir bisher schlecht aushalten konnten“, so Göckenjan. Dabei gelte es, im fragenden Aufeinanderzugehen gemeinsame Schätze auszupacken und die Lust auf Dialog zu fördern, „auch wenn wir uns nicht einig sind“.

Nachama berichtete von seinen guten Erfahrungen mit einem theologischen Arbeitskreis mit Juden und Christen in Berlin. „Wenn man solch einen Gesprächskreis nicht hat, hat man etwas verpasst. Nichts liegt näher als das“, freute sich der Rabbiner.

Die Gespräche zwischen Christen, Juden und Muslimen seien bei den Katholiken in Münster ein „heißes Thema“, berichtete Schumacher. Er hätte gerne die Woche der Brüderlichkeit „zu dritt“ gestaltet. Aber die Angst vor einer möglichen Vereinnahmung sitze tief. Von allen drei Seiten anerkannte Gesprächspartner zu finden, sei schwierig. Mit dem Abrahamsfest in Marl sei das anders, berichtete Göckenjan: „Man kennt sich. Aber Juden und Christen hängen existentiell aneinander, das sollte nach dieser Woche viel konsequenter zur Sprache gebracht werden“.

Neben dem Abrahamsfest, das in der Synagoge mit gemeinsamem Gesang eröffnet werde, gebe es auch das vor allem christlich-islamisch besetzte gemeinsame Gebet der Religionen, den Garten der Religionen, das Friedensgebet der Frauen, das Stadtjubiläum, erläuterte Wanke die vielen Aktivitäten im nördlichen Ruhrgebiet: „Es hängt an Personen, was möglich ist.“ 

Mit dem gemeinsamen „Haus der Religionen - House Of One“ in Berlin sei trotz organisatorischer Probleme schon einiges in Bewegung gekommen, erzählte Nachama und bekräftigte: „Der christlich-jüdische Dialog ist etwas anderes als der Trialog - aber es ist wichtig, dass es den Trialog gibt, weil es dadurch verschiedene Anknüpfungspunkte geben kann.“

Mit Blick auf die Erwartungen an die Woche der Brüderlichkeit formulierte Göckenjan: „Gemeinsam haben wir eine unglaubliche Tradition: ich bin vor Gott frei. Ich kann umkehren. Es gibt den Rhythmus von Arbeit und Leben - da wünsche ich mir von dieser Woche, dass wir davon etwas mitnehmen.“
Schumacher gab sich zuversichtlich hinsichtlich der Fortschritte im Dialog der Religionen, schränkte jedoch ein: „Aber ich bin mir nicht sicher, wie es mit dem Nachwuchs ist, dass wir noch genügend Substanz in den Kirchen haben.“ 

Deutschland sei ein Einwanderungsland, von daher hätten viele Menschen mit dem christlich-jüdischen Kulturgut nicht mehr viel zu tun, stellte Nachama klar: „Die Erinnerungspolitik muss deshalb neue Wege gehen.“ Er selbst stelle arabisch sprechende Referenten ein in der Hoffnung, „in vielleicht 30 Jahren eine bessere Erinnerungsperspektive“ zu haben.

Das Publikum interessierte vor allem das widersprüchliche Verhältnis der politischen Parteien zum Thema Flüchtlingspolitik. Schumacher erklärte dies mit dem sogenannten Sündenbock-Effekt: „Zur Entlastung der Mehrheit, die überleben will, muss einer 'geschlachtet' werden. Der Mechanismus sitzt tief drin. Er kann nur durch Aufklärung und Empathie aufgearbeitet werden.“ GH

Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit mit der Auszeichnung Peter Maffays mit der Buber-Rosenzweig-Medaille

"Ohne Dialog werden wir die Probleme unserer Welt nicht lösen", sagte Peter Maffay während seiner Auszeichnung für sein Eintreten gegen Antisemitismus und Rassismus. Bereits vor der Preisverleihung hatte Maffay in einem Interview mit der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ kritisch angemerkt, dass das Land „den gemeinsamen Wertekanon“ verloren habe. Politiker und Parteien sowie Teile der Wirtschaft, einige Sportfunktionäre und Kirchenvertreter hätten „in jüngster Zeit viel Vertrauen verspielt“. Viele Menschen hätten „das Gefühl, dass der Eigennutz im Vordergrund steht und nicht das Gemeinwohl“.
Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit mit der Auszeichnung Peter Maffays mit der Buber-Rosenzweig-Medaille

Rabbiner Andreas Nachama (r.) und Friedhelm Pieper (l.), überreichen als jüdische und evangelische Doppelspitze des Deutschen Koordinierungsrats der christlich-jüdischen Gemeinschaften die Buber-Rosenzweig-Medaille an Peter Maffay.

 

RECKLINGHAUSEN  - Mit einem großen Festakt ist am Sonntagmittag im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen die „Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet worden. Dort wurde Peter Maffay mit der Buber-Rosenzweig-Medaille für sein entschiedenes Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus in Politik, Gesellschaft und Kultur ausgezeichnet. Durch die Veranstaltung führte Gundula Gause. 

 

Zu den ersten Gratulanten gehörten Dr. Margaretha Hackermeier, Katholische Präsidentin des Deutschen Koordinierungsrates. „Angst führt zu Entmenschlichung“, warnte sie mit Blick auf das Motto der Woche „Angst überwinden - Brücken bauen“, mit dem die aktuellen, begründeten und diffusen Bedrohungen und Angst in der Gesellschaft aufgegriffen werden. Sie lobte Maffays mutiges Auftreten und Engagement für Benachteiligte und für sein Eintreten für religiöse Toleranz und nannte den christlich-jüdischen Dialog eine „unentbehrliche Basis für das Zusammenleben“. 

 

„Ich dachte zuerst, das wäre das bundesweite Programm“, staunte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) über das Programmheft mit 115 Veranstaltungen allein in Recklinghausen. Dann skizzierte er die aktuellen Herausforderungen an Politik und Gesellschaft. „Antisemitismus war immer da und ist sehr deutsch“, so Laschet. Deutschland sei heute ein Einwanderungsgesellschaft, in der die „Ich-Du-Philosophie“ Martin Bubers immer noch der richtige Ansatz sei für die, die nicht miteinander reden könnten. Demnach gewinne ein Mensch Würde und Identität erst, "wenn er sich nicht nur um sich selbst dreht, sondern sich auch für das Du des anderen Menschen" öffne. „Das passt in unsere Zeit“, stellte Laschet mit Blick auf die Fremdheit, das Anderssein und die zunehmende Anonymität auch auf der Ebene der sozialen Medien fest. Und bescheinigte Maffay, im Geiste Bubers zu wirken. Mit Blick auf den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht in diesem Jahr regte Laschet an, zu einer gemeinsamen Erklärung von Christen, Juden und Muslimen gegen Hass, Gewalt und Intoleranz zu kommen. 

 

Christoph Tesche, Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, lobte das Engagement der vielen Ehrenamtlichen mit ihren diversen Dialogangeboten auch weit über die Festwoche hinaus und bezeichnete die Aktivitäten als eine ausgezeichnete Referenz für die ausgeprägte Kultur für Toleranz und Gemeinwesenorientierung in Recklinghausen.

 

Besondere Grüße von dem Holocaust-Überlebenden Wolf Abrahamsson überbrachte Cay Süberkrüb, Landrat des Kreises Recklinghausen, der ihn vor kurzem zu dessen Geburtstag besucht habe. „Dieser Mensch ist für mich ein Wunder“, sagte Süberkrüb. Aber er leide darunter, dass er das Trauma der Shoa nicht vergessen könne.

 

Die Laudatio für Maffay hielt Professor Dr. Udo Dahmen, Direktor der Popakademie Baden-Württemberg. Er würdigte das künstlerische Schaffen und persönliche Engagement des Geehrten für Benachteiligte und gegen jede Form von Extremismus und Fremdenfeindlichkeit: „Du bist ein Macher. Das Wesentliche ist für dich das Miteinander. Für dich ist die Natur ein Therapeut. Du hast immer darauf hingewiesen, dass wir alle ein Teil vom großen Ganzen, ein Teil der Schöpfung sind“, so Dahmen. Maffay setze als „Mehrgenerationen-Künstler“ vor allem auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen „als diejenigen, die in Zukunft unsere Gesellschaft tragen werden“. Dadurch würden sie zu „jungen Botschaftern für Völkerverständigung“. Mit einer Geste beendete Dahmen seine Rede: „Yeah, man - credibility!“, sagte er und deutete mit zwei ausgestreckten Zeigefingern auf Maffay - Glaubwürdigkeit sei die Basis aller Bemühungen.

 

„Ohne Dialog werden wir die Probleme unserer Welt nicht lösen“, schloss Maffay daran an, der sich mit seiner Stiftung für sozial benachteiligte Kinder und für den isralisch-palästinensischen Dialog zwischen Jugendlichen einsetzt. Israel und Palästina seien ein internationaler Hotspot: „Wenn wir hier etwas erreichen, wird das auch auf andere Regionen der Welt ausstrahlen“, sagte Maffay unter großem Applaus. 

 

Seine eigene Erziehung in Rumänien habe, so Maffay auf eine Nachfrage Gauses, eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung seines Wertekanons gespielt. Ihm sei „jede Begegnung wichtig“. Die erfolgreiche Entwicklung seiner Musik und seiner Texte sei immer auch ein Zusammenspiel von mehreren gewesen: „Ich habe vielleicht vier oder fünf Texte geschrieben. Die wollte niemand hören.“ Dann aber habe sich das Setting geändert: „Wir setzen uns zusammen und machen Musik, das ist wunderbar. Und dann fragen wir uns: was will ich, was wollen wir damit eigentlich ausdrücken?“ Das Ganze funktioniere wie beim Fußball: „Die spielen nicht gegeneinander, sondern miteinander.“ Und immer, wenn zwei sich gegenüber stünden, bräuchte es einen Dritten, der den ersten Schritt mache. Dafür stünde das Lied „Halleluja“, das sie gerne auf den Konzerten spielten.

 

Schon vor der Preisverleihung hatte Maffay in einem Interview mit der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ kritisch angemerkt, dass das Land „den gemeinsamen Wertekanon“ verloren habe. Politiker und Parteien sowie Teile der Wirtschaft, einige Sportfunktionäre und Kirchenvertreter hätten „in jüngster Zeit viel Vertrauen verspielt“. Viele Menschen hätten „das Gefühl, dass der Eigennutz im Vordergrund steht und nicht das Gemeinwohl“. GH

Hintergrund:

Seit 1952 laden die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im März in Deutschland zur „Woche der Brüderlichkeit“ ein. Zum Dialog der Religionen werden in über 100 Städten über 750 Veranstaltungen angeboten.

Allein im Kreis Recklinghausen sind es 115 Veranstaltungen, die viele engagierte Ehrenamtliche als Rahmenprogramm zum Jahresthema „Angst überwinden – Brücken bauen“ in der Region auf die Beine gestellt haben. 

Auf der Homepage www.cjg-re.de der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kreis Recklinghausen findet sich das umfangreiche Rahmenprogramm für 2018.

Zu gleicher Zeit erklärte in Düsseldorf die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, die Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland für gescheitert.

 

Arbeit mit jungen Alten als Chance für die kirchliche Arbeit

„Noch nie waren die Älteren so gesund, so kompetent und vernetzt wie heute“, stellte Cornelia Coenen-Marx, ehemalige Oberkirchenrätin und Sozialdezernentin der Rheinischen Landeskirche i.R. und Sachbuchautorin mit Blick auf die alternde Gesellschaft fest. "Da wo die Familien überlastet sind, kann die Kirche eine Art Großfamilie oder Ersatzfamilie sein". Wie das praktisch aussehen kann, erläuterte Quartiersmanagerin Sandra Allerdisse anhand der Netzwerkorganisation "Junge Alte Haltern / Gruppe 55+" in Haltern am See.
Arbeit mit jungen Alten als Chance für die kirchliche Arbeit

(v.l.) Pfarrerin Ilona Klaus, Altenheimseelsorgerin und Stellv. Hospizdienst-Koordinatorin, Quartiersmanagerin Sandra Allerdisse, Cornelia Coenen-Marx und Julia Borries, Referentin für Erwachsenenbildung

 

Die aktuelle Herausforderung für die Kirchen und ihre Dienste und Einrichtungen bestehe darin, das überwiegend negative Bild von der Last des Alters zu korrigieren anhand eines Abgleichs mit dem aktuellen 7. Altersbericht der Bundesregierung. Es gehe nicht in erster Linie um die Belastung, sondern um „das, was möglich ist“, sagte Coenen-Marx

 

Die 70jährigen etwa seien so leistungsfähig wie die 50jährigen und lebten im Schnitt zehn Jahre länger. Viele lebten in nichtehelichen Partnerschaften oder seien solo und hätten überwiegend moderne Wertvorstellungen. Die eine Hälfte besitze Wohneigentum, die andere Hälfte lebe von einem eher niedrigen Einkommen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen aber sei so hoch wie nie zuvor.

 

Dennoch steige der Anteil der wirtschaftlich, sozial und gesundheitlich Benachteiligten, die Ungleichheit wachse, so Coenen-Marx. Die Gruppe der 50- bis 65jährigen sei mit der Sorge für die Enkel und Eltern doppelt belastet. Speziell diese bräuchten Unterstützung, um ehrenamtlich in der Gemeinde und im Stadtteil tätig zu werden. „Das ist die stärkste Gruppe in den nächsten Jahren, allerdings mit deutlicher Distanz gegenüber der Kirche“, so Coenen-Marx.

 

Seelsorge im Alter sei Begleitung einer Entwicklung, so Coenen-Marx mit Verweis auf die Theorie des amerikanischen Theologen James W. Fowler: „Vom intuitiven und mystischen Kinderglauben über die reflektierte Auseinandersetzung mit Religion bis hin zu einer individuellen Perspektive“. Ziel sei ein „grenzenloses Vertrauen in den Sinn des Seins“.

 

„Das Christentum wird mystisch sein - oder es wird nicht sein“, zitierte Coenen-Marx sinngemäß die 2001 verstorbene Theologin Dorothee Sölle. Von daher gelte es, die spirituelle Suche der Alten zu entdecken und hochbetagte Demente und Pflegebedürftige durch die Kirchengemeinde zu unterstützen - insbesondere durch die 60- bis 80jährigen, die sogenannten „jungen Alten“, die ihre Kompetenzen einbringen wollten: „Wir brauchen die!“

 

Mit Blick auf dieses Potential und die Konkurrenz zu „anderen Vereinen“ stünden die Kirchengemeinden vor einer grundsätzlichen Erneuerung der Ausrichtung ihrer Angebote. „Alle anderen gehen, die Kirchengemeinde bleibt. Das Gemeindehaus kann ein Anlaufpunkt für Seniorengruppen sein: als Referenzgebäude für Feste und Feiern und für besondere Erfahrungen“, forderte die Referentin. Dazu gehörten selbstverständlich barrierefreie Zugänge, Abholdienste und Angebote zur Vernetzung und Beteiligung. „Entscheidend ist die Richtung: Von der Betreuung zur Selbstverantwortung“, so Coenen-Marx.

 

Viele Kirchengemeinden hätten den Blick für den engen Zusammenhang von Pflege und Altenarbeit verloren, der bis Ende der 70er Jahre in der Person der Gemeindeschwester erkennbar und erfahrbar war.. Mit der Abgabe der Pflege an die Diakonie in den 80er Jahren sei dieser elementare Zusammenhang verloren gegangen. Die Trennung von Kirche und Diakonie müsse überwunden werden. 

 

„Wir brauchen neue Sorge-Netze“, auch für zu Hause, forderte Coenen-Marx. Lebendige Nachbarschaften lebten vom bürgerschaftlichen Engagement, insbesondere durch Männer und junge Menschen. „Wir müssen weg von der Betreuung, hin zur Hilfe für Selbsthilfe. Weg vom Angebot, hin zur Selbstorganisation“, stellte Coenen-Marx klar. Das Ziel sei, „unterschiedliche Wege und Formen der Selbstorganisation und der Spiritualität zu erproben“. Dazu sei die „Erneuerung des Selbstverständnisses“ notwendig und die Entwicklung eines anderen Bildes von Kirche: „Da, wo die Familien überlastet sind, kann die Kirche eine Art Großfamilie oder Ersatzfamilie sein“, fasste Coenen-Marx zusammen.

 

Wie eine in diesem Sinne erneuerte Seniorenarbeit aussehen könne, berichtete Quartiersmanagerin Sandra Allerdisse, die für die Kirchengemeinde Haltern am See für die Gruppe „Junge Alte Haltern / Gruppe 55 plus“ passende Angebote vorhält, koordiniert und moderiert. „Unser Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Wir knüpfen in Koproduktion mit anderen Anbietern Netzwerke gegen die Einsamkeit“, erläuterte die 43jährige. Für den Erfolg der Arbeit sei entscheidend, dass sie selbst nicht Teil der Gruppe sei, sondern „von außen kommend“ Brücken bauen und so die Anerkennungs- und Wertschätzungskultur in der Seniorengruppe fördern könne.

 

„Kaum jemand hat so viele Hauptamtliche wie die Kirche. Das ist ein großes Potential für die professionelle Organisation von Netzwerken und Kontakten, die wir für die Selbstorganisation von Sorge für sich selbst und Sorge für andere brauchen“, stellte Allerdisse abschließend fest. 

 

Beide Beiträgen machten zusammen deutlich, dass Kirchengemeinden mit der aktiven Einbeziehung der jungen Alten ihre Rolle als wichtige Partner im Gemeinwesen, in der Entwicklung des Ehrenamtes oder im Aufbau sorgender Gemeinschaften bewusster wahrnehmen oder auch wiedergewinnen können. 

 

Es wird wohl noch einige Versuche dieser Art auf den verschiedenen Arbeitsebenen und mit unterschiedlichen Kooperationspartnern brauchen, um das Potential vor Ort zu entdecken und ein entsprechendes Umdenken und Umstrukturieren zu befördern. Sinnbildlich dafür steht der Synodale Ausschuss für Altenarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen, der zu dieser Veranstaltung in Kooperation mit dem Evangelischen Referat für Erwachsenenbildung und dem Ambulanten Hospizdienst Oer-Erkenschwick eingeladen hat. GH

9. Kirchliches Filmfestival vom 14. - 18. März im "Cineworld"-Kino, Kemnastr. 3

15 Filme in fünf Tagen - davon neun vor dem offiziellen Kinostart und erstmals der Stummfilmklassiker "Faust" in der katholischen Kirche St. Peter mit Filmmusik live von der Orgel. Die Organisatoren haben erneut keine Mühen gescheut, um ein abwechslungsreiches und diskussionswürdiges Programm zu bieten und Publikum und Filmschaffende miteinander ins Gespräch zu bringen. Das kirchliche Festival genießt in Europa und darüber hinaus einen besonderen Ruf. Es ist auch eines der wenigen, die ökumenisch veranstaltet werden. Im vergangenen Jahr gab es mit über 3.400 Kinogängern einen neuen Besucherrekord. Der Vorverkauf startet am Montag, 5. März.
9. Kirchliches Filmfestival vom 14. - 18. März im "Cineworld"-Kino, Kemnastr. 3

Das ökumenische Organisatorenteam des 9. Kirchlichen Filmfestivals mit "Eldorado"-Regisseur Markus Imhoof (3.v.l., Foto: GH)



RECKLIGHAUSEN – 
Bei der Filmauswahl ging es den Organisatoren um Kontraste: "Auf der einen Seite gibt es Filme, die das Trennende zwischen Menschen, Kulturen oder Meinungen thematisieren. Auf der anderen Seite Filme, die das Gemeinsame betonen, in denen durch Begegnungen Brücken gebaut werden", erklärte der Medien- und Religionspädagoge Michael M. Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur (IKF) und künstlerischer Leiter des Festivals. Ein gutes Beispiel dafür sei der Eröffnungsfilm "Eldorado" des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof, der zur Eröffnung und zum Publikumsgespräch da sein werde. In der Begegnungsgeschichte mit Flüchtlingen zeige Imhoof sehr persönlich, "was die Begegnung mit einem anderen Menschen bedeuten kann", so Kleinschmidt.

Das Thema des Weltgebetstags greift am Donnerstag. 15. März, um 17 Uhr der Dokumentarfilm „Die grüne Lüge“ (AT 2018) auf. Regisseur Werner Boote zeigt zusammen mit der Greenwashing-Expertin Kathrin Hartmann, wie die Menschen sich gegen die gefährliche, aber populäre Meinung wehren können, dass sie mit ihren Kaufentscheidungen die Welt retten würden.

Um 19 Uhr geht das Filmfestival erstmals in seiner Geschichte in eine Kirche: in der Propsteikirche St. Peter wird der Stummfilm-Klassiker „Faust“ aus dem Jahr 1926 vom Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau gezeigt. "Regionalkantor Thorsten Maus wird diesen Meilenstein der Filmgeschichte live mit Improvisationen an der Orgel begleiten", freute sich Schulseelsorger und Pastoralreferent Joachim van Eickels. Der Eintritt hierzu ist frei, Spenden sind willkommen.

 

Den diesjährigen Kinder- und Jugendfilmpreis erhält am Samstagnachmittag, 17. März um 14.30 Uhr der deutsche Spielfilm „Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs“ von Regisseur Christian Theede, dessen Kommen angefragt ist. "Unsere Kinderjury war von diesem Actionsfilm begeistert! Ihnen hat vor allem gefallen, wie Kinder einen Umweltskandal aufdecken", berichtete Marc Gutzeit, Geschäftsführer des Kreisdekanatbüros.

Um 15 Uhr werden drei Kurzspielfilme angeboten: „Blue Hour“ von Tom van den Hurk, „Watu Wote“ von Katja Benrath und „Ten – Sündige und du wirst erlöst“ von Stefan Hering. Nach den Vorführungen diskutiert Michael Kleinschmidt mit den drei Filmemachern über Möglichkeiten des Einsatzes der Filme in der kirchlichen Bildungsarbeit und im Religionsunterricht.

 

Zum lockereren Beisammensein, dem „Get Together“, lädt das Organisationsteam um 19 Uhr mit Musik im Foyer des „Cineworld“. Um 20 Uhr wird das Roadmovie „Camino al La Paz“ des Regisseurs Francisco Varone als bester Film gezeigt und ausgezeichnet. Produzent Gunter Hanfgarn bekommt den Preis von Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen und Propst Jürgen Quante überreicht. "Der Titel des Spielfilms ist doppeldeutig", erklärte Kleinschmidt, denn die 3000 Kilometer lange Reise zur bolivianischen Stadt La Paz bedeute auch "Weg des Friedens" und sei damit eine Steilvorlage für den Katholikentag in Münster, "der unter dem Motto 'Suche Frieden' steht", so Kleinschmidt. Im Anschluss an den Film gibt es einen Empfang mit Buffet und Live-Musik im Pfarrheim an der Pauluskirche.

 

"Uns war wichtig, die Vielfalt des Lebens mit diesen Filmen zu zeigen: Krieg, Zerstörung, Leid und Tod, aber auch Liebe, Leidschaft, Aufbruch, Musik, Glaube und Hoffnung", fasste Julia Borries, zweitjüngstes Mitglied im Organisationsteam, die Aktivitäten der Programmmacher zusammen.

 

Das Kirchliche Filmfestival endet am Sonntag, 18. März, um 20 Uhr mit dem amerikanischen Spielfilm „Maria Magdalena“, mit dem Regisseur Garth Davis die besondere Rolle dieser Weggefährtin Jesu in den Blick nimmt.

 

Veranstalter des Kirchlichen Filmfestivals ist der Arbeitskreis „Kirche & Kino“ des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen und des Katholischen Kreisdekanats Recklinghausen. Partner des Festivals sind die Stadt Recklinghausen, das „Cineworld“ Recklinghausen und das Institut für Kino und Filmkultur e.V. (IKF). Die Schirmherrschaft übernehmen Präses Annette Kurschus (Ev. Kirche von Westfalen), Bischof Felix Genn (Bistum Münster) und Bürgermeister Christoph Tesche (Stadt Recklinghausen). Die künstlerische Leitung liegt wieder bei Horst Walther und Michael M. Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur e.V. (IKF, Wiesbaden/Köln).

 

Das ökumenische Programmmacher-Team beim Pressegespräch: (oben, von links) Pfarrer Tom Damm (Schwerte), Julia Borries, Referentin für Erwachsenenbildung des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen, Michael Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur, Schulseelsorger Joachim van Eickels, (unten, von links) Marc Gutzeit, Geschäftsführer des katholischen Kreisdekanatsbüro Recklinghausen und Kai-Uwe Theveßen, Theaterleiter des "Cineworld".  

 

Karten sind ab sofort im Vorverkauf an der Kinokasse im „Cineworld“ Recklinghausen oder auch online unter www.cineworld-recklinghausen.de erhältlich. Weitere Informationen zu den Filmbeiträgen, den Gästen und zum Angebot für Schulen finden sich auf www.kirchliches-filmfestival.de.

 

 

Das Programm hier auf einen Blick:

 

Mittwoch, 14. März 2018

19.00 Uhr Get Together mit Musik im Foyer

20.00 Uhr Eröffnungsfilm: Eldorado (CH 2018)

Vor Kinostart

 

Donnerstag, 15. März 2018

17.00 Uhr Film zum Weltgebetstag:

Die grüne Lüge (AT 2018) Vor Kinostart

19.00 Uhr Filmkunst in der Kirche (St. Peter): Faust (1926)

20.00 Uhr Das Milan-Protokoll (DE 2018)

Recklinghausen-Premiere

 

Freitag, 16. März 2018

17.00 Uhr Monika Hauser – Ein Portrait (DE 2018)

Vor Kinostart

19.30 Uhr Djam (FR/GR/TR 2017)

Vor Kinostart

 

Samstag, 17. März 2018

14.30 Uhr Kinder- und Jugendfilmpreis:

Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs (DE 2017)

15.00 Uhr Kurzfilme (nicht nur) für die Bildungsarbeit:

Blue Hour – Ten – Watu Wote

17.00 Uhr Madame Aurora und der Duft von Frühling (FR 2017)

Vor Kinostart

19.00 Uhr Get Together mit Musik im Foyer

20.00 Uhr Filmpreisverleihung: Camino a La Paz (AR/NL/DE 2016)

Vor Kinostart

Im Anschluss: Feier mit Buffet und Musik

 

Sonntag, 18. März 2018

14.00 Uhr Die Kinder der Villa Emma (AT 2016)

Vor deutscher Erstausstrahlung

17.00 Uhr Draußen in meinem Kopf (DE 2018)

Vor Kinostart

20.00 Uhr Maria Magdalena (USA 2018)

Vor Kinostart

 

uka / GH

 

 

"ANGST überwinden, BRÜCKEN bauen" - Veranstaltungshinweise zur "Woche der Brüderlichkeit" vom 11. bis 18. März in Recklinghausen

Die "Woche der Brüderlichkeit" ist seit 65 Jahren der Inbegriff des notwendigen Dialogs zwischen Juden und Christen - "durch Scham, Schuld und Schmerz hindurch", wie Annette Kurschus, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, in ihrem Grußwort schreibt.
"ANGST überwinden, BRÜCKEN bauen" - Veranstaltungshinweise zur "Woche der Brüderlichkeit" vom 11. bis 18. März in Recklinghausen

(v.l.) Geschäftsführerin Gerda Koch, Landrat Cay Süberkrüb, Vorstandsmitglied Christel Lewin, Generalsekretär Rudolf W. Sirsch und Bürgermeister Christoph Tesche bei der Pressekonferenz zur Woche der Brüderlichkeit (Foto: uka)

RECKLINGHAUSEN  - In diesem Jahr ist Recklinghausen Gastgeberin dieses bundesweiten kulturellen Highlights mit einer zentralen Eröffnungsfeier am Sonntag, 11. März im Ruhrfestspielhaus und der Auszeichnung des Künstlers Peter Maffay mit der Buber-Rosenzweig-Medaille für sein Engagement gegen Hass und für Respekt.

"Mit der Wahl von Recklinghausen als Eröffnungsort kann öffentlich gezeigt werde, dass hier in unserem Kreis der Gedanke des guten Zusammenlebens zwischen jüdischen und christlichen Menschen seit Jahren gelebt werden kann", schreibt Dr. Mark Gutkin, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Kulturgemeinde Kreis Recklinghausen, in seinem Grußwort.

Das vielfältige Programm mit Dialog- und Bildungsveranstaltungen hat die "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kreis Recklinghausen e.V." erarbeitet. Es ist ein "Spiegel der langjährigen Aktivitäten, Schwerpunkte und Kooperationen der Gesellschaft", sagt die Vorsitzende Gerda E.H. Koch, mit dem Brücken des Verstehens und des Vertrauens gebaut werden können: gegen die Angst vor dem Fremden und den Fremden, die in Deutschland und anderen Ländern Europas grassiert.

Auf drei Programmangebote, bei denen die christlichen Kirchen Gastgeberinnen sind, möchten wir an dieser Stelle aufmerksam machen:

Vom 5. bis 25. März  ist in der Pauluskirche an der Römerstraße in Marl-Hüls die Ausstellung „DU gehst MICH an – Juden und Christen in Westfalen auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis“ zu sehen. Die Ausstellung wurde 2008 zum 70. Jahrestag der Novemberpogrome und zum 60- Jahrestag der Gründung des heutigen Staates Israel erarbeitet. Der 1. Teil der Ausstellung führt in das jetzige jüdische Leben in Westfalen ein. Teil 2 zeigt die Vergangenheit auf, der 3. Teil beleuchtet die Zeit nach dem II. Weltkrieg 1945. Die Ausstellung ist kein fertiges Endprodukt, sie will die Besucherinnen und Besucher mitnehmen auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis von Juden und Christen.

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat 1999 die Hauptvorlage „Gott hat sein Volk nicht verstoßen“ vorgelegt, die einen fruchtbaren Diskussionsprozess in Gang setzte. Die Kirchenordnung wurde im Jahr 2005 um einen Bezug zur Erwählung Israels und Gottes Treue zu seinem Volk ergänzt. Auch zehn Jahre nach ihrer Entstehung hat die Ausstellung nichts an Aktualität verloren. Gerade in der heutigen Zeit fordert sie mehr denn je heraus, jeder Form von antijüdischen Parolen und Angriffen entgegen zu treten.

Eröffnet wird die Ausstellung am 5. März um 19 Uhr mit dem Vortrag „Geh! Lerne!“ von Prof. Dr. Klaus Wengst, emeritierter Professor für Neues Testament, der maßgeblich an der landeskirchlichen Hauptvorlage 1999 und an der Formulierung zur Ergänzung der Kirchenordnung 2005 mitgearbeitet hat. Anschließend folgt eine Führung durch die Ausstellung. Während der zwei Wochen kann die Ausstellung nach Voranmeldung besichtigt werden. Auf Wunsch werden Führungen angeboten und Material für eigene Zugänge zur Verfügung gestellt. Kontakt gibt es über Pfarrer Roland Wanke, Pfarrer an der Pauluskirche Marl und kreiskirchlicher Beauftragter für die Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Telefon 02365 413369, E-Mail: roland.wanke@kk-ekvw.de).

Die Ausstellung endet am Sonntag, den 25. März um 19 Uhr mit einem Vortrag des jüdischen Journalisten und Publizisten Günter B. Ginzel in der Pauluskirche Marl zur Frage „Wer hat Angst vor dem Pluralismus? – Jüdische Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart“.

Zur Vertiefung des diesjährigen Jahresthemas „Angst überwinden – Brücken bauen“ findet am Mittwoch, den 7. März um 19 Uhr im Haus des Kirchenkreises an der Limperstraße in Recklinghausen eine Podiumsdiskussion mit dem Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama (Berlin), Dr. Ferdinand Schumacher, früherer Stadtdechant von Münster, Superintendentin Katrin Göckenjan und Pfarrer Roland Wanke statt. Nach dem Austausch von Standpunkten unter den Podiumsteilnehmenden unter der Fragestellung, welchen Beitrag Christen  und Juden heute leisten müssen, um Angst zu überwinden und Brücken zu bauen, wird das Publikum in die Gesprächsrunde mit einbezogen.

Vor der zentralen Eröffnungsfeier am 11. März im Festspielhaus, wo ein Zutritt nur mit ausgestellter Eintrittskarte erfolgt, laden Stadt- und Kreisdechant Propst Jürgen Quante und Superintendentin Katrin Göckenjan zu einer Ökumenischen Morgenfeier um 9 Uhr in die Propsteikirche St. Peter, Kirchplatz 4 in Recklinghausen ein. Die musikalische Gestaltung hat Regionalkantor Thorsten Maus. uka

Eine aktuelle Übersicht findet sich auf der Homepage der Stadt Recklinghausen: www.recklinghausen.de.

Theologiestudierende und Vikarinnen ließen sich über aktuelle Herausforderungen der diakonischen Arbeit im nördlichen Ruhrgebiet informieren

OER-ERKENSCHWICK – Zu einem Informationsaustausch mit Superintendentin Katrin Göckenjan und Superintendent Dietmar Chudaska trafen sich die Theologiestudierenden und Vikarinnen der Kirchenkreise Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen im Matthias-Claudius-Zentrum, einem Altenwohn- und Pflegeheim der Diakonie des Kirchenkreises Recklinghausen, in Oer-Erkenschwick.
Theologiestudierende und Vikarinnen ließen sich über aktuelle Herausforderungen der diakonischen Arbeit im nördlichen Ruhrgebiet informieren

Dietmar Chudaska, Ulrich Radke, Frank Rüter, Katrin Göckenjan, Matthias Frieds und Dr. Dietmar Kehlbreier (v.l.) mit den Theologiestudierenden und Vikarinnen

Der Diakoniepfarrer und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen, Dr. Dietmar Kehlbreier, erläuterte den Studierenden und Vikarinnen die wesentlichen Bereiche der kreiskirchlichen Diakonie mit seinen Arbeitsbereichen und Einrichtungen.

Matthias Frieds, Leiter des Matthias-Claudius-Zentrums stellte die Einrichtung vor und wies auf die anstehenden Umbauarbeiten und Umgestaltungen im Hause und auf dem Gelände hin. Dabei spielt die Arbeit im Quartier Schillerpark eine entscheidende Rolle, ein Quartiersprojekt im Werden, in der das Matthias-Claudius-Zentrum der zentrale Treffpunkt der Quartiersarbeit ist. Besonders zu erwähnen ist hier das Zusammenwirken von Kirchenkreis, Kirchengemeinde und Diakonie mit den unterschiedlichen Angeboten und Diensten.

Seine Heimat im Matthias-Claudius-Zentrum hat auch der Ambulante Hospizdienst Oer-Erkenschwick. Hospizkoordinator Pfarrer Ulrich Radke berichtete von der Entstehung des Dienstes bis zum jetzigen Wirken. Getragen wird die Arbeit von einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die eine fundierte Ausbildung hatten. Es gibt ein breit gefächertes Angebot an Fort- und Weiterbildungen sowie eine Supervision zur Reflexion der Einsätze.

In einer weiteren Runde berichteten die Theologiestudierenden und Vikarinnen über ihre Anliegen und Erfahrungen in Studium, Praktikum und in der Gemeindearbeit. Die Superintendenten machten ihnen Mut für ihren zukünftigen Dienst und stellten neueste Entwicklungen und Projekte in den Kirchenkreisen und in der Landeskirche vor. Der Vormittag schloss mit einem gemeinsamen Mittagessen. uka

Tagung der "Initiative für Evangelische Verantwortung in der Wirtschaft" mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit

Wir Menschen in den Industrieländern leben weit über unsere Verhältnisse. Würden alle Menschen auf dieser Erde so leben wie wir, bräuchten wir vier Erden. Das ist nicht nachhaltig, sondern eine Lebensweise auf Kosten der nächsten Generationen. In den meisten Unternehmen gibt es einen erheblichen Widerspruch zwischen den jährlichen Berichten über die eigene Nachhaltigkeit und dem Zustand dieses Planeten, kritisiert Unternehmensberater Michael Klöfkorn. Wie aber kommt Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft? Und was hat der Glaube damit zu tun?
Tagung der "Initiative für Evangelische Verantwortung in der Wirtschaft" mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit

(v.l.:) Die Referenten Volkhard Trust, Michael Klöfkorn und Superintendentin Katrin Göckenjan in der Arena der IHK Bochum

BOCHUM – Die „Arena“ ist ein Versammlungsraum im Verwaltungsgebäude der Bochumer Industrie- und Handelskammer (IHK) mit einem kreisrunden Organigramm in der Mitte und vielen Plakaten an der Wand. 

Wer sich auf einen der Schwingsessel um die freie Mitte setzt und den Raum auf sich wirken lässt, erlebt unwillkürlich etwas vom Geist der neuen Kommunikations- und Organisationskultur, der hier eingezogen ist. „Das Kreisprinzip“, erklärte Moderator und Coach Christian Rommert (Bochum) den etwa 50 Tagungsgästen, „entspricht der Erkenntnis, dass komplexe Situationen nicht mehr singulär lösbar sind. Die Kompetenz- und Projektteams suchen sich die Akteure, die sie brauchen.“

Im Umbruch befindet sich nach Darstellung des Vereinsvorsitzenden David Hirsch (Jena) auch die „Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas“ mit derzeit 600 vornehmlich mittelständischen Unternehmern und Selbständigen. In den Ländern des ehemaligen Ostblocks seien inzwischen selbständige und kompetente Strukturen entstanden, „sodass wir jetzt mehr in Netzwerken denken“.

Das innerbetriebliche Netzwerk nahm Unternehmensberater Michael Klöfkorn (Isenhagen) in den Blick, der in der offenen Arena frei sprechend für ein transparentes Nachhaltigkeits-Management im Kerngeschäft eines Unternehmens warb: „Von Unternehmenslenkern wird Transparenz im Umgang mit den Zielkonflikten und Widersprüchen der eigenen Entscheidungen verlangt. Das erfordert Mut, auch dahin zu gehen, wo es weh tut. Wenn man Transparenz herstellen will, dann geht man in den Schmerz“, betonte Klöfkorn mit kritischem Blick auf das Tagesgeschäft vieler Unternehmen, das leider mit dem Kernthema Nachhaltigkeit meist unverbunden bleibe: „Das ist wie mit einer Krebsdiagnose, nach der alle weitermachen wie bisher.“ Entsprechend groß sei die „Diskrepanz zwischen den Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen und dem Zustand unseres Planeten“. Jedes ungelöste Problem sei aber eine „unentdeckte Marktchance“. Und in jedem Unternehmen gebe es „Nachhaltigkeits-Treiber“, engagierte Mitarbeitende, die Lust darauf hätten, die fehlende Verbindung herzustellen: „So kommt die Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft“, resümierte Klöfkorn.

Moderne Start-Ups müssten dem entsprechend doch von Beginn an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein, schloss daraus ein Teilnehmer. Ein anderer betonte die Bedeutung des bedingungslosen Grundeinkommens als wichtigen Baustein sozialer Nachhaltigkeit für die vielen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze wegen der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt in Gefahr seien.

“Nachhaltigkeit ist kostbar und kostet was“, sagte Volkhard Trust, Schulleiter der integrativen Matthias-Claudius-Schule Bochum. „Nachhaltigkeit hat zutiefst mit innerer Bildung zu tun. Wenn hinter dem Konzept eine Haltung sichtbar wird, die überzeugend gelebt wird und sich im Alltag bewährt“, werde notwendiger Halt vermittelt. Bildung sei der Schlüssel zu einem „Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, das sich gegen Widerstände und das süße Gift des schnellen Erfolgs“ durchsetze, so der Schulleiter. Angesichts wegfallender Arbeitsplätze müssten sich die Wirtschaftsvertreter Gedanken über Beschäftigungsmöglichkeiten in der Zukunft machen und dabei Menschen mit Behinderungen nicht aus dem Blick verlieren, so Trust.

An den engen Zusammenhang von Bild und Bildung erinnerte die evangelische Theologin und Superintendentin Katrin Göckenjan (Recklinghausen) anhand einer Ikone aus dem Ikonenmuseum in Recklinghausen. Diese erzähle „von einer Begegnung eines Menschen mit Gott, genauer: mit einem Boten Gottes. Nach dieser Begegnung öffnen sich im Leben dieses Menschen ganz neue Horizonte. Davon lebt der Glaube.“ In der Taufe werde diese über 3000jährige Begegnungsgeschichte mit Gott „persönlich“. Beim Versuch, ein gutes Leben zu führen, blieben die Zweifel aber nicht aus: „Misstrauen und der Rückzug in die eigenen Echokammern scheint ein neuer Mainstream zu werden“. Die bleibenden „Widersprüche zu managen“ sei die Aufgabe jedes Menschen und sei "zugleich ein gesellschaftliches und globales Thema: je näher die Welt zusammenrückt, virtuell und analog, desto stärker rücken uns auch die Widersprüche und Konflikte auf die Pelle, in die wir verwoben sind.“ Wer in Gott und Jesus Christus vertraue, habe die Möglichkeit, umzukehren und neu anzufangen. Eine „grundlegende Umkehr in unserem Lebensstil“ sei auch dringend notwendig, so Göckenjan abschließend, „um der Schöpfung und sehr vieler Menschen willen.“ GH

Oberkirchenrätin a.D. Coenen-Marx referiert über "Kirchliche Arbeit in einer alternden Gesellschaft" am Mittwoch, 21. Februar um 18 Uhr im Haus des Kirchenkreises, Limperstr. 15

„Das Altwerden in unserer Gesellschaft hat sich verändert. Die Übergänge in die nachberufliche Phase sind fließender geworden. Zunehmend wird das Alter als 'dritte' Lebensphase und nicht als 'Ende', sondern als Neubeginn wahrgenommen, das von den Einzelnen aktiv gestaltet wird. Neben dem Gefühl, von allen Pflichten befreit zu sein, übernehmen bereits Viele für Andere Verantwortung in Familien, in der Nachbarschaft, im Stadtteil", sagt Cornelia Coenen-Marx.
Oberkirchenrätin a.D. Coenen-Marx referiert über "Kirchliche Arbeit in einer alternden Gesellschaft" am Mittwoch, 21. Februar um 18 Uhr im Haus des Kirchenkreises, Limperstr. 15

Cornelia Coenen-Marx

RECKLINGHAUSEN - All diese Entwicklungen bergen Chancen und Möglichkeiten für die kirchliche Arbeit, die sich weiterentwickeln muss, so die These der Referentin, die zuletzt bis zu ihrem Ruhestand im Februar 2015 als Sozialreferentin der Evangelischen Kirche in Deutschland tätig war. In der Einbeziehung der (jungen) Alten können Kirchengemeinden ihre Rolle als wichtige Partner im Gemeinwesen, in der Entwicklung des Ehrenamts oder im Aufbau sorgender Gemeinschaften bewusster wahrnehmen.

Coenen-Marx folgt damit einer gemeinsamen Einladung des synodalen Ausschusses für Altenarbeit des Kirchenkreises, des Referats für Erwachsenenbildung und des Ambulanten Hospizdienstes Oer-Erkenschwick.

Nach dem Vortrag wird das Projekt „junge Alte“ (55plus) aus der Evangelischen Kirchengemeinde Haltern von Sandra Allerdisse im Austausch vorgestellt. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen. IK/uka

 

„Angst überwinden – Brücken bauen“ - Pfarrkonferenz zur „Woche der Brüderlichkeit“ am 5. Februar 2018

KIRCHENKREIS Die seit 1952 stets im März veranstaltete „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit wird in diesem Jahr unter dem Leitmotiv Jahresthema „Angst überwinden – Brücken bauen“ in Recklinghausen stattfinden. Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Exkursionen Studienreisen, Theater, Vorträge, Filme und anderes finden sich in dem umfangreichen Rahmenprogramm. Aus diesem Anlass hatte die Pfarrkonferenz im Ev. Kirchenkreis Recklinghausen die 1. Vorsitzende der jüdischen Gemeinde aus Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, und die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Kreis Recklinghausen, Gerda E.H. Koch, als Gäste durch Pfarrer Roland Wanke (Marl) als kreiskirchlicher Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog eingeladen.
„Angst überwinden – Brücken bauen“ - Pfarrkonferenz zur „Woche der Brüderlichkeit“ am 5. Februar 2018

Judith Neuwald-Tasbach zu Gast auf der Pfarrkonferenz in Recklinghausen

 Judith Neuwald-Tasbach wuchs in einer traditionell jüdischen Familie auf, die zahlreiche Opfer des nationalsozialistischen Holocausts zu beklagen hat; 24 von 26 Angehörigen der Familie Neuwald wurden durch die Nazis ermordet. 

Im Zuge des Neubaus der Synagoge in Gelsenkirchen, die am 1. Februar 2007 öffnete, wurde sie als Vorsitzende der dortigen Gemeinde gewählt, mittlerweile in die dritte Amtsperiode. „Wir haben unglaublich viele Besucher gehabt. Die Synagoge findet unglaublich viel Zustimmung. In den Tagen, in denen wir zum „Tag der offenen Tür“ geöffnet hatten, zählten wir 12-15.000 Besucher. Wir haben Führungen bis zum Jahresende gebucht“, berichtet sie erfreut über die große positive Resonanz.
„Anfang der achtziger begann die Zuwanderung der jüdischen Menschen. Gelsenkirchen wuchs in der Zeit rasant an. In Spitzenzeiten hatten wir 500 Mitglieder mit sehr kleinen Räumlichkeiten“, schaut sie zurück. Die aktuelle Situation der jüdische Gemeinde in Gelsenkirchen, die anfangs mit 30 Leuten Gemeinde nach der Shoah im Jahr 1958 neu gegründet wurde, entwickelt sich aus ihrer Sicht gegenwärtig sehr gut. Sie sieht ihre Gemeinde im Umgang mit den eigenen Glaubenstraditionen im „Mainstream der 106 jüdischen Gemeinden in Deutschland. Ich bin ganz glücklich, dass sich diese Vielfalt der jüdischen Gemeinden wieder entwickelt“, sagt sie. Zur Gemeinde gehören mehrere Jugendgruppen, drei Klassen mit Religionsunterricht, ein Männerkreis, ein Chor, Kindergruppen, die 350 Mitglieder freuen sich über einen eigenen Rabbiner.
Dennoch seien aktuell wieder abgründige, antisemitische Erfahrungen zu machen: „Aber es gibt sie wieder, die neuen und die alten Nazis; es gibt auch den muslimischen Antisemitismus.
Es gibt vor allem diejenigen, die schweigen. Das ist eine ganz schreckliche Situation in unserer Gesellschaft. Es gibt wieder Dinge, denen wir in aller Deutlichkeit entgegentreten müssen“, betont Judith Neuwald-Tasbach.
In allen Städten in Deutschland, wo sich Synagogen befinden, seien solche Vorfälle vorgefallen.
Oft wollten jüdische Kinder nicht, dass bekannt gegeben werde, dass sie jüdisch seien, wenn dies bei der Notenvergabe im Zeugnis stehe. Viele trauten sich nicht, sich mit Symbolen zum Judentum zu bekennen und lebten in Angst. Den Pfarrerinnen und Pfarrern schildert sie eindrücklich von ihren Erfahrungen einer privaten Tischrunde, in der ein Gesprächsteilnehmer sich offen antisemitisch äußerte, die anderen Anwesenden jedoch dazu geschwiegen hätten.
„Wir können nicht verleugnen, dass Hass und Respektlosigkeit zugenommen haben. Unsere Kinder sollen nicht in einem Land leben, in denen Menschen schlechter behandelt werden, weil sie eine andere Religion haben. Man muss lernen, diesen Anfeindungen entgegentreten. Dass man Unrecht sieht und schweigt, das ist das Schlimme“, hält sie fest.  Wichtig sei, wie juristisch mit alten Nazitätern umgegangen würde. „Für uns muss Recht gesprochen werden, Mich treibt an, dass wir Recht sprechen müssen“, sagt sie. In der Wahrnehmung der eigenenn Geschichte plädiert sie klar für Gedenkstättenbesuche mit Schülerinnen und Schülern. „Da haben sie die Verzweiflung des Ortes verstanden. Ich glaube, dass es eine gute Sache ist, wenn Schüler einmal im Leben dorthin fahren. Die Menschen haben immer noch die Stereotypen aus dem Dritten Reich im Kopf. Vielleicht muss man an schulischen Konzepten arbeiten, um ein friedliches Miteinander zu fördern. Ich mache mir auch Sorgen um Holland, Polen, Europa, überall, wo Rechte in Parlamenten sitzen. Was ist das für eine Erfahrung, dass Gottesdienste immer mit Polizeischutz begleitet werden müssen? Es ist eigentlich schrecklich, dass es so weit kommt“, beklagt sie in aller Deutlichkeit.
 
In der letzten Zeit habe ihre Gemeinde neuerdings auch Erfahrungen mit muslimischem Antisemitismus gemacht: „Uns haben zwei Mal muslimische Antisemiten die Scheiben eingeworfen, die dann von der Polizei gefasst wurden.“ Politisch zeigten sich neuerdings wieder aufkeimende, rechte Strömungen: „Wir haben im Rat der Stadt auch Rechte sitzen.
Wenn Menschen Angst haben, als Juden zu leben, dann ist unsere Demokratie in Gefahr“, so Neuwald-Tasbach. Deshalb seien Bildungsanstrengungen enorm wichtig: „Das Problem ist, dass die Kinder nicht mehr genau wissen, woher sie kommen, ihren Ursprung nicht kennen. Bildung, religiöses Verständnis für einander: Das ist ein Auftrag auch an die Eltern, die ihren Kindern Bildung vermitteln müssen“, fordert sie. 
Für ein solches Bildungsanliegen bietet die diesjährige „Woche der Brüderlichkeit“ zahlreiche Anknüpfungspunkte:
 
„Brücken bauen, damit Ängste überwunden werden.“
Gerda Koch, die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Kreis Recklinghausen, stellte der Pfarrkonferenz die anstehende „Woche der Brüderlichkeit“ vor. Diese ist vom 11. - 18. März 2018 nicht nur in Recklinghausen, sondern auch in anderen Städten des Kreisgebietes geplant. Mit den Angeboten sei das Anliegen verbunden, Antworten zu geben auf Fragen wie, „wo haben wir Gemeinsames, wo sind wir gefragt, solidarisch zu sein? Wo stehen wir an der Seite der Gemeinden und schweigen nicht?“, sagt Gerda Koch. Das Motto „Angst überwinden, Brücken bauen“ sei als diesjähriges Jahresthema gewählt worden, das in zahlreichen Ausstellungen, Exkursionen, Feiern, Gedenken, Grußworten, Lesungen, Konzerten, Seminaren, Theaterbeiträgen, Vorträgen entfaltet werde. Online finden sich in Ergänzung zur gedruckten Programmfassung weitere Hinweise
 
 
Gerda E.H. Koch, Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Kreis Recklinghausen
 
Die Eröffnung mit einer jüdisch-christlichen Gemeinschaftsfeier am 10.3.2018 um 19.30 Uhr in der Christuskirche, Limperstr. 13, Recklinghausen, sei aus Sicherheitsgründen nur mit Einlasskarten möglich. Daher sei eine schriftliche Anmeldung bei Interesse zuvor erforderlich. Des Weiteren hob sie die „einzigartige Ausstellung“ zu „Justiz und Nationalsozialismus“ in der Justizakademie des Landes NRW, August-Schmidt-Ring 20, 45665 Recklinghausen am 10. März 2018 ab 11.00 Uhr hervor.
Am  11. März 2018 werden im Rahmen der zentralen Eröffnungsfeier der „Woche der Brüderlichkeit“ 2018 Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Cay Süberkrüb, Landrat des Kreises Recklinghausen, Christoph Tesche, Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, und Dr. Margaretha Hackermeier, Katholische Präsidentin des Deutschen Koordinierungsrates, erwartet.  
Im Rahmen der zentralen Eröffnungsfeier wird die Buber-Rosenzweig-Medaille an Persönlichkeiten und/oder Organisationen verliehen, die sich im christlich-jüdischen Dialog außerordentliche Verdienste erworben haben. Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird in diesem Jahr verliehen an den Musiker Peter Maffay. 
„Peter Maffay hat im musikalischen Bereich viel für die Verständigung getan; er ist in  einer  Stiftung aktiv und kümmert sich um benachteiligte Kinder, deren Programm hat Jugendliche aus Israel und Palästina zusammen gebracht; Peter Maffay ist aktiv bei Rock gegen Rechts“, erläutert Gerda Koch.
 
Am Samstag, dem 10. März 2018, um 15.00 Uhr wird in der Aula des Marie Curie-Gymnasiums, Görresstr. 5, 45657 Recklinghausen die Kinderoper mit dem Titel „Brundibár“ in 2 Akten von Hans Krása (Komponist) und Adolf Hoffmeister (Librettist) aufgeführt.  Dazu wird ein Gespräch mit der Zeitzeugin Greta Klingsberg stattfinden. Die Uraufführung der 1938 komponierten Kinderoper Brundibár erfolgte 1941 in Prag im jüdischen Kinderheim. Die Kinderoper wird in Kooperation mit der  Musikschule Recklinghausen, dem Förderverein der Musikschule Recklinghausen mit Unterstützung durch die Förderung der Stiftung der Sparda-Bank-West umgesetzt.
 
Der Koordinierungsrat gibt diesmal ein umfangreiches Themenheft heraus, das mit kleinen Unterrichtsbausteinen von Lehrerinnen und Lehrer angereichert wurde. 
 
Text: hh/Bild: uka
06.02.2018
 
 
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Titelseite der Konzeption des Ev. Kirchenkreises Recklinghausen

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