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Ambulanter Hospizdienst gegründet - Zertifikat für ehrenamtlich Mitarbeitende und Vortrag von Franz Müntefering

OER-ERKENSCHWICK „Wie kann ein Mensch bis zuletzt in Würde leben?“ Die Frage von Katrin Göckenjan, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen, ist eine Frage, die nach erlebbarer Antwort sucht. Eine alltagspraktische Antwort mit Bedeutung für das Gemeinwesen und die Menschen haben der Evangelische Kirchenkreis Recklinghausen und die Diakonie im Kirchenkreis mit der Gründung des Ambulanten Hospizdienstes am 02.07.2016 in Oer-Erkenschwick gegeben.
Ambulanter Hospizdienst gegründet - Zertifikat für ehrenamtlich Mitarbeitende und Vortrag von Franz Müntefering

Franz Müntefering in Oer-Erkenschwick

Franz Müntefering, ehemaliger Minister und Vizekanzler, war der Redner bei der Gründungsveranstaltung. Sein Thema: Würdevolle Begleitung am Lebensende. „Es soll bis zuletzt Leben sein“, so Franz Müntefering. „Dass Sterben hat sich nicht verändert. Es ist heute genauso vom Schmerz begleitet wie früher. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert.“ Dort, wo früher die Nachbarschaft den Sterbenden und auch den Angehörigen zur Seite stand, ist heute vielfach niemand mehr zu finden. „Darum ist es so wichtig, dass es stationäre und ambulante Hospizarbeit gibt“, so Müntefering. „Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen. Es ist gut, wenn Sie nachts um zwei jemanden anrufen können und Hilfe erhalten.“ Und zu den ehrenamtlichen Hospiz Mitarbeitenden gewandt: „Ich bringe Ihnen und Ihrer Arbeit großen Respekt und Dankbarkeit entgegen. Unsere Gesellschaft braucht Sie.“ 
Zuvor waren 23 ehrenamtlich tätige Hospizbegleiterinnen/ Hospizbegleiter in einem Festgottesdienst in ihren Dienst gesandt worden. Sie haben eine umfangreiche Ausbildung über ein Jahr absolviert. „Die Ausbildung ist notwendig, wenn Menschen sich auf die verantwortungsvolle Aufgabe der Begleitung von sterbenden Menschen einlassen“, sagt Pfarrer Ulrich Radke, kreiskirchlicher Hospizkoordinator. „Alle haben die anspruchsvolle Ausbildung absolviert und sind bereit, Menschen auf dem letzten Abschnitt ihres Lebens zu begleiten.“
 
Dass der Ambulante Hospizdienst Bedeutung über die kirchlichen Grenzen hinaus hat, war an der Zusammensetzung der Gesprächsrunde zu erkennen, die sich an den Vortrag von Franz Müntefering anschloss. Moderator Dr. Dietmar Kehlbreier, Diakoniepfarrer und Diakonie Vorstand, konnte Landrat Cay Süberkrüb, die stellvertretende Bürgermeisterin Silke Krieg, Superintendentin Katrin Göckenjan, Michael Börth als ehrenamtlich Mitarbeitender im Hospizdienst und die beiden Schirmherren Wichart von Roëll und seine Frau Anne Althoff-von Roëll in der Runde begrüßen. Sie alle machten deutlich, wie sehr ein solcher Dienst gebraucht wird. „Sterben ist ein Teil des Lebens. Wir wollen, dass Menschen in der letzten Phase ihres Lebens nicht alleine sind und dass auch ihre Angehörigen Begleitung erfahren. Wenn sie es wünschen und den Hospizdienst in Anspruch nehmen.“
 
„Vielen Dank jetzt schon an die beiden so sehr engagierten Schirmherren des Ambulanten Hospizdienstes.“ Superintendentin Katrin Göckenjan bringt die Erfahrung der letzten Wochen schon einmal deutlich zum Ausdruck. Wichart von Roëll, Schauspieler, Grimme Preisträger und vielen bekannt aus der TV Sendung „Klimbim“ und seine Frau, Anne Althoff-von Roëll, ehemalige Pressesprecherin der Ruhrfestspiele, sind unermüdlich unterwegs, um für den Ambulanten Hospizdienst zu werben. Dank der freundlichen Unterstützung der RWE setzt die Schirmherrschaft dem Ambulanten Hospizdienst zu seiner Gründung am 2. Juli 2016 ein sichtbares Zeichen. Das Kunstobjekt „Hand mit Licht“ des Oer-Erkenschwicker Lichtkünstlers Walter Dückino bringt dem Dienst das Licht nach Innen und Außen. Es findet seinen ständigen Platz im Foyer des Matthias-Claudius-Zentrums Oer-Erkenschwick, der offiziellen Adresse des Hospizdienstes.
 
Der Ambulante Hospizdienst bietet ab sofort psychosoziale und spirituelle Begleitung im ambulanten Bereich, d.h. im häuslichen Umfeld für schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige an. Hospizkoordinator Pfarrer Ulrich Radke: „Bei uns steht der sterbende Mensch im Vordergrund. Wir respektieren seine Wünsche und begleiten, wie er es möchte. Wir bringen Zeit mit, hören zu und gehen einfühlsam auf die jeweilige Situation ein.“
Kontakt: Hospizbüro, Matthias-Claudius-Zentrum, Halluinstraße 26, Oer-Erkenschwick, Telefon 02368 / 694-196.
 
Weitere Informationen
Der neugegründete Hospizdienst befindet sich in Trägerschaft des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen in Zusammenarbeit mit  dem Diakonischen Werke im Kreis Recklinghausen e. V. in enger Zusammenarbeit mit der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde in Oer-Erkenschwick. Der Hospizdienst kooperiert eng mit weiteren Leistungsanbietern aus den Bereichen der ambulanten und stationären Altenhilfe und Pflegediensten in der Stadt.
Dies geschieht auf Grundlage des gemeinsamen christlichen Menschenbildes, um in Zukunft im Rahmen einer vernetzten Versorgungsstruktur Sterbende unterstützend zu begleiten.
 
Ausbildung der ehrenamtlich Tätigen
 
Für ihre Arbeit wurden 23 Personen im Alter von 20 – 72 Jahren in einem Fortbildungskurs für Ehrenamtliche unter der Leitung des Hospizkoordinators Pfarrer Ulrich Radke und seiner Stellvertreterin, Pfarrerin Ilona Klaus, fast ein Jahr geschult.
Die Ausbildung umfasste 26 Einzelmodule, um die Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihre verantwortungsvolle zukünftige Arbeit vorzubereiten. Inhalte dieser umfangreichen Schulung waren u.a. Formen und Inhalt der Hospizarbeit, das Verständnis von Sterben und Tod aus biologischer, medizinischer und aus religiöser Sicht, Zugänge und Motivation ehrenamtlicher Tätigkeit, Krankheitsbilder und deren Symptome, sowie rechtliche und ethische Dimensionen der Hospizarbeit. Die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter kommen aus den verschiedensten Lebensbereichen, Altersgruppen und Berufen. Sie haben sich intensiv mit Krankheit, Sterben, Tod und Trauer befasst. Offenheit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich auf die Situation des Sterbenden einzulassen und ein Stück des Weges mit ihm zu gehen, sind wichtige Voraussetzungen für die Begleitung. Diese Tätigkeit unterliegt der Schweigepflicht und ist kostenfrei.
 
 
 
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