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„Luther als Reformator der gesamten Kirche“

ZENTRALER ÖKUMENISCHER GOTTESDIENST zum Reformationstag in der Christuskirche
„Luther als Reformator der gesamten Kirche“

Superintendentin Katrin Göckenjan und Weihbischof Dieter Geerlings (vorne) mit Bürgermeister Christoph Tesche (hinten rechts) und einem kleinen Teil der am Gottesdienst Mitwirkenden und der Gäste

„Die Kunst ist es, 500 Programmblätter auf 1000 Menschen zu verteilen“, eröffnete Superintendentin Katrin Göckenjan mit einem Schmunzeln den zentralen ökumenischen Gottesdienst zum Reformationstag in der Christuskirche unter dem Motto „Nun freut euch liebe Christen gmein“.

Mit einer solch großen Resonanz hatten weder die Veranstalter noch die Besucher gerechnet. Viele Gäste aus der Stadt und aus anderen Religionsgemeinschaften waren jedoch gekommen, um diesen Tag zusammen mit den Menschen aus den verschiedenen Gemeinden zu feiern und in seiner Bedeutung für das Zusammenleben und -wirken der verschiedenen Kulturen und Religionen zu würdigen.

Vom ungewöhnlichen Format dieses Ereignisses kündigte nicht nur eingangs das gemeinsame Glockenläuten der katholischen und evangelischen Kirchen in der ganzen Stadt, sondern auch das Programmheft. Erst recht die musikalische Gestaltung mit der Altstadtkantorei unter der Leitung von KMD Elke Cernysev und der Formation „Swinging Brass“, die drei Reformationslieder quer durch alle Stilrichtungen von Klassik, Jazz und Pop bis zur Moderne zu Gehör brachten. Schließlich die ökumenische Doppelpredigt mit Superintendentin Katrin Göckenjan und Weihbischof Dieter Geerlings, die vor genau einem Jahr in der katholischen Probsteikirche St. Peter ihr Pendant hatte.

Göckenjan überraschte die Festgemeinde mit Gitarre und Gesang, indem sie ihre Predigt mit dem bekannten Song „Ist da jemand?“ von Adel Tamll anstimmte, der die Hoffnung beschreibt, die entsteht, wenn die Not groß ist und die Lage aussichtslos erscheint. Der Song treffe einen Nerv unserer Zeit, sagte Göckenjan. Zum christlichen Glauben gehöre in besonderer Weise der Zweifel, doch das ließen heute viele gar nicht mehr zu. „Wir brauchen heute weniger Abgrenzung, dafür mehr ehrliche Fragen“, so die Superintendentin weiter. „Und wir teilen heute mit allen das Bedürfnis nach jemandem, der sagt: Ich bin da, mit einer guten Aussicht. Der den Konflikten nicht ausweicht, auch nicht in der eigenen Anhängerschaft.“

„Unser ganzer Glaube kommt in dem Wechselspiel von Geld und Gnade zum Ausdruck“, betonte Weihbischof Dieter Geerlings aus Münster im Anschluss daran. Anhand verschiedener Sinnsprüche und Zitate, die in die Alltagssprache eingegangen sind, verdeutlichte er diese enge Verbindung. Dass der Glaube „gratis“, also umsonst und ohne Bedingungen sei, sei bis heute zwiespältig und abgründig, „weil wir unfähig sind, uns beschenken zu lassen“. Dies sei vielleicht das Unglück an sich, wohl aber eine Ursache des vielen Leids auf dieser Welt. Luther habe den biblischen Glauben wiederentdeckt. „Die Katholiken haben das sehr spät erkannt“, monierte Geerlings, „und die Botschaft ist keineswegs überholt: Das was am meisten zählt im Leben, können wir uns nicht kaufen und hängt nicht von unserer Leistung ab.“ Und bezogen auf den von Göckenjan performten Pop-Song: „Wer bin ich, wenn da kein Gott ist, der mich beim Namen gerufen hat, der mir unendliche Bedeutung schenkt. So macht Er uns zu Jemandem.“ Von daher gelte es, „nach den Stärken zu suchen und die Schwächen zu erkennen und anzusprechen. „Die Stärken als Charismen entdecken, das wäre ein Perspektivwechsel, der dem Reformationsprozess angemessen wäre“, meinte Geerlings. Auch Papst Franziskus werte das Reformationsjahr positiv. Luther sei ein “Reformator der gesamten Kirche“, endete Geerlings, begleitet vom Applaus der Festgemeinde.

 „Gut gemacht!“, freute sich Bürgermeister Christoph Tesche in seinem Grußwort über die gemeinsamen ökumenischen Projekte und Veranstaltungen insbesondereim letzten Jahr der Lutherdekade. Das Jubiläumsjahr habe den Kirchen und der Stadt sehr gut getan, die gemeinsamen Aktionen seien sehr gut gesehen worden und die Beteiligten hätten sich auch darüber hinaus noch viel zu sagen. Er wünsche sich, „dass wir gemeinsam an den Menschen bleiben“, so Tesche.

Für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) erinnerte Ludger Ernsting an Taizé als Ort gelebter Ökumene, in der die Praxis der Theorie seit langem voraus sei. Eine echte Reform der Kirche setze am Thema Mangel und bei der Angst der Menschen mit Leidenschaft an: „Wir sind nicht zu unserem Heil da, sondern zum Heil der Welt. Echte Ökumene sucht die Einheit“, so Ernsting, die in hundert Jahren womöglich „eucharistische Gastfreundschaft“ praktiziere.

„Wir sind dankbar, dass wir das Fest gemeinsam feiern dürfen und freuen uns über die gute Zusammenarbeit“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dr. Marc Gutkin in seinem Grußwort. „Die Erinnerung an die Reformation soll uns stark machen.“

Als „Zeichen der Offenheit und der gegenseitigen Achtung“ wertete Hodscha Erdinc Ergün die Einladung zum Reformationstag. „Wir stehen in gemeinsamer Verantwortung für ein friedvolles Leben. Mögen wir gut vorankommen in guter Nachbarschaft“, so Ergün.

Der anschließende Imbiss im Gemeindehaus stand ganz im Zeichen dieses Wunsches. Mehr als die Hälfte der Festgemeindetraf sich dort, um sich über das Erlebte persönlich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. GH

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