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Reformation und Engagement für die Nächsten - Kreissynode nimmt Stellung zu gesellschaftlichen Belangen

KIRCHENKREIS Im Zeichen von Fragen zu Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch die evangelische Kirche stand die Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen, die in den diakonischen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen mit über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern tagte.
Reformation und Engagement für die Nächsten - Kreissynode nimmt Stellung zu gesellschaftlichen Belangen

Plenum der Kreissynode am 1.7.2017 in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen

Flüchtlingspolitik

Die 98 stimmberechtigten Synodalen verabschiedeten einmütig eine Liste mit drei Forderungen an die Bundespolitik zur „Umkehr zu einer menschenfreundlichen Flüchtlingspolitik“, die Pfarrer Christian Hüging (Datteln) als Beauftragter für Flüchtlingsfragen im Kirchenkreis einbrachte. In der Stellungnahme wird  gefordert, das Grundrecht auf Familienleben für alle durchzusetzen und Familiennachzug zu erleichtern, Abschiebungen nach Afghanistan zu beenden und „Glaubensprüfungen“ durch die Behörden zu unterbinden. Der Appell  geht an den Landrat des Kreises, die Bürgermeister und die Abgeordneten. Die Kreissynode bittet die Landesynode der Westfälischen Landeskirche, ihre Forderungen aufzunehmen und sich ebenfalls für die formulierten Zielsetzungen politisch einzusetzen.

Unterfinanzierte Bildung für Kinder

Die andauernde Unterfinanzierung der Kindertageseinrichtungen durch die Kommunen und das Land NRW im Rahmen des aktuellen Kindergartengesetztes (KiBiz) führt auch in evangelischen Kindertagesstätten zu Problemen mit unzureichenden Finanzmitteln. Die Synodalen fordern mit großer Mehrheit die Landesregierung auf, „das Bildungsgesetz für Kindertageseinrichtungen neu zu schreiben oder grundlegend so zu revidieren, dass die finanzielle Auskömmlichkeit sicher gestellt ist und die Qualität der Bildung umgesetzt werden kann“. Damit unterstützten die Synodalen die Forderungen des zeitgleich in Bochum laufenden Aktionstags evangelischer Kindertageseinrichtungen, der sich das Motto wählte „Es geht um mehr als Knete“.

Veränderte Verhältnisse

Harald Nübel (SPD), erster stellvertretender Landrat des Kreises, wandte sich in seinem Grußwort an die Synodalen: Die Welt sei im Wandel, wie seit 500 Jahren nicht; Veränderungen erzeugten Angst.  „In diesen Zeiten braucht die Gesellschaft Orientierungspunkte, wie die Kirche,  die bei  den Menschen ist“, sagte er. Für Kreisdechant Jürgen Quante sei es eine Konsequenz der sich verändernden Verhältnisse, dass zukünftig  „Kirche sein“ nicht mehr „Volkskirche“ bedeuten könne. Das zuletzt durchgeführte „Stadtkonzil“ der drei Stadtgemeinden habe die erwartete Spannung zwischen „Bewahrung und Erneuern“ gezeigt.

Rückblick auf das Reformationsjubiläum

In ihrem Bericht an die Synodalen beschrieb Superintendentin Katrin Göckenjan die Reformation, die vor 500 Jahren mit Martin Luther ihren Ausgang nahm, als „geistliche Erneuerung und Erneuerung der Kirche“. Christen seien gerufen, ihr Engagement für die Nächsten zu zeigen, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Die kreiskirchlichen Aktivitäten zum Reformationsjubiläum seien „gute Möglichkeiten, nach innen und nach außen darzustellen, was ‚evangelisch‘ im Kern“ bedeute. In der Vielfalt der  Gemeindegottesdienste und ihren Formen käme das spürbare Bedürfnis der Menschen zum Ausdruck, gemeinsam ökumenische Gottesdienste zu feiern. Die Beteiligung des Kirchenkreises  zur Eröffnung der Ruhrfestspiele am 1. Mai habe sich als „gute Plattform, mit Menschen ins Gespräch zu kommen“ bewährt. Neue Kooperationen zwischen Kirche, Diakonie und anderen Akteuren in den Kommunen seien intensiviert oder neu geknüpft werden“.

Gesellschaftspolitik und Kirche

„Humanitäre Hilfe gegenüber geflüchteten Menschen ist Christenpflicht“, stellte die Göckenjan klar. Gemeinden und Dienste berichteten davon, nach anfänglichem Befremden durch die Begegnung mit Geflüchteten „belebt, erneuert und bereichert“ worden zu sein. Daneben hätten Konzepte wie „Kirche im Quartier“ in Langenbochum-Scherlebeck oder die „kirchlich-diakonische Keimzelle“ im Matthias-Claudius-Zentrum in Oer-Erkenschwick um das Thema „Alter“ zu Öffnungen und Erneuerungen beigetragen. Die deutlichen Voten der Synodalen, sich in einem künftigen Ausschuss für gesellschaftliche Verantwortung mit den Schwerpunktthemen von Armut und Gerechtigkeit sowie der Bewahrung der Schöpfung zu beschäftigen, unterstrich das kirchliche Engagement in gesellschaftspolitischen Belangen.

Finanzen

Der Vorsitzende des Finanzausschusses,  Pfarrer Burkhard Müller (Herten), erläuterte in seinem Finanzbericht rückblickend, dass in den letzten fünf Jahren keine Rücklagenentnahme zum Haushaltsausgleich notwendig gewesen sei. Es sei auffällig, dass Zuwächse bei der Kirchensteuer nur aus der Lohnsteuer stammten. „Ist dies ein Indiz dafür, dass mehr und mehr die kleinen Leute mit kleinen und mittleren Einkommen unsere Kirche finanziell tragen? Wie können wir es schaffen, die Bessergestellten angemessener zu beteiligen?“, fragte er. Der Jahresabschluss für 2016 sei positiver als erwartet abgeschlossen worden; zusätzlich sei es zu Einsparungen bei veranschlagten Ausgaben gekommen.

Fundraising

Pfarrer Günter Johnsdorf präsentierte einen positiven Rückblick auf die Erfolge der Arbeitsstelle Fundraising bei Aktivitäten zur Gemeindespende („Freiwilliges Kirchgeld“) und der Arbeit der Kirchlichen Gemeinschaftsstiftung „ernten und säen“.  Die Kreissynode nahm die Empfehlung einer Arbeitsgruppe zur Fortführung der Arbeitsstelle mit einem hauptamtlichen Fundraiser zustimmend zur Kenntnis. Einen verbindlichen Beschluss wird die Synode auf ihrer Herbsttagung fassen.

Text: hh/Bild: uka

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