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Evangelische Akademie bietet neuartiges 10-Tage-Programmformat „AHAdemie“ vom 20. bis 30. September

Es geht um die "AHA-Momente, die man nicht vergisst", werben die Verantwortlichen für das neue Programmformat für Jung und Alt. Das Thema "Familie" betrifft jede/n, ist jedoch mit sehr vielen Idealvorstellungen, Bildern und Klischees behaftet.
Evangelische Akademie bietet neuartiges 10-Tage-Programmformat „AHAdemie“ vom 20. bis 30. September

Foto: Homepage der AHAdemie

RECKLINGHAUSEN – Nichts bleibt, wie es ist. Das gilt insbesondere auch für Familien. Neben die klassische Familienform „Vater-Mutter-Kind“ sind in den letzten Jahrzehnten die Patchwork-Familie aus ehemals geschiedenen Verhältnissen und die inzwischen gesetzlich gleichgestellte Ehe gleichgeschlechtlicher Paare getreten. Und daneben wiederum gibt es noch viele andere Formen von Partnerschaften und familiärem Zusammenleben.

Die evangelische Kirche hat bereits vor einigen Jahren damit begonnen, eine intensivere Diskussion um das Thema Familie anzuregen mit dem Ziel, ein positives Bewusstsein für die Vielfalt an Lebensformen zu entwickeln. Sie betrachtet „alle Formen des Zusammenlebens als Familie, in denen Eltern für Kinder und Kinder für Eltern Verantwortung und Sorge tragen“, wie es in der Hauptvorlage für die Landessynode im Jahr 2012 (S. 10) hieß. Keine konkurrierenden (Leit-)Bilder also, sondern der bleibende „Wunsch nach Partnerschaft und Familie“ in vielfältigen Formen.

Mit einem ansprechend bunten und vielfältigen Zehn-Tage-Programm vom 20. bis zum 30. September und einer komplett neuen Homepage www.ahademie.com widmet sich die Evangelische Akademie intensiv genau diesem Thema, das – so hat die Diskussion der letzten Jahre gezeigt – nicht einfach ist, weil zwar alle Menschen Familie haben, jedoch kaum ein anderes Thema mit so vielen Idealvorstellungen, Bildern und Klischees behaftet ist.

Mit ihrem neuen, vielfältigeren Veranstaltungsformat „AHAdemie“ für alle Generationen reagiert die Evangelische Akademie auf den gesellschaftlichen Wandel und vervielfältigt die Möglichkeiten für Auswahl, Diskussion und Beteiligung. Ihr Anspruch ist hoch: „Die AHAdemie soll zeigen, wie vielfältig und spannend das Leben ist und Anregungen geben, mit den aktuellen Aufgaben und Fragen des Lebens leichter klarzukommen. Die AHAdemie will inspirieren und dazu beitragen, sich ein fundiertes Urteil zu bilden und zu einem verantwortlichen Handeln zu gelangen“, schreiben die Verantwortlichen Pfarrer Christian Siebold und Erwachsenenbildungsreferentin Julia Borries über ihre Zielsetzung.

Mit dem Wortspiel zwischen Akademie und AHAdemie gelingt es hoffentlich, nicht nur erhöhte Aufmerksamkeit für neue Zugänge zu alten Problemen und Lösungswegen zu erzeugen, sondern auch den sprichwörtlichen Aha-Effekt des schlagartigen Erkennens auch für die Gewinnung neuer Interessenten fruchtbar zu machen. Denn bis auf allen Seiten „der Groschen gefallen“ ist, um was es hier geht, dauert es erfahrungsgemäß eine gewisse Zeit.

Den Auftakt macht der Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe (SPD) am 20. September um 18 Uhr im Gemeindehaus ARCHE, Nordseestraße 104, mit seinem Bericht über die aktuelle Menschenrechts-situation in Europa insbesondere die Kinderrechte unter dem Titel „Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft“ und anschließender Diskussionsrunde. GH

Aufklärung gegen Rechts: Evangelische Kirchengemeinde schult Jugendliche im Workshop

Rechtsextreme Gruppen verbreiten ihre Parolen gezielt über die Sozialen Medien und Netzwerke und mittels bestimmter Musikstile. So finden sie – leider bisher mit Erfolg – ihre Adressaten vor allem unter den Jugendlichen, die für solche Weltanschauungen empfänglich sind. Dagegen hilft nur gezielte Aufklärung, möglichst durch diejenigen, die eng mit Jugendlichen zusammenarbeiten.
Aufklärung gegen Rechts: Evangelische Kirchengemeinde schult Jugendliche im Workshop

Zühtü Baritoglu und Kathrin Wolf (links) vom „Haus der Kulturen“ in Herten klärten auf - zusammen mit Erwachsenenbildungsreferentin Julia Borries (Organisation) und Jugendreferent Thorben Niestegge.

OER-ERKENSCHWICK - Die Evangelische Kirchengemeinde Oer-Erkenschwick ist sich als eine Trägerin von Jugendarbeit in der Region ihrer Verantwortung in diesem komplexen Problemfeld bewusst. Sie lud vor diesem Hintergrund gemeinsam mit der Evangelischen Erwachsenenbildung des Kirchenkreises zu einem Workshop mit dem Titel „Rechtsextremismus – Rechtspopulismus“.

 

An drei Abenden konnten sich Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) zusammen mit ehrenamtlichen Jugendmitarbeiterinnen und -mitarbeitern und dem Jugendreferenten Thorben Niestegge über die verschiedenen Formen rechtsradikaler Positionen austauschen und dabei lernen, diese zu identifizieren und gemeinsam geeignete Gegenmaßnahmen zu überlegen.

 

„Neonazis kann man heute nicht mehr nur an Glatze und Springerstiefeln erkennen. Die kommen direkt ins Wohnzimmer per Youtube oder soziale Netzwerke“, erklärte Referent Zühtü Baritoglu vom „Haus der Kulturen“ in Herten die Problemstellung. Sie tarnten sich als „normale“ Menschen. Nicht jede/r könne beispielsweise beim Surfen im Internet sofort erkennen, welches Gedankengut hinter welcher Musikrichtung stehe. Klicke man auf eine solche Seite, werde diese meist sofort mit anderen einschlägigen Seiten verlinkt, so Baritoglu. Beispiele dafür seien etwa die Formationen „MaKss Damage“, „Lunikoff Verschwörung“ und „Frontfeuer“.

 

Falls jemand in seiner Gruppe solch eine Musik auf seinem Smartphone spiele, solle die Gruppe dies sofort zum Thema machen und versuchen, demgegenüber die eigenen Werte und Grenzen bewusst zu machen, riet Baritoglu, der zusammen mit seiner Kollegin Kathrin Wolf entsprechende Schulungen in „interkultureller Kompetenz“ anbietet.

 

„Wir können nur für das Thema sensibilisieren, aber die Aktiven in der Jugendarbeit sind gute Multiplikatoren“, ermutigte Julia Borries, Referentin für Erwachsenenbildung im Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen, die Beteiligten. GH

Claudia Weber als Prädikantin beauftragt

"Die richtige Mischung aus Gottvertrauen und Selbstvertrauen macht es!"
Claudia Weber als Prädikantin beauftragt

Freuen sich über die Beauftragung von Claudia Weber (2.v.l.) als Prädikantin durch Superintendentin Katrin Göckenjan: die Pfarrer Bastian Basse (Mitte) und Karl Henschel sowie Bernhard Abendroth (Foto: Klaus Tykwer).

HALTERN AM SEE – In einem Gottesdienst wurde Claudia Weber in der Halterner Erlöserkirche in ihr neues Ehrenamt als Prädikantin eingeführt. Dem ging eine einjährige Ausbildung im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Villigst (Schwerte) voraus. Und dieser wiederum eine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Haltern im Bibelgesprächskreis, der Kinderbibelwoche und Kinder- und Familiengottesdiensten.

 

„Wer kann die großen Taten des Herrn alle erzählen – und sein Lob genug verkündigen?“ Mit dieser Frage der Tageslosung aus Psalm 106, 2 und einer einfachen Antwort darauf, ermutigte Superintendentin Katrin Göckenjan ihrerseits Weber in ihrem Vorhaben: „Kein Mensch kann das – und schon gar nicht alleine.“ Mit Weber erklinge „eine weitere Stimme im Chor der Menschen“, die von Gottes unendlichen Wundern erzählen. „Als Prädikantin haben Sie die wunderbare Aufgabe, von Gottes Großtaten zu erzählen. So von ihnen zu erzählen, dass Menschen spüren: Das sind keine leeren Worte. Das hat Hand und Fuß. Damit kann ich was anfangen.“

 

Die gebürtigere Hattingerin ist seit 17 Jahren verheiratet und Mutter zweier jugendlicher Kinder. In ihrer Predigt zum leidenden Gottesknecht (Jesaja 50, 4-9) bekannte Weber, angesichts der Herausforderung ambivalente Gefühle zu hegen: „Es ist mein innerer Kritiker, der mir zu schaffen macht“. Von daher sei ihr in all den Situationen, „in denen wir zögern und zunächst nicht weiter wissen“, die „richtige Mischung aus Gottvertrauen und Selbstvertrauen“ wichtig, um einen Weg zusammen mit anderen finden zu können. GH

Paradigmenwechsel: Infoveranstaltung über die laufende Umstellung von der Kameralistik zur Doppik

Alle Kirchenkreise in der Westfälischen Kirche sind derzeit mit der Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzmanagements (NKF) in ihren Verwaltungen beschäftigt. Für die Verwaltungsangestellten wie für die Kirchengemeinden ist das neue System ein Paradigmenwechsel, der ein komplettes Umdenken erfordert. Weil jeder Kirchenkreis eine eigene Geschichte, Identität und Struktur hat, verlaufen die Prozesse unterschiedlich. In Bottrop und Recklinghausen informierten Projektleiter Torsten Block und Jan-Gerd Jentsch, Geschäftsführer der kisocon GmbH aus Bielefeld Pfarrer*innen und Kirchmeister*innen über den Stand des laufenden Projekts in Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen und die Phasen der Umstellung.
Paradigmenwechsel: Infoveranstaltung über die laufende Umstellung von der Kameralistik zur Doppik

Jan-Gerd Jentsch, Geschäftsführer der kiscon GmbH, stellte den Anwesenden die Veränderungen von der Kameralistik zur Doppik vor. Foto: uka

BOTTROP / RECKLINGHAUSEN - Das Neue Kirchliche Finanzmanagement (NKF) ist ein Systemwechsel von der kameralen zur doppischen Buchführung. Hierbei geht es nicht nur um eine Umstellung eines Finanzprogramms, sondern um einen Paradigmen- und Kulturwechsel, eine komplette Änderung des Denkens und des Handelns. Die Neuerungen berühren nicht nur die gesamte Verwaltung, sondern auch andere Bereiche wie Technik, Kommunikation und das Handeln in alltäglichen Fragen. Diese Umstellung ist nicht nur für die Kirchengemeinden, sondern insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kreiskirchenamt eine besondere Herausforderung.

 

Bis Ende 2017 wurden im Kreiskirchenamt eine Menge Vorarbeiten geleistet und das neben dem laufenden Tagesgeschäft. Dazu kamen Schulungen in Theorie und Praxis. Mit Beginn des Jahres 2018 startete das neue System im Echtbetrieb, verbunden mit einigen Schwierigkeiten. Es gibt neue Zuordnungen und eine andere Form der Buchhaltung: ein völlig anderes System, was keinem gleich in Fleisch und Blut übergeht, wenn man jahrzehntelang anders unterwegs gewesen ist. Prozesse dauern folglich länger. Mit dem neuen Buchungssystem muss auch weiterhin das vergangene Haushaltsjahr abgeschlossen werden.

 

Allen Beteiligten ist klar, dass noch eine Menge Arbeit vor ihnen liegt und dass der Prozess noch einen langen Weg vor sich hat. „Dieses Projekt kann nur durch ein geduldiges Miteinander und dem Willen zu einer nachhaltigen Veränderung gelingen“, sagte Jan-Gerd Jentsch. Die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden sprachen sich für weitere Informationsveranstaltungen dieser Art aus. uka

Neuer Weihbischof besucht den Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen

Mit dem Ruhestand von Weihbischof Dieter Geerlings hat der für den Niederrhein und die Kreisdekanate Kleve und Wesel zuständige Weihbischof Rolf Lohmann seit November 2017 das Kreisdekanat Recklinghausen als zusätzlichen Aufgabenbereich übernommen.
Neuer Weihbischof besucht den Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen

Freuen sich über die gute Zusammenarbeit: (v.l.) Weihbischof Rolf Lohmann, Superintendentin Katrin Göckenjan und Kreisdechant Propst Jürgen Quante. Foto: uka

RECKLINGHAUSEN - Jetzt kam er zu einem Antrittsbesuch in den Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen. Gemeinsam mit Kreisdechant Propst Jürgen Quante traf sich Weihbischof Lohmann mit Superintendentin Katrin Göckenjan. Dabei informierte er sich über den Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen und den Stand der ökumenischen Zusammenarbeit.

Superintendentin Katrin Göckenjan freute sich über den Besuch und dankte für das gute ökumenische Miteinander, verbunden mit der Hoffnung auf viele gute Begegnungen und eine intensive geschwisterliche Zusammenarbeit. uka

Telefonseelsorge: Um Nähe in sicherer Distanz erleben zu können, braucht es den bewussten Umgang mit Scham

Jedes Seelsorgegespräch - ob am Telefon oder im Internetchat - beginnt mit der Überschreitung der eigenen Schamgrenze. Es kostet auf beiden Seiten Überwindung. Beide Seiten machen sich mit ihrer Öffnung füreinander verletzlich. Für ein gelingendes Seelsorgegespräch ist deshalb ein bewusster Umgang mit dem Thema notwendig.
Telefonseelsorge: Um Nähe in sicherer Distanz erleben zu können, braucht es den bewussten Umgang mit Scham

Das Telefonseelsorgeteam (v. l.) Ursula Funken, Petra Stoltenberg, Heiner Fehlker und Gunhild Vestner

RECKLINGHAUSEN – Jedes Seelsorgegespräch, ob am Telefon oder im Internetchat, beginnt mit der Überschreitung der eigenen Schamgrenze. Es kostet auf beiden Seiten Überwindung. Beide Seiten machen sich mit ihrer Öffnung füreinander verletzlich. Für ein gelingendes Gespräch sei es von daher „notwendig, mit dem Thema Scham bewusst und konstruktiv umzugehen“, sagte Pfarrerin Gunhild Vestner, Leiterin der Telefonseelsorge Recklinghausen. Die Scham sei eine „Wächterin der Menschenwürde“ (Leon Wurmser) und beinhalte wichtige Entwicklungsimpulse.

Auf einer Fachtagung mit Sozialwissenschaftler und Sachbuchautor Dr. Stephan Marks konnten sich 73 ehrenamtliche Telefonseelsorger*innen, unter ihnen Heiner Fehlker, Petra Stoltenberg und Ursula Funken, näher mit diesem wichtigen Thema beschäftigen. Viele problematische Verhaltensweisen, die ihnen in der Praxis begegneten, konnten hier lösungsorientiert reflektiert werden.

„Weil die Scham so schmerzhaft ist, hat der Betroffene den Impuls zur Verdrängung“, erläuterte Stoltenberg die Flucht in typische Reaktionsmuster wie Projektion, Arroganz, Zynismus, falscher Ehrgeiz und Sucht. Diese als „Schamabwehr“ zu begreifen, eröffne neue Möglichkeiten, auf die Gesprächspartner einzugehen und „tiefer zu sehen“, so Stoltenberg.

Viele Anrufende oder Ratsuchende fühlten sich nicht gesehen und wertgeschätzt. Andere hätten die Erfahrung gemacht, dass ihre Grenzen verletzt oder dass sie ausgegrenzt wurden oder man sie zwang, gegen ihr eigenes Gewissen zu handeln. „Wie beim Fahrradfahren“, so Funken oder „wie bei einem Mobile“, so Fehlker, sei es wichtig, zu lernen, das Gleichgewicht zu halten zwischen der Vermeidung überflüssiger Scham und der Ermutigung zu einem bewussten Umgang damit.

Es gebe einen „unendlichen Bedarf“ an geschützter Kommunikation, sagte Stoltenberg, insbesondere beim Chatangebot: die Kontrollmöglichkeit und Anonymität der Anrufenden sei hier viel höher als beim Telefonat, da der Chat mit einem Klick beendet werden könne. „Schreiben geht, sprechen nicht“, brachte Funken das Bedürfnis nach einem geschützten Gesprächsraum, aber zugleich auch nach Schutz vor zu viel Nähe auf den Punkt. „Es wäre wunderbar“, so Vestner, hätte die Telefonseelsorge in diesem rasant wachsenden Feld der Beratung noch mehr digital erfahrene junge Leute, die sich zu einer ehrenamtlichen Ausbildung vor allem im Chatangebot entschließen würden.

Insgesamt gehe es darum, dass die Anrufenden im Gespräch mit dem beziehungsweise der Telefonseelsorger*in eine Form von Kontakt und Beziehung erleben könnten, in der sie gesehen und respektiert und ihre Grenzen geachtet werden, sagte Vestner. „Auf diese Weise kann das Gespräch mit der Telefonseelsorge als ein Ort der Würde erlebt werden“, fasste sie das Ziel der Bemühungen zusammen.

Am 5. November beginnt der neue Ausbildungskurs. Nähere Auskunft dazu geben Gunhild Vestner und ihr Leitungsteam unter der Telefonnummer 02361-27898. Auf der Homepage der Telefonseelsorge www.telefonseelsorge-re.de lassen sich dazu und darüber hinaus viele interessante Detailinformationen finden. GH

Kreissynode stärkt die Zusammenarbeit in der Region

Rund 100 Delegierte aus allen Bereichen der evangelischen Kirche und der Diakonie und etwa 20 Personen mit beratender Stimme waren am vergangenen Samstag zusammengekommen, um am Standort der Recklinghäuser Werkstätten angesichts sich rasant verändernder gesellschaftlicher Verhältnisse wichtige Weichenstellungen für die Zukunft ihrer Arbeit zu beraten und abzustimmen und gemeinsam neue Wege zu beschreiten.
Kreissynode stärkt die Zusammenarbeit in der Region

Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen tagte in den Recklinghäuser Werkstätten der Diakonie.

RECKLINGHAUSEN - Das zeigte sich bereits beim Gottesdienst vor den Beratungen in der Philipp-Nicolai-Kirche: Das LitDom-Team mit Pfarrer Christian Siebold, Maike Siebold und Propst Jürgen Quante führte zusammen mit Kirchenmusik-Direktorin und Kreiskantorin Elke Cernysev sowie der Ökumenischen Chorgemeinschaft Oer-Erkenschwick unter Leitung von Michael Schulze durch eine besondere Mischung von Literaturgottesdienst mit Kirchenmusik.

 

Propst Jürgen Quante, Georg Möllers, 1. Beigeordneter der Stadt Recklinghausen in Vertretung von Bürgermeister Christoph Tesche und Ortsdezernentin Pfarrerin Daniela Fricke (Landeskirchenamt Bielefeld) gaben in ihren Grußworten ihre Wertschätzung für die in den letzten Jahren deutlich intensivierte Zusammenarbeit zu erkennen. Die Kirchen seien für die Gesellschaft „unverzichtbar“, so Möllers insbesondere mit Blick auf die vielen Aktivitäten der Kirchen im zurückliegenden Jahr des Reformationsjubiläums und für die christlich-jüdisch inspirierte „Woche der Brüderlichkeit“ und ihr laufendes Jahresprogramm.

 

Ihrem Bericht an die Synodalen über die Aktivitäten der Kirchengemeinden und einiger gemeinsamer Dienste stellte Superintendentin Katrin Göckenjan leitbildartig einige spannende Erkenntnisse aus einer einwöchigen Reise zur reformierten Waldenserkirche nach Torre Pellice im italienischen Piemont mit einer Gruppe Pfarrkolleginnen und -kollegen voran: „Im Nach-denken leuchten wie durch ein Brennglas Merkmale einer Kirche auf, die wenig um sich selbst besorgt ist. Das kann sie sich gar nicht leisten. Im Gegenteil, ein großes Gottvertrauen haben wir wahrgenommen … Es muss ja gar nicht schlimm sein, eine kleine(re) Kirche zu sein. Wenn man gut gegründet, klar und konzentriert gemeinsam seine Arbeit macht, kann man richtig was bewirken.“

 

Angesichts des allgemein schwindenden Interesses an kirchlichen Gottesdienstangeboten und des im Verhältnis dazu immer noch hohen personellen und finanziellen Aufwandes, ermutigte die Superintendentin die Delegierten zum nachbarschaftlichen Austausch über die Frage, wie ein differenzierteres Angebot mit (noch) weniger hauptamtlichem Personal in Zukunft vorgehalten werden könne.

 

Dass gegenwärtig bereits mehr Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand sind als im aktiven Berufsleben, führe zu der Überlegung, welche Angebote und Strukturen nötig seien, um pensionierte Theologinnen und Theologen mit ihren Gaben und Fähigkeiten in die Gemeindearbeit einbinden zu können, so Göckenjan. Die aktiven Pfarrteams stünden angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen vor der Herausforderung, sich als Seelsorgerinnen und Seelsorger mit anderen Berufsgruppen zusammen zu multiprofessionellen Teams weiter zu entwickeln.

 

Mit der von der Kreissynode im November letzten Jahres beschlossenen neuen Stelle für Jugendarbeit, die voraussichtlich ab Dezember dieses Jahres ihre Arbeit aufnimmt, werde in Zukunft nicht nur ein deutliches Signal für die Bedeutung der Nachwuchsarbeit in der Region gesetzt, sondern auch ein neues Gesamtkonzept erarbeitet werden im Spannungsfeld zwischen dem, was Jugendliche brauchen und den Erwartungen der Kirchengemeinden, so Göckenjan. 

 

Göckenjan lud die Delegierten dazu ein, im Anschluss an ihren Bericht an Stehtischen im Eingangsbereich gemeinsam darüber laut nachzudenken, wie sie ihre Arbeitsstrukturen in den wichtigsten Bereichen Gottesdienste, Seelsorge, Jugendarbeit, Pfarrdienst und Ehrenamt mit weniger hauptamtlichem Personal in Zukunft anders aufstellen und profilieren könnten. Die Ergebnisse der je zehnminütigen Diskussionsrunden wurden später blitzlichtartig von den Moderatorinnen und Moderatoren vorgestellt, eine Zusammenstellung der Beiträge soll folgen.

 

Nach dem gemeinsamen Mittagessen setzten die Delegierten ein gesellschaftspolitisches Zeichen mit dem einstimmigen Beschluss für die Errichtung und Finanzierung einer Regionalpfarrstelle „Gesellschaftliche Verantwortung“ zusammen mit dem Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten, für den dessen Delegierte einen Tag zuvor bereits eine Steilvorlage gegeben hatten. In der Begründung hieß es: „Weil vielen inzwischen die Kirche gleichgültig geworden ist, kommt es zukünftig immer mehr darauf an, in gesellschaftlich umstrittenen Fragen erkennbar aussagekräftige, evangelische Positionen zu artikulieren“.

 

Der bisherige Recklinghäuser Industrie- und Sozialpfarrer und Soziologe Dr. Hans Hubbertz wird das neue Pfarramt mit Dienstsitz im Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten leiten. Durch ihn sollen die Kirchengemeinden und Kirchenkreise in der Region von Emscher und Lippe dabei unterstützt werden, „das Evangelium als gestaltende Kraft in wirtschaftliche und sozialpolitische Prozesse und in die Lebenswirklichkeit der Beschäftigten“ einzubringen, wie es in der Vorlage heißt. Darüber hinaus sind selbstverständlich Politik, Gewerkschaften, Unternehmen, Betriebsräte und Arbeitgeberverbände sowie Berufsschulen und Lehrkräfte weitere wichtige Ansprech- und Kooperationspartner.

 

Insgesamt steht die neue Pfarrstelle für eine verstärkte und koordinierte Zusammenarbeit in der Region und dafür, die kritische Stimme der Kirche in den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Konfliktfeldern unserer Zeit hörbarer zu machen und zu stärken. Zusammen mit dem länger schon aktiven „Ausschuss für gesellschaftliche Verantwortung“ konnte Hubbertz bereits einige gesellschaftlich relevante, kritische Themen benennen: beispielsweise die Bekämpfung von Armut, die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen, der Facharbeitermangel, bezahlbarer Wohnraum oder die Rolle der Kirche als Arbeitgeber. Aktuell fertigte Hubbertz die Vorlage für ein kirchliches Grundsatzpapier gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Adventszeit aus Anlass der Öffnung des 3. Adventssonntages in Recklinghausen.

 

Deren Gesamtziel entsprechend wird auch die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in der Region von Emscher und Lippe, die im Zeitalter der Digitalisierung das Evangelium auf den unterschiedlichsten Kanälen unter die Menschen bringen soll, zwischen Bottrop und Waltrop neu aufgestellt werden. Wie die in Gladbeck tagenden Delegierten einen Abend zuvor, befürworteten auch die Recklinghäuser Kreissynodalen ein entsprechendes Konzeptionspapier einer Kirchenkreis übergreifenden Arbeitsgruppe. Die Beschlüsse für die Einrichtung beider Arbeitsbereiche seien „ein wichtiger Schritt zu intensiverer Kooperation im Gestaltungsraum“, sagte Superintendent Dietmar Chudaska (Gladbeck-Bottrop-Dorsten).

 

Dr. Ulrike Preuß erläuterte anschließend die Sicht des Finanzausschusses, dass die unmittelbar an der Entwicklung von Lohn- und Einkommenssteuer hängenden Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2017 um fast 7 Prozent gestiegen seien und damit ein Plus von insgesamt etwa eineinhalb Millionen Euro verteilt werden könne. Die Einführung des Neuen Kirchlichen Finanzmanagements (NKF) und die damit verbundenen Umstellungen gestalte sich in allen betroffenen Kirchenkreisen allerdings „schwieriger als gedacht“, auch weil „jeder Kirchenkreis anders ist“. Externe Beratung und Begleitung seien nötig. Projektleiter Torsten Block erklärte, dass „es vier bis fünf Jahre dauern wird, bis die Veränderungen greifen und eine Struktur geschaffen ist – es braucht die Zeit, bis die Routine drin ist.“

 

Mit der Berufung von Jens Flachmeier stellten die Delegierten dem Synodalbeauftragten für Flüchtlingsarbeit, Pfarrer Christian Hüging, einen kompetenten und erprobten Mitstreiter zur Seite, um das unbeirrbare Engagement für eine solidarische Gemeinschaft in den Kirchengemeinden und in der Region weiter zu stärken. Vor dem Hintergrund der erhöhten Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland hatte die westfälische Landeskirche seit dem Jahr 2016 ihren 27 Kirchenkreisen pro Jahr jeweils eine Million Euro zum Aufbau der Flüchtlingsarbeit in den Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt. Die Kreissynode appellierte in ihrem Antrag an die Landessynode, die Flüchtlingsarbeit weiter in voller Höhe zu unterstützen, denn, so Hüging, die Arbeit habe sich „von der Willkommenskultur zur Integration und Bildung verlagert.“

 

Einstimmig verabschiedeten die rund hundert Delegierten die von Ulrich Kamien erarbeitete und vorgelegte neue Satzung des Kirchenkreises, mit der die Rahmenbedingungen für die Arbeit insgesamt den aktuellen Erfordernissen angepasst werden. GH (Fotos: uka)

Ablehnung der Freigabe eines weiteren Verkaufssonntages im Advent

RECKLINGHAUSEN In der Sitzung des Stadtrats der Stadt Recklinghausen am Montag, dem 25.06.2018, wird über die mögliche Freigabe eines weiteren Verkaufssonntages am dritten Advent im Dezember zum Weihnachtsmarkt in der Altstadt der Stadt Recklinghausen diskutiert. Die CDU-FDP-Koalition im NRW-Landtag hat in ihrem sog. "Entfesselungspakt" die gesetzliche Grundlage für weitere Sonntagsladenöffnungen gelegt. Der Evangelische Kirchenkreis Recklinghausen wurde in dieser Sache um eine Stellungnahme gebeten.

Der Kirchenkreis lehnt in seiner ausführlichen Stellungnahme die beantragte Sonntagsöffnung am dritten Adventssonntag in der Innenstadt von Recklinghausen ab. Die Ablehnung wird mit theologischen, sozialen und ökonomischen Argumenten begründet. Ein verkaufsoffener Sonntag im Advent stellt aus Sicht des Kirchenkreises einen Angriff auf die von vielen Menschen gesuchte Sonntagsruhe im Advent dar, die mit der Feier der Geburt Jesu Christi verbunden ist. Die Sonntagsruhe ist nach theologischem Selbstverständnis der evangelischen Kirche Ausdruck des vor Gott gerechtfertigten Menschen, der weder durch Arbeit noch Konsum gezwungen ist, seinen Wert zu legitimieren.

Die beabsichtigte Ladenöffnung stellt aus der Sicht des Kirchenkreises einen Bruch der Sonntagsruhe dar, der weder als ein öffentliches Interesses noch als gewichtiger Gemeinwohlbelang eingeordnet werden kann. Eine Landenöffnung an einem Adventssonntag wird weder das Kaufkraftvolumen in der Stadt anheben, noch Online-Kunden anlocken und in erster Linie auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Für viele Landenbesitzer wird er sich vermutlich insgesamt daher kaum rentieren.

Wir geben die Stellungnahme, die von Dr. Hans Hubbertz (Industrie- und Sozialpfarramt) erarbeitet wurde, hier als pdf-Datei zum Download wieder.

Bild/Text: hh

 

„Time to celebrate“ - Gospelkonzert mit Joakim Arenius in der Christuskirche

RECKLINGHAUSEN – Ein Gospelkonzert der besonderen Art findet am Sonntag, den 1. Juli um 18 Uhr in der Christuskirche an der Limperstraße in Recklinghausen statt. Die „Arche Gospel Singers“ aus Recklinghausen-Ost unter Leitung von Reinhard Buskies und der Chor „Gospel’n Joy“ aus Marl unter Leitung von Niclas Floer haben sich für ihr gemeinsames Projekt Verstärkung geholt. Der bekannte schwedische Gospelmusiker, Komponist und Arrangeur Joakim Arenius aus Schweden, langjähriger Leiter der „Joybells“, einer der ältesten Gospelformationen Europas, ist mit von der Partie und lädt mit seiner mitreißenden Art zum Mitsingen und Mitklatschen ein.
 „Time to celebrate“ -  Gospelkonzert mit Joakim Arenius in der Christuskirche

Der bekannte schwedische Gospelmusiker Joakim Arenius wird am 1. Juli in der Christuskirche zu Gast sein.

Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein stimmgewaltiger Projektchor mit rund 100 Sängerinnen und Sängern, eine Projektband, u.a. mit René Lankeit, Bernd Westhoff und Max Borkenstein und Jenny Braunschweig als Solistin.
 
Der Eintritt beträgt 12 Euro. Kinder bis 13 Jahren haben freien Eintritt.
Text/Bild: uka

„Ganz schön stark“ - Familienkonzert - Daniel Kallauch gastiert in Haltern am See

HALTERN AM SEE – Unter der Überschrift „Ganz schön stark“ lädt die Evangelische Kirchengemeinde Haltern am Sonntag, den 1. Juli, um 16 Uhr zu einem Familienkonzert mit Daniel Kallauch in die Erlöserkirche am Hennewiger Weg ein. Jede Menge Spaß und Unterhaltung für Kinder und Erwachsene erwartet die Besucherinnen und Besucher bei der Mitmach-Musik-Familienshow mit Daniel Kallauch und seinem Spaßvogel Willibald. In dem ca. 90-minütigen Programm will Kallauch ermutigen, nach Niederlagen und Rückschlägen wieder aufzustehen.
„Ganz schön stark“ -  Familienkonzert - Daniel Kallauch gastiert in Haltern am See

Daniel Kallauch (Bild: https://danielkallauch.de/wp-content/uploads/2016/09/Daniel.png)

Zielgruppe sind in besonderer Weise Vorschul- und Grundschulkinder mit ihren Familien. Karten zum Preis von 5 Euro im Vorverkauf (Tageskasse 7 Euro) sind im Gemeindebüro der Kirchengemeinde erhältlich. Erwachsene zahlen Kinderpreise.
uka
 
 

Digitalisierung der Emscher-Lippe-Region - Kirchenkreis erhält Landesfördermittel für Kooperationsprojekt im Rahmen von „Umbau 21 - Smart Region“

KIRCHENKREIS Am 4. Juni 2018 überreichte die Regierungspräsidentin des Regierungsbezirkes Münster, Dorothee Feller, der Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen und dem Geschäftsführer des Projektpartners der IST planbar GmbH aus Recklinghausen, Herrn Lars Wohlfahrt, den Bescheid zur Förderung eines Digitalisierungsprojekts in der Emscher-Lippe-Region.
Digitalisierung der Emscher-Lippe-Region  - Kirchenkreis erhält Landesfördermittel für Kooperationsprojekt im Rahmen von „Umbau 21 - Smart Region“

Peter Schnepper, Lars Wohlfahrt, Dr. Hans Hubbertz, Dorothee Feller, Katrin Göckenjan, Gabriele Bremicker, Cay Süberkrüb, Simone Hemken (v.l.)

Ähnlich wie in Smart Cities wie Amsterdam, Barcelona, Chicago, Manchester, Singapur und Turin soll in der Emscher-Lippe-Region ein offenes, bürgernahes Sensor- und Aktornetzwerk aufgebaut, getestet und ausgewertet werden. Mit dem frei verfügbaren Funknetzwerk, das auch Kirchtürme nutzen möchte, können wichtige Umweltdaten zur Daseinsvorsorge erhoben werden. Solche Daten, z.B. zu Wetterverhältnissen oder Verkehrsaufkommen, sollen öffentlich auf einem Webserver verfügbar gemacht werden. Das Projekt zielt vor allem darauf, engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Gemeinden, Kommunen und Bildungseinrichtungen einen Einstieg in ein spannendes OpenData-Projekt und jede Menge Möglichkeiten zum Mitwirken und Lernen bietet.

Bei der Übergabe des Förderbescheides im Kreishaus des Kreises Recklinghausen waren Peter Schnepper von der IHK Nord Westfalen und Landrat Cay Süberkrüb zugegen, die dem Beirat der Iniitiative Umbau 21 angehören, der weitere regionale Förderprojekte ausgewählt hat.

Im Rahmen des Kooperationsprojekts „Emscher-Lippe-Thingsnet – Internet of Things (IoT) für die Emscher-Lippe-Region“ erhalten der Evangelische Kirchenkreis Recklinghausen 123.498 Euro und die IST planbar GmbH 197.803 Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 401.626 Euro. 80 Prozent werden vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen. Das Projekt endet am 30.11.2020.

Rückfragen zum Projekt können gerichtet werden an:

Dr. Hans Hubbertz, Ev. Kirchenkreis Recklinghausen/Industrie- und Sozialpfarramt, Limperstr. 15, 45657 Recklinghausen, Tel. 02361/206-109, hans.hubbertz@kk-ekvw.de oder an

Lars Wohlfahrt, Gabriele Bremicker und Simone Hemken, IST planbar GmbH, Am Steintor 3, 45657 Recklinghausen, Tel.  02361/3021-490

 

AK_Wirtschaft Innovation Digitalisierung und Energie

Text: hh/Bild: uka

Auf den Spuren der Waldenserkirche im Angrogna

Eine Gruppe von Pfarrern*innen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Recklinghausen besucht derzeit die Waldenserkirche in der Region Angrogna (Piermont, Norditalien), die sich 1532 für ihren Anschluss an die Reformation entschied. In loser Folge veröffentlichen wir an dieser Stelle Berichte von Gruppenteilnehmer*innen über die Wegetappen.
Auf den Spuren der Waldenserkirche im Angrogna

Der 'Chorraum' im Synoden-Saal


ANGROGNA / RECKLINGHAUSEN - In der Geschichte der Waldenserkirche spielte die Region Angrogna nahe der Metropole Turin als Rückzugsort in Zeiten der Verfolgungen eine wichtige Rolle. Ihre Feinde bezeichneten sie als "angrongnini" (dt.: "die aus Angrogna"). Im Jahre 1532 schlossen sich die Waldenser auf der Synode von Chanforan der Reformation an.

Die Fotos zeigen das Wohnhaus der Gruppe und die Kirche nebenan.

Pfarrerin Barbi Kohlhage schreibt:

"Im Zentrum dieses Tages steht die Geschichte der waldensischen Kirche. In der Casa di Valdese, im ethnologischen Museum und der Kirche in Torre Pellice haben wir einen Eindruck davon gewinnen können, mit welchen Widrigkeiten die kleine waldensische Kirche, die in Italien der Federation protestantischer Kirchen angeschlossen ist, von Beginn ihres Entstehens (ca. 1170) über die Jahrhunderte auch als Teil der Reformation bis in die Phase der Freiheit (ab 1848) zu kämpfen hatte.

Zugleich ist es eine eindrückliche Geschichte, in der die Waldenser durch Bedrohung und Vertreibung, Untersagungen und rechtliche Beschränkung immer wieder Wege gefunden haben, ihrem Glauben in aller Bescheidenheit Gehör und Raum zu verschaffen. Das wiederkehrende Motiv, eine Kerze, deren Licht in der Nacht scheint, und ihr biblisches Leitwort aus der Johannesoffenbarung hat sich bis heute bewährt: "Lux lucet in tenebris" (Das Licht leuchtet in der Dunkelheit).

Nachmittags sind wir ins Angrognatal gefahren, um dort an abgelegenem Ort die geheimen oder im Mittelalter verborgenen Formen der Verbreitung und des gemeindlichen Lebens kennenzulernen (Foto: Gruppenbild vor der Barbenschulde in den Bergen, nach langem Aufstieg).

Während im Mittelalter versteckte Höhlen im Gestein der Versammlung dienten und den Barben, den wanderpredigenden "Onkeln", inmitten der Berge Hütten zur Zusammenkunft bereitet wurden, entschieden 1532 ca. 2000 bis 3000 Waldenser nach einer Woche der Diskussion, sich der Reformation anzuschließen.

Wir besuchten überzeugend schlichte waldensische Kapellen trafen an den Hängen auf beschwerliche Agrarwirtschaft, besuchten eine "Ziegenuniversität", d.h. eine von 160 kleinen Schulen, die der Bildung der Kinder dienten und nach 1848 von einem früheren englischen Offizier unterstützt wurden.

Den Nachmittag rundete überraschend ein feines Museum ab, das über die Geschichte der Frauen vor allem in der waldensischen Kirche, aber auch darüber hinaus Auskunft gab." (BK) 

Zwischen Problemen, Herausforderungen und Anerkennung

Pfarrerin Maria Bonafede von der Waldensekirche, ihre Vikarin und Pfarrer Bludau von der Lutherischen Kirche in Turin sprachen u.a. zu folgenden 3 Themen:

1. Probleme der Waldensekirche, junge Menschen über die Konfirmation (mit ca. 18 Jahre) hinaus,in der Gemeinde zu halten

2. Das Engagement der Waldenserkirche für Flüchtlinge

3. Der Besuch des Papstes  am 22.Juli 2015

Ergänzt wurden die Informationen durch die Erfahrungen und Hinweise von Pfarrer Bludau von der Lutherischen Kirche in Turin, der die Übersetzung ins Deutsche übernahm.

Zu 1.: Frau Bonafede begrüßte die  Pfarrkonferenz aus Recklinghausen herzlichst und stellte kurz die Gemeinde in Turin vor. Erschwert ist die Gemeindearbeit nach wie vor dadurch, dass die katholische Kirche Staatskirche ist. Sie hat somit z.B. das Recht den katholischen Religionsunterricht an jeder Schule durchzuführen. Die Pfarrerin, die als erste Frau, das Amt Moderatorinder der Waldenser von sie2005-20012 inne hatte, hob das Problem hervor, jüngere Gemeindeglieder in der Gemeinde halten zu können. Viele verlieren als junge Erwachsene den Kontakt zu Ihrer Gemeinde. Auch weil viele den Wohnort wechselten und sich durch Arbeitsplatz- oder Studienplatzwechsel von den ursprünglichen Gemeindebeziehungen entfernten. Mit verschiedenen Angeboten wie z.B. Gesprächsgruppen in Großstädten, Bibelkreisen oder Kulturangeboten hofft die Waldenserkirche, dieser Entwicklung entgegenwirken zu können. Pfarrerin Bonafede ergänzte, dass dieses Problem sicherlich ähnlich im Kirchenkreis Recklinghausen bekannt ist.

Zu 2.: Das Thema "Arbeit mit Flüchtlingen" nahm einen breiten Raum des Gesprächs ein. Die Waldenserkirche hat 2015 erreicht, dass ein humanitärer Korridor für 1000 Flüchtlinge (für einen Zeitraum von 2 Jahren) aus dem Libanon eingerichtet wurde. Zusammen mit der katholischen Gemeinschaft St. Egidio und anderen Hilfsorganisationen begleitet und betreut die Waldenserkirche ca. 1 Jahr die Flüchtlinge in Italien. Eine Gruppe von Ärzten und Helfern  reiste in den Libanon, um zunächst Kranken und Härtefällen die Ausreise zu ermöglichen. Die Versorgung der Flüchtlinge ist eine große Herausforderung. Viele sehen in Deutschland ihr "paradiesisches" Ziel. Die Kirchen können eine Starthilfe leisten und versuchen in Verhandlungen mit der neuen (jetzt wesentlich rechtsextremeren) Regierung einen weiteren Korridor einzurichten.

Die Lutherische Kirche Italiens bemüht sich, den  von der Dublin-Gesetzgebung betroffenen Flüchtlingen beizustehen. Viele von ihnen werden aus dem Ausland nach Italien zurückgeschickt, weil sie hier europäischen Boden betreten haben.

In weiteren Berichten wurden Veränderungen des  Gemeindelebens durch  das Hinzukommen von Flüchtlingen verdeutlicht. Unter dem Motto  "Zusammen Gemeinde sein", haben sich viele Waldensergemeinden stark verändert. Ein Prozess, der sich viele weitere Jahre fortsetzen wird.

Zu: 3.: Der Besuch des Papstes (als Kirchen und Staatsoberhaupt) in der Waldenserkirche in Turin bedurfte einer mehrmonatigen Vorbereitung. Die Initiative des Besuchs, zu dem auch die weiteren protestantischen Kirchen Italiens eingeladen wurden., ging von Papst Franziskus aus. Zusätzlich war eine Veranstaltung zu Don Bosco in Turin geplant.  Bei seinem erstmaligen Besuch einer Waldenserkirche entschuldigte sich Franziskus im Namen der katholischen Kirche für die Verfolgung der Waldenser, die "unchristlich und unmenschlich" gewesen sei.

Der Besuch hatte besondere Bedeutung für die Bekanntheit der Waldenserkirche und aller protestantischen Kirchen in Italien. Viele Italiener wurden so zum ersten Mal auf diese Kirche aufmerksam. Für die Ökumenischen Beziehungen haben sich seit dem Besuch weitere Türen geöffnet.

Den Ausführungen von Pfarrerin Bonafede und Pfarrer Bludau schlossen sich der Dank der Superintendentin und einige persönliche Gespräche an. Ein Vormittag, der den Besucherinnen und Besuchern einen vielfältig Einblick in das  Leben und die Arbeit einer Kirche in der Minderheit vermittelte.

Die Recklinghäuser Pfarrkonferenz lauscht den Erläuterungen von Victoria Munsey Vizepräsidentin CSD unter freiem Himmel

 

 Ilaria Peiretti führt die Gruppe durch das Ostello Villa Olando und die Siebdruck-Werkstatt in Torre Pellice

Ilaria Peiretti führt die Gruppe durch das Ostello Villa Olando und die Siebdruck-Werkstatt in Torre Pellice
 
 
Der junge Ghanese näht Kleidungsstück 
Der junge Ghanaer arbeitet als Schneider in der Nähwerkstatt
 

Pfr.  Helmut Novoczin schreibt:

In Torre Pellice mit Victoria Munsey, Vizepräsidentin der Synodalkommission für Diakonie

OTTO PER MILLE ist keineswegs ein Angehöriger des italienischen Landadels. Es ist ein Zauberwort. Otto per mille ist die Sozialsteuer, die von allen Steuerzahlerinnen erhoben wird. Sie umfasst 8 pro Mille der an den Staat abgeführten Steuer. JedeR SteuerpflichtigEr hat in jedem Jahr die Möglichkeit auf einer Liste anzukreuzen, wem die gezahlte Summe zugewiesen werden soll. Es spricht für die vereinte Kirche von Waldensern und Methodisten, dass der Betrag von 600.000 SteuerzahlerInnen für sie vorgesehen wird, obwohl die Kirche nur 30.000 Mitglieder hat. Das mag daran liegen, das die gesamte Summe in diakonische Arbeit investiert wird, während der laufende Betrieb der Kirche durch Abgaben der Mitglieder bestritten wird. Besucht haben wir ein Altenheim für Seniorinnen und Senioren, die keine oder nur leichte Behinderungen haben, sowie die "Villa Olanda". Dort werden in einer Etage Projekte für Kinder und Jugendliche durchgeführt, die aus schwierigen Familienverhältnissen kommen. Projekte gibt es auch für afrikanische MigrantInnen, dort betätigen sich junge Männer als Schneider, unter dem Dach befinden sich fünf Zimmer plus Gemeinschaftsraum und Küche, die als Jugendherberge genutzt werden. 

Einer unserer Teilnehmer beschrieb die Diakonie mit den Begriffen: "Wahrnehmung aufkommender Nöte" und "kreative Diakonie" als Antwort darauf. Meine Wahrnehmung beider Häuser: sie wirken freundlich, sind an den Bedürfnissen der BewohnerInnen orientiert und liebevoll eingerichtet, was sie unverwechselbar macht. Auch die MitarbeiterInnen haben eine außerordentlich positive Ausstrahlung. Zum Schluss: Fronleichnam ist im katholischen Italien kein Feiertag und scheint zumindest den Waldensern ziemlich fremd zun sein.  

Der Moderator der Kichenleitung der waldensischen Kirche, Eugenio Bernardino informiert die deutschen Gäste über die Internationalität vieler Waldenser - Gemeinden und mögliche Themen der nächsten Synode.

Zum Gespräch mit dem Moderator (Vorsitzenden der Synode) Eugenio Bernardini der waldensischen Kirche schreibt Pfr. i.R. Ulrich Gallwitz:

Nach Italien kommen viele Flüchtlinge aus Afrika und anderen Teilen der Welt. Unter den Flüchtlingen besonders aus Westafrika sind viele Christen (Methodisten). Sie kamen zur Kirche, um dort zu beten. So gab es in einigen Kirchen verschiedene Gottesdienste zu unterschiedlichen Zeiten: morgens trafen sich die Waldenser, nachmittags die Christen aus Ghana und abends die von den Philippinen. Viele Flüchtlinge, die schon länger im Land leben, sprechen italienisch. So wurden gemeinsame Gottesdienste eingeführt mit liturgischen Elementen der verschiedenen Kulturen. Dieser Prozess führte zu erheblichen Diskussionen in den Gemeinden. Viele fanden die Veränderungen als zu stark und auch die dauernden Diskussionen ermüdend. Gemeinden sagten: Gebt unserer italienischen Tradition mehr Raum. Die Flüchtlinge hatten Schwierigkeiten mit den vielen Pastorinnen in der Waldenserkirche, da in ihrer Tradition Frauen nicht lehren oder predigen. Das mussten sie lernen. Mittlerweile gibt es Gemeinden, in denen die „Italiener“ in der Minderheit sind. In Neapel haben 120 Mitglieder die Gemeinde verlassen, weil die Schwierigkeiten für sie zu groß waren. Die kath. Kirche und die Baptisten gehen einen anderen Weg. Dort gibt es getrennte Gemeinden, italienische und ausländische.

Bernardini: „Die Gesellschaft ändert sich, warum soll sich die Kirche nicht ändern? Die Gesellschaft ist multikulturell geworden, dies hat natürlich aus Auswirkungen auf die Kirche. Die Waldenserkirche hat drei Pastoren aus Afrika (zwei aus Ghana, einer aus dem Senegal) und einen Pastor aus den Philippinen, der in Italien studiert hat. "Wir befinden uns auf einem langsamen Weg, der 2-3 Generationen dauern kann", hieß es.

In Verhandlungen mit der italienischen Regierung hat die Kirche die Möglichkeit geschaffen, dass 1000 Flüchtlinge auf legalem Weg nach Italien einreisen dürfen (Schaffung eines humanitären Korridors). Die Waldenserkirche kümmert sich um die Flüchtlinge und hilft ihnen, sich in Italien zu integrieren. Er hofft, dass dieses Programm auch unter der neuen Regierung fortgesetzt werden kann. (ug)

 

Superintendentin Katrin Göckenjan bedankt sich beim Moderator für die Offenheit mit dem "Geheimnis des Kreuzes", links im Bild Amalia Geymet Übersetzerin und ehemalige Deutschlehrerin am Waldenser Gymnasium

 

Am Nachmittag ging es schweißtreibend in die Berge. Routenplanung ist das A und O einer gelungenen Wanderung.

 Die Mühe wurde belohnt mit wunderschönen Ausblicken ins Pellice-Tal

Turin ist eine Reise wert

Maria Bonafeda, (Pfr.in der Waldenser - Gemeinde in Turin), Sophie Langeneck (Vikarin) ,  Heiner Bludau, Pfr der Ev. Luth. Kirche in Italien (v. r. n. l)

Maria Bonafeda, (Pfr.in der Waldenser - Gemeinde in Turin), Sophie Langeneck (Vikarin) ,  Heiner Bludau, (Pfr der Ev. Luth. Kirche in Italien), v. r. n. l. 

 

 

 

 

 

 

Zeichen für ein gutes Miteinander - erstes Pfingstfest – Friedensfest in der Innenstadt von Recklinghausen

KIRCHENKREIS Mit einem sehr gut besuchten Fest auf dem Kirchplatz vor St. Peter in der Innenstadt Recklinghausen am Pfingstsonntag sorgten die Stadt Recklinghausen, Parteien, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, christlichen Kirchen, Schulen, Initiativen und das Kinder- und Jugendparlament der Stadt Recklinghausen für ein lebendig, friedvolles Miteinander.
Zeichen für ein gutes Miteinander - erstes Pfingstfest – Friedensfest in der Innenstadt von Recklinghausen

Aktion "Friedensnetz"

Auf der Bühne wurden dem Publikum Lesungen, Ansprachen, zahlreichen Musikbeiträgen und Aktionen zum Mitmachen geboten. Anlass der Veranstaltung, die auf dem Kirchplatz für eine starke Resonanz an Besucherinnen und Besuchern bis zum Schluss sorgte, war die Erwartung eines rechtspopulistischen Aufmarsches in der Innenstadt, der jedoch zahlenmäßig sehr gering ausfiel.

Zu dem “Fest für ein friedvolles Miteinander“ hatte der Recklinghäuser Bürgermeister Christoph Tesche aufgerufen, der die Anwesenden in seiner Ansprache mit dem Wort „Frieden“ übersetzt in der Sprache aller Partnerstädte der Stadt begrüßte. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften eröffneten die Veranstaltung mit einem gemeinsam entwickelten Programm. Zu Anfang war das Geläut von St. Peter, St. Paul, der Gustav-Adolf-Kirche und der Christuskirche zu hören.

Pfarrer Christian Siebold (Gemeindeverband Recklinghausen) machte in seiner Ansprache auf den Beginn problematischer gesellschaftlicher Entwicklungen aufmerksam, die sich bereits im Kleinen zeigten und zum Bösen führten. Pfarrer Dr. Hans Hubbertz (Industrie- und Sozialpfarramt) warnte vor der Stimmungsmache gegen Andersdenkende, Rassismus, Antiislamismus und Antisemitismus und lud ein, auf dem Platz ein Friedensnetz zu knüpfen. Um 16 h beendete das Kinder- und Jugendparlament das Fest mit einem Luftballon-Flashmob.

Wir dokumentieren die Kurzansprachen von Pfr. Christian Siebold und Pfr. Dr. Hans Hubbertz als pdfs.

Text: hh/Bild: Michael Wiese

Die Notfallseelsorge bietet einen neuen Kurs an

KIRCHENKREIS In über 100 Einsätzen im Jahr 2017 haben Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger Menschen im Kreis Recklinghausen und in Bottrop in Krisensituationen zur Seite gestanden. Hilfe zur Selbsthilfe, Menschen wieder handlungsfähig machen – das ist kennzeichnend für diese Arbeit. Aber auch: Abschied nehmen können von verstorbenen Kindern oder Erwachsenen, von Menschen, die von jetzt auf gleich nicht mehr Teil des engsten Umfeldes sind.
Die Notfallseelsorge bietet einen neuen Kurs an

Logo der Notfallseelsorge Westfalen

Vor sechs Jahren ist das ganze System der Notfallseelsorge im Kreis Recklinghausen und in Bottrop auf eine breitere Basis gestellt worden. Es gibt 4 Bezirke, die eng zusammenarbeiten: Marl/Haltern, Recklinghausen/Herten, Ostvest (mit Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop) und Gladbeck/Dosten/Bottrop.  

Um weiterhin ein verlässliches Begleitungsangebot machen zu können, braucht die Notfallseelsorge Verstärkung und sucht weitere ehrenamtliche Mitarbeitende. Genauer:

- Menschen, die eine sinnvolle Herausforderung suchen und sich engagieren wollen

- Menschen, die sich auf die seelische Not anderer einlassen können

- Menschen, die bereit sind, Zeit zur Verfügung zu stellen

Gesucht werden interessierte Frauen und Männer, ab ca. 30 Jahre, belastbar und mit Lebenserfahrung, die bereit sind, sich für die „Erste Hilfe für die Seele“ schulen zu lassen und in der Rufbereitschaft der Notfallseelsorge mitzuarbeiten.

Es wird eine qualifizierte Ausbildung angeboten, die alle wesentlichen Aspekte des Betätigungsfeldes der Notfallseelsorge umfasst. Der neue Kurs startet am Dienstag 18.09.2018 um 18.00 in Recklinghausen. 

An der Mitarbeit in der Notfallseelsorge Interessierte können sich melden bei:

Pfarrer Ingo Janzen Tel. 0160/8249024, Mail: Ingo.Janzen@kk-ekvw.de

Pastoralreferent Peter Bromkamp Tel.: 02363/975391, Mail: p.bromkamp@kinderklinik-datteln.de

Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen beschränkt. Bei einer höheren Anzahl von Interessierten wird eine Vermittlung zu anderen Kursen und eine Warteliste eingerichtet.

 

Ausbildungskurs NFS 2018/2019  Bereich Recklinghausen/Bottrop

Kursplan 2018/2019

Datum

Beginn

Thema

Referent/

Verantwortlich

18.09.

18.00

Einführung in den Lehrgang (1) (Ingo)

Selbstverständnis der NFS  (1)   (Peter) 
Rechtliche Rahmenbedingungen (11)  (Bernd Kersken)

Alle

25.09.

18.00

Einführung in die Stresstheorie und Psychotraumatologie (2)

Bernd Kersken

09.10.

18.00

Struktur einer Intervention (8) 
Häufige Einsatzindikationen: „Häuslicher Todesfall“ (8)

Uwe Heubach 
Ralf Radix

30.10.

18.00

Struktur einer Intervention (8) 
Überbringung einer Todesnachricht

Ingo Janzen

06.11.

18.00

Kultur und Religion (4)

Theodizeefrage und Riten

Peter Bromkamp

13.11.

18.00

Worte und Rituale in der NFS (8)

Peter Bromkamp

20.11.

18.00

Kultur und Religion (4) 
Umgang mit anderen Religionen (Islam)

Ingo Janzen

24.11. 
Samstag

10.00 – 15.00

Kommunikationstraining (7)

Annette Füting

Frank Füting

27.11.

18.00

Übung: Filmanalyse

Ingo Janzen

04.12.

18.00

Suizid (5)

Ingo Janzen 
und NN

11.12.

18.00

Psychohygiene (10)

Peter Bromkamp

18.12.

18.00

Besondere Zielgruppen (9)

Umgang mit Kindern

Harald Karutz

08.01.

18.00

Plötzlicher Kindstod – medizinische Grundlagen 
psychosoziale Betreuung Betroffener (8)

NN Kinderklinik

12.01. 
Samstag

11.00 – 16.00

Größere Einsatzlagen (8)

Ingo Janzen 
Peter Bromkamp 
Uwe Heubach

15.01.

18.00

Organisationsstrukturen der PSNV (3) 
Teamleitungen stellen sich vor

Ingo Janzen 
Peter Bromkamp

22.01.

18.00

Organisationsstrukturen der BOS

Robert Gurk

23.01. – 20.02.

 

Fahrten auf dem RTW

Nach Absprache

29.01.

18.00

Demenz

Cirsten Schuhmacher 

05.02.

18.00

Abschlussgespräch / Gemütlicher Ausklang

 

23.02.

18.00

Beauftragungsfeier

 

 

Rahmendaten:

Die Treffen sind üblicherweise Dienstags von 18.00 – 21.30 Uhr 
Ort der Schulung: Pfarrheim St. Michael Recklinghausen 

Anmeldungen bis 15.06.

Koordination des Kurses: 
Ingo Janzen 
Peter Bromkamp 
Uwe Heubach

Träger: NFS Bistum Münster, NFS Kreisdekanat Recklinghausen, NFS Ev. Kirchenkreis Recklinghausen, NFS Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten 

 

 

 

Das Alte Testament als Klangraum des evangelischen Gottesdienstes

Auf der letzten Pfarrkonferenz am 7. Mai erläuterte Prof. Dr. em. Jürgen Ebach seine Gedanken zu den Wurzeln des Gottesdienstes im Alten Testament, das auch die Grundlagen für die presbyterial-synodale Struktur der Kirchengemeinden, des Kirchenkreises und der Landeskirche bereithält.
Das Alte Testament als Klangraum des evangelischen Gottesdienstes

Professor Dr. em. Jürgen Ebach bei seinem Vortrag vor der Pfarrkonferenz im Großen Saal des Hauses des Evangelischen Kirchenkreises

 

RECKLINGHAUSEN - Ein lustiger - oder auch listiger? - Spruch fiel Superintendentin Katrin Göckenjan irgendwo an einer Wand in Recklinghausen ins Auge: "Jesus zieht alles". Sie nahm das Wortspiel als Steilvorlage für eine vorgezogene Himmelfahrtsandacht vor dem versammelten Pfarrkollegium und einem bemerkenswerten Gast: Professor Dr. Jürgen Ebach em. aus Bochum. 

Der Erhalt der Vielfalt und der Widersprüchlichkeiten in der Bibel ist dem Alttestamentler Ebach besonders wichtig, wie er an der der Übersetzung des Buches Hiob und Genesis 37-50 für die "Bibel in Gerechter Sprache" gezeigt hat. Er weiß sich darüber hinaus einer besonderen Gemeindennähe verpflichtet.

Sein Vortrag mit dem Titel "Das Alte Testament im Gottesdienst. Mit einem besonderen Blick auf das Amt der PresbyterInnen“ erwies sich als ein hörens- und nachlesenswertes, detailliert biblisch begründetes Plädoyer für ein genaues Überlegen, was da in wessen Namen von wem wie im Gottesdienst gesagt wird auf der Grundlage des Alten Testaments. 

Gegenwärtig gebe es nämlich einerseits den Versuch, „die Rolle des Alten Testaments in der Verkündigung zu stärken“, wie es etwa in der Erprobung der neuen Perikopenordnung vermehrt mit alttestamentlichen Texten versucht werde. Andererseits gebe es aber auch den Versuch, die Rolle des Alten Testaments „in der Bibel zu mindern“, so Ebach mit Blick auf den Erlanger Theologen Notger Slenzka.

„In dieser Gemengelage wollte ich zeigen, dass das Alte Testament in der gottesdienstlichen Sprache nicht nur eine wichtige, ja unverzichtbare Rolle spielt, sondern dass sich der Gottesdienst als ganzer in einem alttestamentlichen Klangraum entfaltet“, sagte Ebach und erklärte grundsätzlich: „Das Neue Testament führt nicht aus dem Alten heraus, es führt vielmehr Menschen aus den Völkern in den Wahrheits- und Klangraum des Alten Testaments und so in den Raum Gottes hinein.“

Den liturgischen Stationen im Gottesdienst nachgehend, erklärte Ebach Schritt für Schritt die entsprechenden alttestamentlichen Bezüge vom Eingangsvotum „Im Namen“ bis zum Segen. 

Zentral für den Gedanken einer Gerechtigkeit, die Gott praktisch zu entsprechen suche, stehe die Kollekte, die unbedingt in ihrer theologischen Bedeutung im Gottesdienst gestärkt werden sollte als „Gabe Gottes, von der ich etwas zurückerstatte“, weil sie mir nicht gehöre, erläuterte Ebach.

Anhand der wichtigen Stelle 4. Mose 11 erläuterte Ebach den engen Zusammenhang zwischen dem Wort Presbyter/in und Priester/in oder Älteste/r bzw. den Alten, die nach biblischem Verständnis allesamt keine Hilfskräfte seien, sondern Geistliche in Wort und Lehre. Damit könne „die Struktur der Gemeinde und der Kirche vor einer hierarchischen Ordnung“ bewahrt werden und ein wichtiges Merkmal der presbyterial-synodalen Verfassung der westfälischen Kirche wieder lebendig werden.

"Jesus zieht alles" - das Wortspiel ließ am Ende offen, ob dieser denn "von ganz oben runter" sieht oder zieht (z.B. 1. Kor 23) oder "von ganz unten rauf" (Philipper 2, 5-11). In der Zusammenschau beider Perspektiven aber entfaltet sich erst der ganze Klangraum dieser Vision, von Gemeinde und Dienst, die einige lieb gewordene Hierarchien in Frage stellt - vor allem die parochial-episkopale. GH

Ebachs Vortrag greift zurück auf das 2016 im Gütersloher Verlagshaus erschienene Buch: Jürgen Ebach, Das Alte Testament als Klangraum des evangelischen Gottesdienstes.

Entpflichtung: "Was du getan hast, bleibt auf Dauer"

Pfarrer Günter Johnsdorf wurde nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet
Entpflichtung: "Was du getan hast, bleibt auf Dauer"

Pfarrer Günter Johnsdorf (Mitte re.) neben Superintendentin Katrin Göckenjan, (r.) Dr. Ulrike Preuß, Pfarrerin i.R. Margarete Laarmann, Bürgermeister Christoph Tesche, (v.l.) Ulrike Heibutzki, Pfr. Karl Henschel

 

RECKLINGHAUSEN – Pfarrer Günter Johnsdorf war einer der ersten in der Westfälischen Landeskirche, der neben seiner Gemeindetätigkeit und als Vorsitzender des kreiskirchlichen Finanzausschusses von 2005 bis 2007 eine zweijährige Ausbildung zum Fundraiser bei Lothar Schulz absolvierte. Es war die Hochphase des Reformprozesses „Kirche mit Zukunft“, mit dem auch eine erhebliche Umstellung der kreiskirchlichen Finanzstruktur einherging.

 

Die Frage, was die Kirche aus dem Geld und mit ihm macht, das die Menschen ihr anvertrauen, und wie sie damit effektiv und nachhaltig investieren kann, war Johnsdorf aus biblisch-theologischer Sicht immer wichtig. Er beantwortete sie persönlich mit seiner freundlichen, zugewandten und vertrauensvollen Art, fachlich in Form seiner zuverlässigen und besonnenen Haushalterschaft und theologisch mit dem biblischen Motto auf seiner Einladungskarte: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ (Lukas 16,9).

 

„Theologischer Ausgangspunkt ist ein biblischer Gedanke: Gott hat die Schöpfung und Geschöpfe reich ausgestattet mit Güte und Gütern. Wir haben Taler und Talente bekommen. Mit ihnen sollen wir wuchern, damit Gottes Reich mitten in dieser Welt weiter wachsen kann“, skizzierte Superintendentin Katrin Göckenjan die Denkfigur, die Johnsdorf in seiner Ansprache mit der biblischen Vision vom „Haus der lebendigen Steine“ unterlegte und damit die Wichtigkeit des vertrauensvollen Umgangs miteinander und des Aufbaus guter menschlicher Beziehungen unterstrich.

 

Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrungen im Finanzwesen und mit Hilfe seiner Fundraising-Ausbildung als Strategie der Mittelbeschaffung und des Beziehungsaufbaus gelang es Johnsdorf im Zusammenspiel mit den Beteiligten auf allen Ebenen, die Kirchengemeinden und kreiskirchlichen Dienste professionell und strategisch in den Veränderungsprozessen gut zu beraten und zu begleiten.

 

Segensreich beispielsweise war die Einrichtung eines kreiskirchlichen Baufonds und der Aufbau der kirchlichen Stiftung „ernten und säen“ zusammen mit dem Stiftungsrat unter Vorsitz von Dr. Ulrike Preuß und dem zweiten Vorsitzenden Bürgermeister Christoph Tesche, der es sich nicht hatte nehmen lassen, bei der Verabschiedung dabei zu sein.

 

Mit dem Aufbau der „Arbeitsstelle Fundraising“ als Servicestelle gewann Johnsdorf mehr Handlungsfreiheit, um die vielen Veränderungswünsche aktiv mitgestalten zu können und das Fundraising als Strategie der Mittelbeschaffung und des Beziehungsaufbaus in der Region zu etablieren. Seinen Arbeitsalltag beschrieb Johnsdorf auf seine ruhige Art so: „Menschen gewinnen. Beziehungen pflegen. Spenden einwerben.“

 

„Ich betrachte es als Frucht Deiner Arbeit, dass die Synode einstimmig entschieden hat, diese Arbeit fortzusetzen und weiterzuentwickeln“, würdigte die Superintendentin das Engagement des Theologen - und mit ihr viele andere Weggenossen. Wie etwa Pfarrer Hans-Jörg Federmann, Wegbegleiter und Fundraising-Beauftragter der Landeskirche, der in seinem Grußwort die „Pionierarbeit“ Johnsdorfs in der Region bis in die Landeskirche hervorhob und theologisch unterfütterte: „Was du getan hast, bleibt auf Dauer … Auch ein Zahlschein kann ein Weg der Gerechtigkeit Gottes sein.“

 

Mit einigen persönlichen Bemerkungen beschloss Johnsdorf die Grußworte. „Woran merkt man, dass es Zeit wird, aufzuhören?“, fragte er. Die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, sei einfach nicht mehr so ausgeprägt: „Ich habe keine Lust mehr auf die nächste neue Software und ich bin froh, nicht mehr in die Tiefe der Neuen Kaufmännischen Buchhaltung (NKF) einsteigen zu müssen“, bekannte er. Er werde sich nun, so Johnsdorf mit Blick auf seine Frau und seine drei erwachsenen Kinder, für die er als junger Pfarrer seine Arbeit reduziert hatte, „bewusster mit dem Älterwerden auseinandersetzen“. Aus dem Buch „Das Beste kommt noch“ sei ihm die Erkenntnis wichtig, dass er nun bei der großen Gruppe der „jungen, noch aktiven Alten“ angekommen sei. Wer sich davon persönlich überzeugen möchte, sollte ab sofort nach einem roten VW-Cabrio Ausschau halten. GH

Zuhören lernen - Telefonseelsorge sucht Verstärkung, insbesondere durch Männer

Im November 2018 startet ein neuer Ausbildungskurs mit Schwerpunkt "Zuhören lernen". "Ein guter Zuhörer zu sein, ist eine der wichtigsten und erstaunlichsten Lebenskompetenzen, die der Mensch überhaupt erreichen kann", sagt Telefonseelsorger Stefan Schumacher, Koordinator des europäischen Forschungsprojekts "Listening skills" - ein Trainingskonzept, mit dem man Zuhören lernen kann.
Zuhören lernen - Telefonseelsorge sucht Verstärkung, insbesondere durch Männer

(v.l.) Matthias Mamot und Christa Bischoff leiten stellvertretend die Telefonseelsorge Recklinghausen

 

RECKLINGHAUSEN – "Listening skills" ist ein europäisches Schulungsprogramm, ein Trainingskonzept, mit dem man lernen kann, was das ist: Zuhören. Und dann auch: gute und richtige Fragen stellen. Das scheint keine Selbstverständlichkeit zu sein, wenn Forschungsinstitute aus Deutschland, Niederlande, Ungarn und Italien zusammenarbeiten, um herauszufinden, was zu einem wirklich guten Zuhören gehört.

In der Ausbildung nach dieser neuartigen Methode lernen die Berater*innen, die wichtigsten Grundgefühle ihres Gegenübers zu erkennen und Verständnis zu entwickeln, ohne eigene emotionale Grenzen zu überschreiten. Empathie zu erzeugen ist dafür notwendig. Für einen guten Gesprächsverlauf ist es aber auch wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und die der anderen Person zu respektieren, also weder den eigenen Standpunkt aufzugeben noch wertende Einfluss auf den Gesprächsverlauf zu nehmen. Um Stresssituationen zu vermeiden, müssen kritische Momente im Gesprächsverlauf frühzeitig erkannt werden – auch das gehört zur Ausbildung.

Im November bietet die Telefonseelsorge Recklinghausen auf Basis der „Listening skills“-Methode einen neuen Ausbildungskurs an. Gesucht werden Frauen und insbesondere auch Männer „zwischen 20 und 60“ Jahren, sagt Christa Bischoff, stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge, die bereit sind, für dieses Ziel erst 30 Stunden elektronisch gestütztes Selbstlernen mit Hilfe einer App zu starten, dann 40 Stunden Selbst- und Fremderfahrung in der Ausbildungsgruppe zu absolvieren und schließlich die erlernten Fähigkeiten auf die Praxis zu übertragen und zu vertiefen. Alle Teilnehmenden werden dadurch intensiv auf die Beratungsgespräche am Telefon vorbereitet.

Die Ausbildung ist kostenfrei. Nach der Ausbildung wird aber eine Mitarbeit in der Telefonseelsorge erwartet. Neben Tagschichten gehören auch Nachtschichten dazu, denn die Telefonseelsorge ist jeden Tag rund um die Uhr erreichbar. Durch Fortbildung und Supervision in festen Gruppen sowie Fachvorträge und Fachtagungen zu psychosozialen Themen ist eine weiterführende Qualifikation möglich.

Trotz oder vielmehr: wegen der hohen Anforderungen bringt die Ausbildung vor allem einen persönlichen Gewinn. Denn durch die Zertifizierung ist eine hohe Qualität garantiert, die Gruppenerfahrung ist erfahrungsgemäß sehr wertvoll, mit zunehmendem Erkenntnis- und Erfahrungsgewinn steigt die eigene Lebensqualität und durch die permanente fachliche Begleitung durch die Supervision ist eine persönliche Entwicklung und fachliche Weiterentwicklung im Blick.

Informationen zur Telefonseelsorge und zur Ausbildung als ehrenamtliche Beraterin oder ehrenamtlicher Berater in der Telefonseelsorge gibt auf Anfrage Leiterin Pfarrerin Gunhild Vestner. Viele Informationen bietet auch die Homepage der Telefonseelsorge. GH

Die Quiz-Gewinner des Ambulanten Hospiz-Dienstes stehen fest

Beim Kulturvolksfest am 1. Mai bot der Info-Stand des Ambulanten Hospiz-Dienstes ein Quiz an. Die Gewinner stehen nun fest.
Die Quiz-Gewinner des Ambulanten Hospiz-Dienstes stehen fest

Anne Althoff-von Roëll ermittelt die Gewinner des Hospiz-Quiz

RECKLINGHAUSEN - Auch in diesem Jahr präsentierte sich der Ambulante Hospizdienst Oer-Erkenschwick mit seinem Info-Stand den zahlreichen Menschen, die am 1. Mai das 72. Kulturvolksfest rund um das Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen besuchten.

Viele Menschen interessierten sich für das seit 2016 bestehende Angebot des Hospizdienstes und informierten sich über die Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihren Angehörigen.

Als zusätzliches „Schmankerl“ konnten die Besucher an einem Hospiz-Quiz teilnehmen und tolle Preise abräumen. Inzwischen wurden die Gewinner durch die Schirmherrschaft des Ambulanten Hospizdienstes, Frau Anne Althoff-von Roëll, ermittelt.

Der 1. Preis von 2 Eintrittskarten für die Ruhrfestspiele geht an Frau Kerstin Suntrup aus Datteln. Ein Gutschein vom Restaurant S.Presso in Recklinghausen als 2. Preis hat Frau Martina Pohl aus Oer-Erkenschwick gewonnen. Der 3. Preis, ein Bildband, geht nach Dortmund an Frau Petra Schmiering. Herzlichen Glückwunsch! AH

Ludger Joseph Heid referiert zum Thema „Vom ‚Judenstaat‘ zum Staat der Juden“ am Sonntag, 13. Mai um 17 Uhr in der Synagoge in Recklinghausen

Die Struktur seiner Ausführungen ist im Untertitel seines Vortrags als roter Faden erkennbar: „Das zionistische Projekt: Vom 1. Zionistenkongress, der Balfour-Deklaration, dem UN-Teilungsplan zur Gründung Israels.“ Sein Vortrag liegt zeitlich in unmittelbarer Nähe zur Proklamation des Staates Israel 1948 vor 70 Jahren.
Ludger Joseph Heid referiert zum Thema „Vom ‚Judenstaat‘ zum Staat der Juden“ am Sonntag, 13. Mai um 17 Uhr in der Synagoge in Recklinghausen

Der Referent Dr. Ludger Joseph Heid

 

RECKLINGHAUSEN - Privatdozent Dr. Ludger Joseph Heid ist Historiker, Literaturwissenschaftler und Publizist. Er erklärt in seinem Vortrag in der Synagoge am Polizeipräsidium die Entstehungsbedingungen des politischen Zionismus *) und seine programmatische Ausformulierung durch Theodor Herzls Programmschrift „Der Judenstaat“.

 

In der Nachfolge Herzls stehend, sei es dem späteren israelischen Präsidenten Chaim Weizmann gelungen, so die These des Referenten, die Briten während des Ersten Weltkriegs zu einer weitreichenden prozionistischen Erklärung, der sogenannten Balfour-Deklaration, zu bewegen: Mit dieser Erklärung vom 2. November 1917 erkannte England die zionistischen Forderungen auf das Land Palästina an. Ohne dieses Palästina-Mandat wäre es niemals zum UN-Teilungsplan im Jahr 1947 und auch nicht zur anschließenden Ausrufung des Staates Israel durch David Ben Gurion am 14. Mai 1948 gekommen. 

 

Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zur Aussprache. Der Eintritt ist frei. 

 

Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, Dr. Mark Gutkin, begrüßt als Kooperationspartner das Publikum und die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Gerda E.H. Koch, übernimmt die Moderation. Für die Teilnehmenden an der Studienreise der Gesellschaft nach Israel im Herbst ist diese Veranstaltung interessant als Teil ihrer  inhaltlichen Vorbereitung. Weitere Informationen dazu hält Gerda E.H. Koch auf Anfrage bereit. GK / GH

 

*) Zion steht bekanntermaßen auch für Jerusalem und bezieht damit die jahrhundertelange Sehnsucht des jüdischen Volkes nach Rückkehr in das Land der Väter ein, auch wenn es während aller Jahrhunderte eine jüdische Bevölkerung dort gab.

"Heimat" bleibt ein Ort der Sehnsucht

Das Wort "Heimat" ist ein schillernder Begriff. Er wurde und wird bis heute gerne mißbraucht: für die eigene Abgrenzung und zu politischen Zwecken. Dr. Frank Hoffmann, Intendant der 14. Ruhrfestspiele zum Thema "Heimat" und Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek begaben sich in einem Gottesdienst in der Christuskirche auf eine Spurensuche - und entdeckten Seltsames und Eigenwilliges.
"Heimat" bleibt ein Ort der Sehnsucht

(v.l.) Pfarrer Eugen Soika, Intendant Dr. Frank Hoffmann und Landessozialpfarrerin Heike Hilgendiek (Foto: GH)


RECKLINGHAUSEN - Das Jahr 2018 birgt das doppelte Ende einer Ära: das Ende des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet und das Ende der Intendanz von Dr. Frank Hoffmann (64) nach 14 erfolgreichen Ruhrfestspieljahren. Mit seiner letzten Spielzeit gibt Hoffmann „in Zeiten von AfD und Flüchtlingsströmen“ dem aktuell viel diskutierten, schillernden Begriff ‚Heimat‘ eine Bühne, „um dem Missbrauch des Begriffs durch politische Instrumentalisierung oder für die eigene Abgrenzung etwas entgegenzusetzen“, schreibt er in seinem Grußwort auf der Homepage der Ruhrfestspiele. 

 

Ein guter Zeitpunkt für die Evangelische Altstadt-Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG, Schwerte) und „Glückauf Zukunft“, den Intendanten zu einem „Gottesdienst im Rahmen der Ruhrfestspiele“ einzuladen, so Pfarrer Eugen Soika bei der Begrüßung in der Christuskirche. Hier lag es nahe, das vielschichtige Phänomen nicht nur hinsichtlich eigener Erfahrungen zu reflektieren, sondern auch auf biblischem Hintergrund. 

 

Einen kleinen Teil der vielen verschiedenen Zugangsmöglichkeiten konnten Soika und Hilgendiek anfangs durch eine kleine Befragung der Gottesdienstgemeinde zu ihrer Herkunft und zur Relevanz des Themas „zwischen Pommes Rot-Weiß, dem digitalen Umbau der Arbeitswelt … und 180 Nationen, die hier leben“ öffentlich machen. Der Eintrag ins Poesiealbum einer Gottesdienstbesucherin, in dem Heimat als „der Ort, wo deine Pflichten sind“, beschrieben wurde, fand dabei ebenso Platz wie der eher vage Versuch der digitalen Bibliothek wikipedia mit einer Definition von Heimat als „Beziehung zum Raum“.

 

In einer Art Co-Predigt mit Hilgendiek las Hoffmann aus seinem Grußwort zur laufenden Spielzeit. Darin skizzierte er sein Verständnis des Begriffs: „Und wenn am Ende der Festspiele 2018 auch meine Zeit im Ruhrgebiet zu Ende geht, werde ich sie auch erfahren haben: die verlorene Heimat an der Ruhr als ein Zuhausesein in der Welt, und sie scheint mir – frei nach Bloch – in die Kindheit hinein.“ Eine Hoffnung im Prozess der Geschichte, eine Perspektive, die - im Sinne Blochs - erst noch gewonnen werden muss im nicht aufzulösenden Spannungsverhältnis zwischen Heimat und Fremde.

 

Angesichts des längst begonnenen Kulturwechsels im Revier fragte Hoffmann: „Was bleibt von der Kohlenpott-Romantik? Was bedeutet es für die Ruhrfestspiele, wenn von ihrem Gründungsmythos ‚Kunst für Kohle‘ nur noch die Kunst bleibt?“ In der Debatte darum gehe es um das „Ankommen, Weggehen und Bleiben. Und das neu Gestalten. Erfinden, Öffnen.“

 

In der Beschreibung dieser Such-Bewegung, den darin erkennbaren Egoismen und Sehnsüchten sowie in der Erfahrung von Vertreibung „scheinen Religion und Theater verwandt zu sein“, sagte Hilgendiek. Die Verheißung einer Heimat für die Vielen gebe es seit biblischen Zeiten, erinnerte sie. Der Prophet Micha beispielsweise habe die Sehnsucht nach einem sicheren Wohnen mit Blick auf den Berg Zion formuliert, auf dem Gott die Menschen zusammenruft. Auch Jesus habe eine Fluchtgeschichte gehabt und „keinen Ort, wo er sein Haupt niederlegen“ konnte. 

 

Heimat und die Sehnsucht danach sei immer wieder politisch instrumentalisiert worden, gab Hoffmann zu bedenken. Dem gegenüber entwerfe das Theater „im freien Raum einen Entwurf für ein neues Leben.“ Es versuche, das zu bezeichnen, „was der Menschen Zuhause ist und wo sich die Menschen fremd fühlen, was sie sich erträumen“, sagte er.

 

Die praktische Relevanz und politische Tragweite des Themas zeigte sich insbesondere bei den Fürbitten: „Hilf, dass die politisch Verantwortlichen das Heimatministerium nicht zu Kitsch oder Rückwärtsgewandheit verkommen lassen“, lautete eine. 

 

Mehrere musikalische Brückenschläge zum Thema gelangen Kirchenmusikdirektorin Elke Czernysev während des Gottesdienstes, die zwischen den Wortbeiträgen ihren gewohnten Platz an der Orgel verließ, um am Klavier einige bekannte und zu vielen Gelegenheiten gesungene „Heimatlieder“ zu intonieren und darüber zu improvisieren. Auf diese Art bot sie einen wunderbar verfremdenden Resonanzraum, sich darin der potentiellen Wiederkehr des Immergleichen zu widersetzen und dem Ganzen eine ästhetisch-distanzierende Note zu verleihen. GH